Seniorin nimmt Sicherheit in die Hand

<strong>Mit den Tricks der Betrüger</strong> kennt sich Jörg Heier aus. Auch Senior-Trainerin Anne Rewel ist am Telefon bei zweifelhaften Anfragen wachsam und hilft anderen.<foto>Georg scharnweber</foto>
Mit den Tricks der Betrüger kennt sich Jörg Heier aus. Auch Senior-Trainerin Anne Rewel ist am Telefon bei zweifelhaften Anfragen wachsam und hilft anderen.Georg scharnweber

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15. März 2013, 07:26 Uhr

Rostock | Es klingelt, zwei Männer - anscheinend Handwerker - stehen vor der Tür. Eine ältere Frau öffnet. Der eine beginnt in der Wohnung zu arbeiten, während sie mit dem anderen im Flur spricht. Eine halbe Stunde später sind die Männer weg, das Geld aus ihrer Zuckerdose auch. Dieses Szenario haben einige Rostocker Senioren schon erlebt. Und die anderen haben Angst, dass ihnen das Gleiche passiert.

Senioren-Trainerin Anne Rewel (70) tritt Betrügereien, Enkeltrick und Handtaschenraub entgegen. In Kooperation mit der Präventionsstelle der Polizei will sie Rentnern helfen. Bei Vorträgen in Stadtteilzentren sollen sie lernen, wie sie sich schützen können und gar nicht erst zu Opfern werden.

Präventionsbeamte helfen mit Erfahrung

"Die Älteren sind gesellschaftlich oft die schwächsten Glieder. Wir haben jetzt eine Generation, die sich weniger wehrt", sagt Rewel. Als unhöflich empfinden sich viele Senioren, wenn sie Vertreter oder angebliche Handwerker mit zeitlich knappen Kapazitäten abwiegeln, sagt die Trainerin. Die heutigen Senioren legten auf Umgangsformen sehr viel Wert und seien oft gutgläubiger - dadurch schnappe die Falle der Betrüger bei ihnen öfter zu. An der Senioren-Akademie hat die ehemalige Physiotherapeutin Anne Rewel ihren Trainerschein gemacht und sich gleich das Großprojekt "Seniorensicherheit im öffentlichen Raum, wie schütze ich mich vor Kriminalität" vorgenommen. Ein Feld, auf dem auch die Polizei schon länger kämpft. Die Zusammenarbeit ist für beide ein Gewinn.

Kriminalhauptkommissar Jörg Heier (58) und Polizeihauptmeisterin Kerstin Lange (50) kennen sich aus mit den hinterhältigen Tricks. In umfangreichen Vorträgen werden sie die Senioren über die gewieften Kniffe der Betrüger und wie ihnen entgegenzutreten ist, aufklären.

Die Tasche sollten Senioren zur Häuserseite gewandt tragen, damit Rad- oder Motorradfahrer nicht zugreifen können. Geld und Papiere sollten dennoch in einer Innentasche der Jacke aufbewahrt werden. Wenn es unangemeldet an der Haustür klingelt, raten Heier und Lange generell zur Vorsicht. "Man sollte sich immer einen Ausweis zeigen lassen", sagt auch Rewel - von Handwerkern wie Vertretern und Organisationen. "Ich habe gelernt, das Gespräch mit Leuten, mit denen ich nichts zu tun haben wollte, einfach zu beenden", sagt sie. So hat sich Rewel manchen Ärger erspart, den ihre Bekannten durchmachen mussten. Von Kaffeefahrten rät sie generell ab, es würde mit Geschenken geworben und dann den Leuten teure Sachen aufgedrängt.

Generell leben Senioren in Rostock aber nicht unsicher, sagt Lange. Von 2429 Opfern von Straftaten aus dem Jahr 2011 waren nur in 147 Fällen über 60-Jährige die Opfer. Nur bei Handtaschenraub seien Senioren besonders oft die Opfer, von 16 Fällen 2011 waren zwölf Senioren. Durch die Vorträge sollen sie sich besser schützen können.

Termine: Dienstag um 14.30 Uhr im Kolpinghaus Lichtenhagen, Eutiner Straße 20, 4. April um 14.30 Uhr im Gemeindezentrum Warnemünde, Kirchenplatz 4, 8. April um 15 Uhr im Mehrgenerationenhaus Lütten Klein, Danziger Straße 45d, 17. April um 15 Uhr im Börgerhus Groß Klein, Gerüstbauerring 28

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