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18. Dezember 2017 | 10:13 Uhr

Sie nimmt die Sache in die Hand

vom

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erstellt am 20.Jan.2012 | 10:32 Uhr

Rostock | Der Frauen-Tischtennis-Sport in Rostock ist zu neuem Leben erwacht. Zu verdanken hat er dies maßgeblich Diana Höffer. Die frischgebackene Landesmeisterin - 25, gertenschlanke 1,79 m - hinterlässt mit dem Schläger in der Hand am grünen Tisch ebenso eine gute Figur wie im weißen Laborkittel: Die Diplom-Chemikerin ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Rostock und schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit. Themen: Mikroverfahrenstechnik und Ökoeffizienz-Analyse.

Im Frühjahr 2009 kam das Aus

Da Leistungsträgerinnen den damaligen Regionalligisten TSV Süd verließen, aber auch, weil es keinerlei Nachwuchs mehr gab, ereilte das erfolg- wie traditionsreiche Damen-Tischtennis in Rostock im Frühjahr 2009 das Aus.

Diana spielte seitdem in der Oberliga für die Kaltenkirchener Turnerschaft (Schleswig-Holstein/Kreis Segeberg), bis ihr voriges Jahr die Fahrtwege einfach zu weit wurden: "Ich trat ja sozusagen immer nur auswärts an."

In der Zwischenzeit hielten ihre frühere Doppel-Partnerin Claudia Ahrens und deren Vater Winfried die Fahne der Nachwuchsarbeit beim TSV Rostock Süd hoch. "Die beiden sind sehr engagiert und fast jedes Wochenende mit den Kindern unterwegs. Ich helfe seit gut einem Jahr mit. Wir teilen uns die Aufgaben. Leider schaffe ich es nur einmal die Woche, würde gern öfter dasein", berichtet Diana, die seit 1. Januar 2012 als Nachfolgerin von Steffen Brüsch auch Stützpunkttrainerin ist.

Die Talentegruppe umfasst 18 bis 22 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren. Bedauerlicherweise sind aber nur ganz wenige Mädchen dabei. Die größte Begabung hat Caroline Urban (11), die unlängst bei den Landesmeisterschaften Dritte wurde.

Erster Erwachsenen-Titel beendet Dornröschenschlaf

Apropos: Diana Höffer, die 1993 als Siebenjährige mit dem Tischtennis begann, kam von den Schülern C (zehn Jahre und jünger) über B und A bis zur Jugend stets zu MV-Meister-Ehren. Nur im Erwachsenenbereich biss sich die gebürtige Rostockerin an dem Vorhaben lange die Zähne aus - bis sie unlängst in Parchim den einzigen Titel für den TSV Süd holte. Und damit gewissermaßen auch das hiesige Frauen-Tischtennis aus dem Dornröschenschlaf.

Der Landesmeister-Pokal ist der einzige, der in ihrer Zwei-Raum-Wohnung in der Strandstraße auf dem Fensterbrett steht. Wegen Platzmangels befinden sich die vielen anderen Trophäen daheim bei Mutter Grit und Vater Gunter (spielte in seiner Jugendzeit mit Juri Schlünz zusammen bei Hansa Fußball).

Es waren freilich nicht die Eltern, die ihrer Tochter die Liebe zum Spiel mit dem Zelluloidball vermittelten. Diese hat ihr Opa Hans-Peter Höffer vererbt. Der 77-Jährige ist Pionier des Tischtennis in Rostock, bis heute aktiv - und Berichterstatter der NNN u. a. von den Oberliga-Männern des TSV Süd.

Mit Herren spielt derzeit in Ermangelung gleichgeschlechtlicher Sportpartner auch Diana. Zuletzt half sie dem TSV Süd IV, gegen den Stadtrivalen Nord-West III ein 8:8 zu erobern.

"Höher als Landesliga zu starten ist für Frauen im männlichen Bereich nicht möglich. Aber ich habe auch so schon zu tun. Trotzdem ist meine Bilanz ausgeglichen. Und das, obwohl ich seit zwei Jahren eigentlich gar nicht mehr trainiere", sagt die Deutsche Nachwuchs-Mannschafts-Meisterin von 1997 (da mischte sie als Elfjährige schon bei der Jugend mit) und 2001, damals noch mit dem Post SV Rostock.

Am 11./12. Februar vertritt die Einzelkämpferin in ihrer alten "Heimat" Kaltenkirchen Mecklenburg-Vorpommern bei den Norddeutschen Meisterschaften und hofft, "wenigstens ein Spiel zu gewinnen. Das wäre schon ganz gut."

Solistisch ist der Damen-Tischtennis-Sport in der Hansestadt also schon mal auferstanden. Doch es kommt noch besser: In absehbarer Zeit könnte es in Rostock wieder eine Frauenmannschaft geben! Diana Höffer bestätigt: "Es hängt natürlich auch davon ab, ob Geld dafür da ist. Man müsste die Sache in die Hand nehmen, sich zusammentun. Es wäre durchaus denkbar, einen Neubeginn in der Oberliga vielleicht im nächsten Jahr anzudenken. Jill Behrens von Aufbau Parchim zum Beispiel ", vertieft sie den Gedanken, "will nach dem Abitur in Rostock studieren. Aus Demmin gibt es Anfragen von noch jüngeren Talenten. Und wenn man Gabi Kalka ansprechen würde, stellt die sich bestimmt wenigstens für die Heimspiele zur Verfügung (obgleich das Urgestein des Rostocker TT-Sports mittlerweile die 40 überschritten hat - d. Red.)."

Erst mal jedoch fährt die noch 25-Jährige heute mit der Bahn für zehn Tage in den Urlaub, nach Klosters/Davos in der Schweiz. Dort arbeitet ihr Freund Gunnar (28) im Winter als Snowboard-Lehrer (im Sommer "unterrichtet" er Kitesurfen und ist dann im Gegensatz zu derzeit regelmäßig zu Hause). "Vor zwei Jahren", erinnert sich Diana, "habe ich mich schon einmal auf dem Snowboard versucht. Gunnar hatte hohe An-

sprüche. Er meinte, ich sei doch sportlich, und hat mich gleich auf die rote (ziemlich anspruchsvolle - d. Red.) Piste geschickt. Das ging schief - mir sprang die rechte Kniescheibe raus." Möge diesmal alles gut gehen…

Im Anschluss geht es für die große Blonde, die über ihr Interesse für die Antidopingforschung letztlich zur Technischen Chemie fand, auf Dienstreise - drei Tage Exkursion nach Antwerpen zu den Firmen BASF, Bayer, Evonik.

Weiterbildung ist wichtig. Denn neben der endgültigen Wiederbelebung des Frauen-Tischtennis in Rostock will Diana Höffer ja auch bis 2014 die Doktorwürde erlangen.

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