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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. Oktober 2017 | 21:11 Uhr

Jungbauern : Sie lieben das Leben auf dem Land

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Karin Puckhaber und Carl-Theodor Heincke übernehmen die Betriebe ihrer Eltern – und sehen in der Landwirtschaft ihre Zukunft.

von
erstellt am 27.Feb.2015 | 14:00 Uhr

Massentierhaltung, Überalterung, Geruchsbelästigung, kein Urlaub und eine fehlende Perspektive – Landwirte haben in ihrem Beruf mit zahlreichen Vorurteilen zu kämpfen. Karin Puckhaber (31) und Carl-Theodor Heincke (31) haben diese negativen Stimmen jedoch satt. Die beiden Jungbauern stehen für die neue Generation ihres Berufsstands und sehen in der Landwirtschaft einen Beruf mit Zukunft.


Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker


Morgens um 5.30 Uhr klingelt in Bandelstorf täglich der Wecker von Karin Puckhaber. Der erste Weg führt die 31-Jährige zur Kontrolle der frisch gekalbten Kühe in den Rinderstall. 240 Milchkühe sowie etwa genau so viele Kälber und Jungrinder wollen außerdem gemolken und mit Futter versorgt werden. Für die zweifache Mutter kein Problem: „Ich kenne es nicht anders, bin auf dem Hof aufgewachsen“, sagt die junge Frau, die für das Herdenmanagement auf dem elterlichen Hof zuständig ist. Zwischen diesen Aufgaben bringt sie zudem noch die Töchter Greta (5) und Johanna (1) in den Kindergarten.

Sieben Arbeitstage in der Woche, kaum Urlaub und wenig Freizeit – geht das Familienleben da nicht unter? Diese Frage kann Karin Puckhaber nur verneinen. „Wer nicht mit meiner Arbeit zu tun hat, sieht häufig die Nachteile. Der Job besteht aber nicht nur aus Ausmisten und Melken, ist viel abwechslungsreicher“, ist sie überzeugt. „Stattdessen ergeben sich neben Verpflichtungen auch viele Freiheiten. Und auch die Geburt jedes Kälbchens ist immer wieder etwas ganz Besonderes“, sagt die 31-Jährige mit strahlenden Augen. Da passt es ins Bild, dass Ehemann Jan-Hendrik ebenfalls auf einem Milchviehbetrieb aufwuchs und in der gleichen Branche tätig ist.

Vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb das Ehepaar Puckhaber die natürliche Umgebung zum Aufwachsen der Töchter Greta und Johanna so schätzt. „Für die Kinder ist der Hof klasse. Gerade im Sommer versammelt sich hier das halbe Dorf. Spielkameraden sind immer da“, sagt Karin Puckhaber. Und auch bei den Kühen sind Kind und Kegel oft mit dabei, in jedem Stall ist schließlich eine kleine Spielecke mit Malstiften und Lego-Steinen eingerichtet.

Ganz so weit ist Carl-Theodor Heincke in puncto Familienplanung zwar noch nicht, doch Gedanken um seine Zukunft hat sich der 31-Jährige längst gemacht. Erst im vergangenen Jahr übernahm der Jungbauer den elterlichen Milchvieh- und Ackerbetrieb, der seit 1834 in Parkentin angesiedelt ist. Für „Theo“ Heincke ein wegweisender Schritt: „In einem Flächenland mit wenig Wirtschaft kann die Wertschöpfung nur über Tourismus oder eben die Landwirtschaft kommen“, sagt er und sieht vor allem die guten Boden- und Klimaverhältnisse in Mecklenburg-Vorpommern als Vorteil. „Ich stecke Energie rein und sehe sofort den Erfolg – das fasziniert und spornt an“, beschreibt der 31-Jährige seine eigenen Erfahrungen.

Wert legt der Jungbauer dabei auch auf eine effiziente Produktion. Mit einem Blick in den Kuhstall entkräftet der Hof von Carl-Theodor Heincke binnen weniger Sekunden auch das teilweise verstaubte Image, das der Landwirtschaft bisweilen anhaftet. Eine vollautomatische Melkmaschine, die 24 Stunden am Tag ohne Personal auskommt, nimmt ebenso Arbeit ab wie ein Roboter, der das Futter im Stundentakt wieder zurück in den Fressbereich der Kühe schiebt – auch nachts. „Alle Arbeiten, die von der Technik mindestens genauso gut erledigt werden können wie von Menschenhand, werden automatisiert“, sagt der 31-Jährige. Er möchte mit diesen Annehmlichkeiten das Wohl der Tiere verbessern. Jedes Tier kann sich damit den Tag frei einteilen, eine Kuh mit mehr Milch geht entsprechend häufiger in die Melkmaschine als andere.

Die technischen Tüfteleien im Parkentiner Kuhstall haben dabei einen weiteren Hintergrund: Seit Monaten ist der Jungbauer auf der Suche nach Fachkräften – bisher jedoch ohne Erfolg. Junge Menschen, die ab dem Sommer eine Ausbildung zum Landwirt oder Tierwirt beginnen möchten, sind in Parkentin ebenfalls herzlich willkommen. „Die Landwirtschaft bietet einen abwechslungsreichen und vor allem sicheren Arbeitsplatz. Durch die Technisierung ist die Arbeit zudem körperlich weniger belastend als früher“, unterstreicht der Parkentiner. Genauso wie Karin Puckhaber sieht auch Carl-Theodor Heincke in der Landwirtschaft einen Berufszweig mit Zukunft. „Die Redewendung, der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln, ist schließlich längst überholt. Der Agrarbereich ist anspruchsvoll und hoch technisiert“, sagen Puckhaber und Heincke.


Abstand vom heimischen Hof gesucht


Eines haben die 31-Jährigen übrigens gemeinsam. Nach dem Abitur wollten beide erst einmal Abstand vom elterlichen Betrieb gewinnen und auf eigenen Beinen stehen. Während sich Carl-Theodor Heincke für ein Auslandsjahr in Australien entschied, jobbte Karin Puckhaber auf einer Farm in Wisconsin (USA) und studierte im Anschluss ein Semester Landwirtschaft in Madison. „Ich wollte schauen, ob die Landwirtschaft wirklich das Richtige für mich ist. Gerade züchterisch konnte ich hier viele Erfahrungen sammeln und mich beruflich festlegen“, sagt die 31-Jährige rückblickend.

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