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Rostock : Seracell ist bereit für die medizinische Revolution

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Unternehmen aus der Hansestadt lagert Nabelschnurblut ein und setzt auf die künftige Nutzung von Stammzellen

von
erstellt am 10.Jun.2014 | 10:00 Uhr

Noch ist die Behandlung von Diabetes, Rückenmarksverletzungen, Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Alzheimer durch den Einsatz von Stammzellen Science Fiction. Doch dass genau dies in Zukunft möglich sein wird, damit rechnet Prof. Mathias Freund fest. Diese Überzeugung bildet die Grundlage für sein Unternehmen Seracell, das der Spezialist für Krebs- und Blutkrankheiten 2002 zusammen mit seinem Partner Hans-Dieter Kleine in Rostock gegründet hat.

Heute lagern in den mit flüssigem Stickstoff gekühlten Seracell-Tanks rund 50 000 Proben mit Nabelschnurblut. Fast täglich werden es mehr. „Die Stammzellen darin bilden eine Reserve, mit der im Krankheitsfall später regenerative Therapien vorgenommen werden können“, sagt Freund. Er stellt aber zugleich klar: „Bis dahin dauert es sicher noch Jahre.“ Derzeit konzentriere sich die Forschung auf die Herstellung einfachen Gewebes wie Haut oder Knorpel. Dabei gebe es bereits vielversprechende Fortschritte.

Die Vermehrung von Stammzellen bis hin zu komplexen Organen oder einem ganzen Herzmuskel hingegen sei noch nicht absehbar. Erste Ansätze gibt es aber auch in diesem Bereich. Freunds Team ist beteiligt: Es liefert die Transplantate für die weltweit größte Studie zur Herzstammzelltherapie, die der Rostocker Herzzentrums-Professor Gustav Steinhoff initiiert hat. Das Ergebnis könnte die Behandlung von Herzinfarkts-Patienten revolutionieren. Noch werden die Stammzellen aus dem Knochenmark des Patienten selbst oder von Spendern gewonnen. Das bei rund 180 Grad tiefgefrorene Nabelschnurblut mit den frischen Zellen könnte das künftig erübrigen.

Es wird bei der Geburt abgenommen und in speziellen Transportbehältern per Kurier zum Seracell-Hauptsitz im Biomedezinischen Forschungszentrum nach Rostock geschickt. „Das sollte maximal 48 Stunden dauern, gewünscht sind 24 Stunden“, sagt Freund. In Deutschland sei das in der Regel kein Problem, bei Lieferungen aus Serbien, Italien, Spanien oder Portugal sei das schon schwieriger. Das Wichtigste: Eine konstante Temperatur. Andernfalls werden die Präparate unbrauchbar. Sie werden per Chip in der Transportkiste überwacht, der bei Abgabe in Rostock ausgelesen wird.

Anschließend wird die Probe im Reinraumlabor auf die Zahl lebender Zellen, eventuelle Verunreinigungen durch Keime oder gefährliche Viren getestet. Erst dann wird sie tiefgefroren. Wie lange, das entscheiden die Kunden. Je nach finanzieller Leistungsfähigkeit sind Verträge über bis zu 25 Jahre möglich, die immer wieder verlängert werden können. Eine langfristige Lagerung sei sinnvoll, so Freund. Schließlich träten viele Erkrankungen erst im Alter auf. „Es wäre ganz falsch, den Leuten Angst zu machen – man kann auch gut ohne die Einlagerung von Nabelschnurblut leben. Aber es ist eine zusätzliche medizinische Vorsorge“, sagt Freund. Sein 40 Mitarbeiter zählendes Unternehmen ist gemeinsam mit einer Firma aus Leipzig deutschlandweit führend auf dem Gebiet der Lagerung von Nabelschnurblut.

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