Immer mehr Ältere auf den Straßen : Senioren missachten oft die Vorfahrt

Quelle: dpa
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Immer mehr Ältere sind auf den Straßen des Landes unterwegs. Durch Fehler verursachen sie die meisten Unfälle. Angebote für Senioren sollen helfen, fit zu bleiben.

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24. Juli 2012, 07:52 Uhr

Schwerin | Ein 80-jähriger Autofahrer prallt mit seinem Fahrzeug zwischen Salow und Dahlen in der Mecklenburgischen Seenplatte gegen einen Baum. Er wird schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Das ist nur ein Beispiel vom vergangenen Wochenende.

Um solchen schweren Verkehrsunfällen im hohen Alter vorzubeugen, hat Joachim (Blacky) Fuchsberger Schluss gemacht. Vorbei die Zeit des Autofahrens. Er hat im hohen Alter seinen Führerschein abgegeben - freiwillig, um "die Verantwortung im Straßenverkehr los zu sein".

Mobil sein, unabhängig sein - Wünsche, die sich Senioren ab 65 Jahre bewahren wollen. Dazu gehört das Autofahren. Aber: Zu Zweidrittel tragen über 64-jährige Pkw-Fahrer die Hauptschuld, sofern sie in einen Unfall verwickelt waren. Das geht aus einer Studie des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2010 hervor. Bei den mindestens 75-Jährigen wurde sogar drei von vier unfallbeteiligten Pkw-Fahrern die Hauptschuld zugewiesen. Die häufigste Unfallursache bei Senioren mit 65 und mehr Jahren waren "Vorfahrtsfehler", heißt es in dem Bericht weiter.

In Mecklenburg-Vorpommern lag der Anteil der über 65-jährigen Hauptverursacher bei Unfällen mit Personenschaden im Jahr 2010 bei 11,1 Prozent. Vergangenes Jahr waren es schon 12,3 Prozent, also 672 Senioren. Dabei habe der Anteil der festgestellten Unfälle außerhalb von geschlossenen Ortschaften überwogen, so das Innenministerium.

Diese Zahlen müssten aber differenziert gesehen werden, sagt Andrea Leirich. Die Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht Mecklenburg-Vorpommern betont, dass "man nicht alle Senioren über einen Kamm scheren soll". Ihrer Meinung nach würde jeder ältere Mensch unterschiedlich auf Situationen reagieren - die einen packen das gut, andere nicht mehr unbedingt. Jüngere Autofahrer seien jedoch im Übrigen nach wie vor viel gefährdeter, in einen Unfall verwickelt zu werden, fügt sie hinzu. Und da seien dann zu schnelles Fahren oder dichtes Auffahren die Ursachen.

Andrea Leirich gibt aber zu bedenken, dass Senioren vorsichtig sein sollten, wenn es beispielsweise um eine lange Urlaubsfahrt geht. "Sie sollten dann überlegen, ob das gut ist", sagt sie. Dagegen hält sie es weitestgehend für unbedenklich, wenn ältere Menschen die ihnen vertrauten Wege zum Einkaufen oder zur Familie fahren.

In jedem Fall sei es gut, sich mit dem Hausarzt abzusprechen. Er kenne seine Patienten mitunter schon jahrzehntelang und wisse, wie sich Medikamente auf das Reaktionsvermögen auswirken oder ob sein Patient noch in der Lage ist, die Anforderungen des Straßenverkehrs zu meistern. Ein vertrauliches Gespräch könne helfen, so Andrea Leirich, die Fahrtauglichkeitstests allein für Senioren ablehnt. Wenn Tests, dann "Kontrolle ab 40 Jahre", fordert sie.

Dass Ältere verschieden mit den Ansprüchen im Straßenverkehr umgehen, hat auch Helmut Bode beobachtet. "Es gibt alte Junge und junge Alte", erklärt der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes. Der Verband habe auch auf die zunehmende Zahl der Senioren und deren Bedürfnisse reagiert. So gibt es seit drei Jahren das Angebot "Senioren in Fahrt", das ältere Verkehrsteilnehmer fit für die Straße macht. Dabei geht es um Verkehrsregeln, Rechtsänderungen oder Fahrer-Assistentensysteme, die während einer Fahrprobe getestet werden.

Das Interesse an Informationsveranstaltungen könnte zwar noch größer sein, aber wenn Senioren erst einmal da sind, dann seien sie wissbegierig, sagt Bodo Botsch, Neubrandenburger Fahrlehrer und geschulter Moderator der Deutschen Verkehrswacht. Er erklärt den Senioren auch die neuen EU-Regelungen: Ab 2013 neu ausgestellte Führerscheine gelten nur noch 15 Jahre und bis 2033 muss sich jeder einen neuen Führerschein holen - vorrangig wegen eines aktuellen Passbilds. Allerdings seien Sehtests auch im Gespräch, sagt Bodo Botsch.

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