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Hebammen in Rostock : Sie hilft neuem Leben, aber alte Sorgen bleiben

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Heute ist Internationaler Tag der Hebamme. Geburtshelferinnen sind weiter in Existenznöten.

svz.de von
erstellt am 04.Mai.2016 | 08:30 Uhr

Das Handy und ihre türkisfarbene Kalender-Mappe hat Claudia Süpner immer griffbereit. Ist es doch das mobile Büro der Rostockerin, die seit zwölf Jahren als freiberufliche Hebamme Frauen von der Schwangerschaft bis nach dem Mutterschutz betreut. Und das sogar durchgängig, denn die 44-Jährige ist eine von zwei Rostocker Geburtshelferinnen, die Schwangeren eine Entbindung zu Hause oder im Geburtshaus ermöglichen.

Süpners Beruf, den sie spät, aber aus voller Überzeugung und mit Leidenschaft gewählt hat, steht am morgigen Internationalen Hebammentag besonders im Fokus. Denn gerade die freiberuflichen Geburtshelferinnen sehen sich fast permanent einer Existenzbedrohung gegenüber. „Das liegt an der sehr teuren Berufshaftpflichtversicherung, die fast jedes Jahr um 1000 Euro steigt und bei mir aktuell rund 6500 Euro beträgt“, sagt Claudia Süpner.

Dabei sei das Angebot sehr nachgefragt: „Wir hatten im vergangenen Jahr 76 solcher Geburten, zwei Drittel davon im eigenen Zuhause der Frauen“, so die selbst vierfache Mutter. Eben diese Masse an solchen Geburten mache es möglich, dass sie sich die Versicherung leisten kann und noch nicht ernsthaft darüber nachdenken musste, ihre Tätigkeit aufzugeben oder sich wie viele ihrer Kolleginnen nur auf Vor- und Nachsorge zu konzentrieren. Anderen geht es da schlechter. Nach monatelangen Verhandlungen zwischen dem Hebammen-Dachverband und den Krankenkassen wurde zwar im Sommer 2015 ein so genannter Sicherungszuschlag ausgehandelt, der helfen soll, die Versicherungskosten zu decken, aber nicht alle Hebammen profitieren davon im gleichen Maße. „Im Zuge der Einführung des Sicherungszuschlages wurden gleichzeitig die Abrechnungspunkte für Haus- und Geburtshausgeburt gekürzt, sodass ich, wenn ich viele Geburten habe, das Geld für die mit bezahle, die wenige Geburten betreuen“, sagt Claudia Süpner. Solche finanzpolitischen Taktierereien würden auch dazu führen, dass freiberufliche Hebammen ihre Tätigkeit aufgeben. „Das hat dann natürlich auch Auswirkungen auf die Schwangeren, weil es sie in der Wahl ihres Geburtsortes sehr einschränkt und in manchen Orten dann automatisch auf die Klinik hinausläuft“, so die Rostockerin.

Wie viele andere Arbeitnehmer im Gesundheitswesen sagt auch Claudia Süpner: „Wer das Finanzielle in den Vordergrund stellt, muss einen anderen Beruf wählen.“ Denn gerade durch die Rufbereitschaft 24 Stunden an quasi 365 Tagen im Jahr würde die Vergütung nicht der tatsächlichen Leistung entsprechen. Doch der 44-Jährigen ist das egal. Wenn sie im Geburtshaus durch das Treppenhaus geht und die vielen Fotos „ihrer“ Babys sieht, dann würde sie ihren Beruf nie tauschen.

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