Rostock : Sie hätten auch gern mitgefeiert…

Verschwundene Orte wie das Elisabeth-Heim, das einst an dieser Stelle stand, holt das gleichnamige Netzwerk, in dem André Knabe und Kristina Koebe aktiv sind, wieder in die öffentliche Aufmerksamkeit – um künftige Diskurse mit der Stadt anzuregen.
Verschwundene Orte wie das Elisabeth-Heim, das einst an dieser Stelle stand, holt das gleichnamige Netzwerk, in dem André Knabe und Kristina Koebe aktiv sind, wieder in die öffentliche Aufmerksamkeit – um künftige Diskurse mit der Stadt anzuregen.

Netzwerk erinnert an verschwundene Orte wie Elisabeth-Heim und „Georg Büchner“. Mitglieder fordern offenen Diskurs in der Stadt. #wirkoennenrichtig

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15. Januar 2018, 05:00 Uhr

800 Jahre Stadt Rostock – die rühmt sich ihrer Errungenschaften, ihres gesellschaftlichen Lebens und feiert dieses Jahr ganz groß. Gewollt plakativ touchiert das das lose Netzwerk Verschwundene Orte.

„Die MS ,Georg Büchner’ hätte auch gern mitgefeiert. Stattdessen liegt das letzte Kongoschiff der Albertville-Klasse durch ein vorschnelles und intransparentes Handeln vieler Akteure jetzt für immer zerstört auf dem Meeresgrund vor der polnischen Küste.“ Mit Botschaften nach diesem Schema – auch für die „Stubnitz“ oder das Kleine Haus – will das Netzwerk den Diskurs über den Umgang mit kulturell bedeutsamen Orten und mit Bürgerbeteiligung anregen.

Initiativen sollen gebündelt werden

„Wir wollen thematisieren, was falsch läuft, dass wichtige Kulturorte verschwinden, und was man in Rostock anders machen kann“, sagt André Knabe (32) vom Netzwerk, der an der Universität als Soziologe tätig ist. „Wir glauben, dass die Verbundenheit mit einer Stadt auch über solche Orte entsteht“, ergänzt Mitstreiterin Kristina Koebe (45), die als Übersetzerin arbeitet. Im Kern der Gruppe stehen fünf bis zehn Rostocker, die bisherige Aktionen wie die zur Vorstellung der Plakate parallel zum Empfang am Neujahrstag vor dem Rathaus organisiert haben. Die Gruppe wächst. „Wir haben schon ganz viele Kontakte geknüpft zu verschiedenen Initiativen“, sagt Kristina Koebe. Für verschiedene heute verschwundene Orte habe es Einzelinitiativen gegeben. Sie haben diskutiert, sich eingesetzt, gekämpft, sind gescheitert – ob bei der „Büchner“, der Heinkel-Wand oder dem Schauwerk. Auf Dauer frustriere das, und entmutige, sich noch in der Stadtgesellschaft einzubringen.

Koebe und Knabe waren über den Einsatz für den Erhalt des Elisabeth-Heims zusammengekommen. Nun ist es weg , abgerissen vom Studentenwerk mit Genehmigung der Baubehörden. Was bleibt, ist der Grundgedanke für alle Orte: „Wir haben das Gefühl, dass es eine Geschichtsvergessenheit gibt, keinen Diskurs über das, was Geschichte ist, dass sie auch die Seele einer Stadt ausmacht“, sagt Koebe. Diese Grundgedanken sollen in der neuen Gruppe, die an die bisherigen Einzelinitiativen anknüpft, aufgehen. „Es ist die Idee, über diese Orte viele Aktive einzubinden“, sagt Knabe. Das Netzwerk wünscht sich, dass sich in Rostock etwas ändert. „Es muss eine Struktur geben, dass solche Themen rechtzeitig besprochen werden in Rostock“, fordert Koebe, „es sollte die Aufgabe und Kultur in einer Stadt sein, so was zu besprechen“. Die Gruppe plant weitere Aktionen – eine Ausstellung, Diskussionsveranstaltungen – in der Hoffnung auf Besserung. Parallel zum Abriss der Heinkel-Mauer laden Mitglieder des Netzwerkes und des Ortsbeirates KTV morgen zur Kundgebung neben der Mauer an der Ecke Max-Eyth-Straße.

Auf einen Blick: Verschwundene Orte in Rostock

In einer Plakataktion hat die Gruppe Verschwundene Orte auf ebensolche aufmerksam gemacht. Mit dem Slogan „… hätte auch gern mitgefeiert“ werden thematisiert:

• die MS „Stubnitz“
• das vor 100 Jahren als Landeskrüppelanstalt errichtete Elisabeth-Heim in der Ulmenstraße
• die MS „Georg Büchner“
• die Spielstätte Kleines Haus des Volkstheaters im ehemaligen Hotel Haus Doberan
• das Wohnprojekt soziales Rostock, das im einstigen Gebäude des ehemaligen SBZ Toitenwinkel aufgehen sollte
• das Theaterprojekt Schauwerk, das im ehemaligen Theater am Stadthafen nur Station machen durfte
• die Heinkel-Mauer
• die Halle 1 im DMR
• die Anker-Spirituosenfabrik in der Doberaner Straße
• die Eisenbahnrampe auf der Mittelmole

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