zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. November 2017 | 16:44 Uhr

Sieben Bäume für den Glatten Aal

vom

svz.de von
erstellt am 08.Mär.2012 | 10:02 Uhr

Stadtmitte | Der Glatte Aal soll schöner werden. Die Stadt plant, den größten Schandfleck der Rostocker Innenstadt mit ein wenig Grün attraktiver zu machen. Das Stadtplanungsamt, das Amt für Stadtgrün und das Tiefbauamt haben sich Gedanken darüber gemacht, wie der Parkplatz mit geringem Aufwand verschönert werden kann, teilt Rathaus-Sprecher Ulrich Kunze mit. Das vorläufige Ergebnis: Sieben Bäume sollen gepflanzt, darüber hinaus Rasen ausgesät werden. Aber was wird jetzt aus dem ganzen Areal, das der Erbin des verstorbenen Investors Jürgen Klechowitz gehört und seit Jahren brachliegt?

Die Möglichkeiten der Hansestadt zur Aufwertung des Areals, das von vielen Rostockern und Besuchern als triste Brachfläche empfunden wird, sind beschränkt. Denn nur geringe Teile des Grundstücks befinden sich noch in städtischem Eigentum. Das Gros gehört der Frau des im Juli 2010 verstorbenen Bauunternehmers und Projektentwicklers Klechowitz. Nur ein kleiner Bereich an der Ecke Rungestraße/Rostocker Heide gehört der Hansestadt. Hier sollen zwei Bäume gepflanzt werden. Weitere fünf werden zwischen Michaeliskirche und Musikschulzentrum ihren Platz finden.

Die Verschönerungsmaßnahmen der Stadt müssen somit ein Tropfen auf den heißen Stein bleiben. Denn Projektplanungen für einen Bau oder eine sonstige Gestaltung des Glatten Aals scheint es noch immer nicht zu geben. "Im Bereich des Bauamtes liegen keine neuen Erkenntnisse vor", sagt Kunze.

Areal stand kurz vor der Zwangsversteigerung

Und dabei waren die ursprünglichen Pläne für den Glatten Aal so ambitioniert: Für 70 Millionen Euro sollte hier ein moderner Komplex aus zwei Gebäuden entstehen. Geschäfte, ein Hotel, Wohnungen und ein Casino waren geplant und sollten in der City ein städtebauliches Gegengewicht zum Kröpeliner-Tor-Center bilden. 2007 stimmte die Bürgerschaft dem Bebauungsvorschlag des Investors zu. Damals gingen die Beteiligten noch davon aus, dass das Vorhaben Ende 2008 fertiggestellt sein würde. Doch immer wieder erleidet das Vorhaben Rückschläge. Uneinigkeit über den Grundstückspreis, zu fällende Bäume und umzusiedelnde Fledermäuse stehen einem Baustart im Weg. Schließlich wird die alte Bebauung abgerissen, der Platz nach langer Verzögerung auch beräumt - doch dann enden die Arbeiten. Ein Parkplatz wird angelegt. Und so sieht es auf dem Glatten Aal heute noch aus, Jahre nach dem Verkauf des Filet-Grundstücks an den privaten Investor.

Nach dem Tod von Jürgen Klechowitz ist es still geworden um den Glatten Aal. Die Witwe des verstorbenen Unternehmers, Bärbel Klechowitz, ist als Eigentümerin zumindest für eines der vier Grundstücke, die den Glatten Aal bilden, im Grundbuch eingetragen. Als Erbin dürfte sie aber auch die drei anderen Flächen übernommen haben.

Das Grundstück in Rostocker Premium-Lage ist mit einem bunten Strauß an Grundschulden und Hypotheken belastet. Die meisten davon stammen aus 2009 - dem Jahr der Finanz- und Wirtschaftskrise, das vielen Bauprojekten den Garaus machte. Es war auch das Jahr, in dem die Zwangsversteigerung für den Glatten Aal angeordnet wurde, das Rostocker Großprojekt also kurz vor dem Aus stand.

Einnahmen gehen direkt an die Gläubiger

Doch es kam nicht zum Äußersten, ein Termin für die Zwangsversteigerung wurde nie angesetzt. Vielleicht auch, weil Klechowitz einen potenziellen Käufer für das Grundstück präsentieren konnte. Anfang 2010 wurde das Kaufinteresse eines Unternehmens aus Wittenberge angemeldet. Warum es nicht zum Verkauf kam, ist offen.

Fakt ist, dass das Grundstück mittlerweile zwangsverwaltet wird. Das heißt, alle Einnahmen, die hier generiert werden, gehen direkt an die Gläubiger. Dass sich Schulden in dieser Größenordnung so abbauen lassen, kann jedoch bezweifelt werden.

"Hätte ich gewusst, dass der Glatte Aal so schwierig wird, hätte ich das Projekt nie angefasst", meinte Jürgen Klechowitz noch im September 2009 gegenüber den NNN. Und es scheint schwierig zu bleiben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen