schicksale : Sie wollen in Dummerstorf bleiben

Die Angst vor der Abschiebung ist bei Familie Hassan Haji allgegenwärtig. Dennoch hoffen Barzan, Fajer, Hind, Ella und Maja sowie Patin Sabine Fulda, dass die bleiben dürfen.
Die Angst vor der Abschiebung ist bei Familie Hassan Haji allgegenwärtig. Dennoch hoffen Barzan, Fajer, Hind, Ella und Maja sowie Patin Sabine Fulda, dass die bleiben dürfen.

Nach neunmonatiger Flucht lebt die syrische Familie Hassan Haji nun im Landkreis Rostock / Abschiebung nach Bulgarien droht

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14. August 2015, 15:00 Uhr

Ausgelassen toben Maja (7), Fajer (6) und Ella (2) über die Wiese. Sie lachen, springen und freuen sich über den sommerlichen Tag. Nach neunmonatiger Flucht aus ihrem Heimatland Syrien haben Hind (26) und Barzan Hassan Haji (37) mit ihren drei Kindern in Dummerstorf endlich ein neues Zuhause gefunden. Doch nun soll die Familie nach Bulgarien abgeschoben werden, dorthin wo sie erstmals in der EU registriert wurde. „Für uns ist Dummerstorf der erste sichere Zufluchtsort seit Langem“, sagt Familienvater Barzan Hassan Haji. Was für viele kaum vorstellbar ist, ist für die kurdische Familie aus Syrien bittere Realität.

Rückblende: Im Juni 2014 beschließen die Eltern, Syrien zu verlassen. Nach Raketenangriffen auf ihre Heimatstadt Damaskus und Schüssen von IS-Kämpfern auf die Familie ist die Flucht der einzige Ausweg. Zunächst in die Stadt Malekia, später über den Norden Syriens in die Türkei. Im dritten Anlauf gelingt es der Familie, die Grenze zu Bulgarien zu passieren, wo sie von der Polizei aufgegriffen und inhaftiert wird. „Nach zehn Tagen kamen wir frei, lebten vier Monate in einem Flüchtlingsheim und wurden dann ohne Hab und Gut vor die Tür gesetzt“, erinnert sich der Familienvater. Nach einigen Nächten auf der Straße bringt sie ein Kleinbus nach Deutschland. Umgerechnet 250 Euro pro Kopf habe die Familie für den Transport bezahlt. Über die Stationen Bremen, Horst und Schwerin gelangen sie schließlich in den Landkreis Rostock. Empfangen wurden sie hier vom Helferkreis Flüchtlinge für Dummerstorf, der sich der Familie annahm und sie bis heute unterstützt. So auch in der jetzigen Situation, in der die Abschiebung nach Bulgarien droht. „Da die Familie dort zur Abgabe von Fingerabdrücken gezwungen wurde, fällt sie unfreiwillig unter die Drittstaaten-Regelung. Das heißt, sie kann nur dort einen Asylantrag stellen, wo sie erstmals registriert wurde“, sagt Familienpatin Sabine Fulda vom Helferkreis. Dennoch könne das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vom üblichen Verfahren abweichen und der Familie ein langfristiges Bleiberecht in Deutschland einräumen. „Darauf hoffen wir jetzt“, sagt Fulda. So hat die Familie Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht, der Helferkreis wandte sich zudem an den Petitionsausschuss des Bundestages. Auch der Landtagsabgeordnete Hikmat Al-Sabty (Linke) hat die Familie bereits besucht und seine Hilfe zugesichert.

„Die Familie beginnt, sich in Dummerstorf zu integrieren. Maja besucht die erste Klasse, Fajer wird nach den Ferien eingeschult und Ella kommt in den Kindergarten“, sagt Sabine Fulda. Im Mehrgenerationenhaus besucht die Familie zudem zweimal in der Woche einen Deutschkurs. Karin Nürnberg vom Helferkreis gibt der siebenjährigen Maja zusätzlich zwei Mal in der Woche Nachhilfe. „Für uns ist es ein großes Glück, dass wir in Dummerstorf sein können. Bleiben zu dürfen, wäre für uns wie eine Erlösung“, sagt Barzan Hassan Haji. Ab der kommenden Woche wird der 37-Jährige in der Kirchgemeinde Kavelstorf arbeiten – ehrenamtlich. „Ich möchte nicht zu Hause bleiben, sondern ein Vorbild für meine Kinder sein.“

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