warnemünde : Sie wollen 50 Proben nehmen

Die „Poseidon“ geht bis zum 4. September auf Forschungsfahrt. Fotos: IOW
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Die „Poseidon“ geht bis zum 4. September auf Forschungsfahrt.

Forschungsschiff „Poseidon“ startet zu Ostsee-Umrundung auf der Spur von Mikroplastik

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18. August 2015, 15:00 Uhr

Mit dem FS „Poseidon“ sind Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) zur Bestandsaufnahme von Mikroplastik in der Ostsee aufgebrochen. Während der einmonatigen Expedition werden an bis zu 50 Stationen Proben genommen. Es soll mittels genetischer Analysen untersucht werden, ob mikrobielle Lebensgemeinschaften bei Umweltstress ihre Zusammensetzung verändern oder weitere Reaktionen zeigen, die sich im genetischen Fingerabdruck niederschlagen.

Die „Poseidon“, eines der Forschungsschiffe des Kieler Ozeanforschungsinstitutes Geomar, umrundet von Rostock aus die gesamte Ostsee. „Ob wir alle 50 geplanten Stationen anfahren, hängt vom Wetter ab“, sagt Fahrtenleiterin Dr. Sonja Oberbeckmann. Die Meeresmikrobiologin aus der Arbeitsgruppe Umweltmikrobiologie des IOW ist verantwortlich für den Forschungsfokus Mikroplastik. „Um uns einen umfassenden Eindruck zu verschaffen, wo und wie viel Mikroplastik es gibt und aus welcher Plastikart es besteht, wollen wir an allen Stationen das Oberflächenwasser und Sediment beproben. Damit ist unsere Expedition die erste derartig umfassende Mikroplastik-Bestandsaufnahme für die Ostsee“, so Oberbeckmann.

Bereits seit den 1970er-Jahren ist bekannt, dass sich kleine bis kleinste Plastikrückstände als Mikroplastik-Partikel im Meer anreichern. Ausführlicher erforscht wird das Phänomen seit zehn Jahren. Mikroplastik ist in vielen Alltagsprodukten wie Kosmetika und Kleidung enthalten und gelangt über Haushaltsabwässer in die Umwelt. Auch großer Plastikmüll zerfällt durch UV-Strahlung, mechanischen Abrieb und andere Einflüsse zu Mikroplastik. Aufgrund der geringen Größe werden die Partikel von Organismen aufgenommen, sodass die in den Kunststoffen enthaltenen Giftstoffe in die Nahrungsketten gelangen. Außerdem bieten die im Wasser treibenden Partikel Mikroorganismen eine feste Oberfläche, die sie besiedeln und wo sie dichte Biofilme bilden können. Im Meer kommen pathogene oder toxische Keime vor, die verdünnt im freien Wasser meist unproblematisch sind. Mikroplastik kann potenziell zusätzliche schädliche Auswirkungen haben, wenn sich solche Organismen als Biofilm auf den Partikeln anreichern. „Ob Mikroplastik Krankheitserreger oder anderweitig schädliche Mikroben anreichert oder zu deren Verbreitung beiträgt, ist unklar. Fest steht, dass der durch den Menschen eingebrachte Faktor ‚Mikroplastik‘ ein zusätzlicher Lebensraum für mikrobielle Lebensgemeinschaften im Meer ist und diese daher beeinflussen kann“, so Oberbeckmann. Um diesen Einfluss zu verstehen, führen die Forscher Experimente an Bord durch, bei denen fabrikneue Mikroplastik-Pellets mit Wasser- und Sedimentproben aus der Ostsee zusammengebracht werden, um zu sehen, welche Biofilme sich unter kontrollierten Bedingungen entwickeln. „Diese Biofilme können wir mit denen von ‚wildem‘ Mikroplastik vergleichen, das wir am selben Probenort aus der Ostsee isoliert haben. Das liefert Hinweise zu Entwicklungsbedingungen sowie zur Interaktion mit der Umwelt“, sagt Oberbeckmann.

Die Arbeiten werden vom Verbundprjekt Mikromik der Leibniz-Gemeinschaft geförderten.

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