Unheilig spielen heute in Rostock : Singender Seelsorger

<strong>'Der Graf' von der Band Unheilig</strong> gibt heute Abend ein Konzert im Iga-Park Rostock.<foto>dpa</foto>
"Der Graf" von der Band Unheilig gibt heute Abend ein Konzert im Iga-Park Rostock.dpa

Heute Abend gastiert Unheilig im Iga-Park Rostock. Olaf Neumann sprach vorher mit dem "Grafen" über Vergänglichkeit und sein Engagement in Kinderhospizen. Für das Konzert gibt es noch Tickets an der Abendkasse!

svz.de von
27. Juli 2012, 07:13 Uhr

Rostock | "Der Graf" ist Kopf der Band Unheilig. Mit Pathos und hymnischen Schlagermelodien stieg er zum Massenphänomen auf. In Wahrheit ist er gar kein Graf, er heißt einfach nur so: Bernd Heinrich Graf. So jedenfalls wird es kolportiert. Sicher ist: Heute Abend gastiert Unheilig im Iga-Park Rostock. Olaf Neumann sprach vorher mit dem "Grafen" über Vergänglichkeit und sein Engagement in Kinderhospizen.

Ihre Platten verkaufen sich millionenfach, aber niemand kennt Ihre wahre Identität. Im Internet kursieren verschiedene Namen…

Der Graf: Ich finde das superlustig. Mittlerweile wird mir das ein oder andere Kind angedichtet. Ich soll angeblich auch verheiratet sein. Ich lass’ das einfach so stehen und denke mir meinen Teil.

Wie schützen Sie Ihr Privatleben und Ihre Intimsphäre?

Ehrlich gesagt wundere ich mich, dass ich nicht ständig von Paparazzi verfolgt werde. Ab und zu mal klingelt jemand an der Tür, das sind meistens Kinder, die fragen: "Wohnt denn jetzt der Graf hier?" und dann um ein Autogramm bitten. Das war’s auch schon. Die Prominenz hat sogar einige Vorteile. Wenn man etwa in einen Baumarkt geht, rennen normalerweise die Mitarbeiter weg. Zu mir kommen sie. (lacht)

Wie konnten Sie bei all dem Trubel um Ihre Person überhaupt kreativ sein?

Das Schreiben hat mir sogar geholfen, so richtig zu begreifen, was da gerade passierte. Ich habe mir schon immer alles von der Seele schreiben können, die Musik ist ein Ventil, eine Zuflucht. Als würde man etwas einem guten Freund erzählen.

Versuchen Sie, mit Ihrer Musik zu ergründen, was das Leben ausmacht?

Ich glaube, ich suche den Sinn im Leben. Ich suche auch immer den Sinn in allem Schlimmen. Ob das der Tod von meinem Freund war 2008, als ich mir die Frage gestellt habe, was das Ganze soll. Daraufhin schrieb ich die Lieder "An deiner Seite" und "Geboren um zu leben". Ich habe mir musikalisch die Frage gestellt: Darf ich jetzt wieder glücklich sein? Darf ich nach vorne sehen? Ich glaube, im Nachhinein hat alles einen Sinn.

Sie wurden auch in Hospize eingeladen. Sieht man in Ihnen nicht nur einen Musiker, sondern auch einen Seelsorger?

Ja, definitiv. Todkranke Menschen wollten mich treffen, weil meine Musik ihnen in ihrer Situation half. Sie wollten sich mit mir darüber unterhalten. Sie haben mir erklärt, wie sie ihre Beerdigung planen. Im Grunde genommen saß ich da mit völlig Fremden in einem Zimmer. Da liegt einer im Bett, der bald stirbt und erzählt dir seine Lebensgeschichte. Du sitzt dann da, meistens zusammen mit den Eltern, und verabschiedest dich von diesen Menschen. Wir haben zusammen geweint, viel kann man ja nicht tun, eigentlich nur zuhören. Aus dieser emotionalen Sache ist dann das Lied "Ein guter Weg" entstanden.

Wie kann man einem sterbenden Menschen einfühlsam zur Seite stehen?

Man ist einfach da und nimmt sich in den Arm. Man weint gemeinsam. Das ist der gute Weg. Ich habe in diesen Situationen die Erfahrung gemacht, dass sich die Betroffenen wünschen, einfach nicht allein gelassen zu werden. Es waren extreme Situationen, die mich in den letzten beiden Jahren ziemlich belastet haben. Es waren ja nicht nur ein oder zwei, sondern ganz viele Menschen, die ich begleitet habe: Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene. Bei den Kindern war es ganz schlimm. Wenn da ein Zwölfjähriger im Sterben liegt, denkst du: Das Leben ist manchmal ungerecht.

Haben Sie darauf eine Antwort gefunden?

Nein, den Sinn kann ich nicht verstehen. Dort wirst du mit einem Aspekt des Lebens konfrontiert, der normalerweise nur hinter verschlossenen Türen abläuft. Wer das erlebt, bekommt eine ganz andere Sichtweise auf sein eigenes Leben. Alles relativiert sich. Als Mensch hat es mir sogar ganz gut getan, aber es war halt nicht einfach. Ich werde trotzdem weitermachen, weil ich weiß, dass es den Betroffenen guttut.

Wenn ein Star eine soziale Einrichtung besichtigt, geschieht das meist nicht ohne Medienrummel.

Es gab Anfragen von den verschiedensten Magazinen, die das fotografieren und eine große Story machen wollten. Wir haben alles abgesagt, diese Besuche waren immer heimlich.

Für viele Menschen ist der Tod etwas Abstraktes. Wie sehen Sie ihn?

Der Tod ist für mich nie abstrakt gewesen, er war immer da. Privat habe ich viele Dinge erlebt. Der Tod gehört zum Leben, wie die Geburt.

Noch Karten!

Das heutige Unheilig-Konzert (18.30 Uhr , Iga-Park Rostock) ist der Ersatz für den im vergangenen Jahr (19. August) wegen des Unwetters ausgefallenen Termin. Damals gekaufte Karten sind gültig für heute Abend. Und es gibt noch Tickets an der Abendkasse!

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