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24. November 2017 | 19:55 Uhr

Sein Hobby ist die Traditionspflege

vom

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erstellt am 03.Apr.2013 | 10:26 Uhr

Rostock | Am 28. April kann die neue Hafenkantine im Fischereihafen bereits ihr fünfjähriges Jubiläum begehen. "Es läuft gut, ich hätte noch größer bauen können", freut sich Timo Lührs, der Inhaber und Investor der Kantine. Sein Versorgungsquell mit Frühstück, Mittagstisch und Partyservice findet im Gewerbegebiet großen Anklang. Auch so manche Feierlichkeiten laufen hier vom Stapel. Seit 22 Jahren steht der 41-Jährige im Fischereihafen bereits im Dienst der Versorgung. Von 1988 bis 1990 hatte er im Fischkombinat den Kochberuf gelernt, wollte eigentlich zur See fahren, was sich mit dem Aus der Hochseefischerei in Rostock aber zerschlug. So wurde er Angestellter bei seiner Mutter Hanna Lührs, die seit 1972 für die Arbeiterversorgung des Fischkombinates sorgte. Privat führte sie diese Aufgabe weiter - zunächst in der alten, inzwischen abgerissenen Fischhalle, dann im ehemaligen Sozialgebäude, wo anno 2000 Timo den Staffelstab als selbstständiger Kantinenbetreiber von seiner Mutter übernahm.

Einrichtung spiegelt maritimes Hobby wieder

Der 500 Quadratmeter große Neubau neben dem Hauptgebäude des Hafens ist somit bereits der dritte Standort der Kantine, in dem Timo Lührs mit seinen sechs Mitarbeitern die Gäste gut bewirtet. Eine Vitrine am Eingang und das Interieur in den Räumlichkeiten sind ein Fingerzeig auf das Hobby des Kantinenwirts. Bilder sowie Gegenstände vom Arbeitsleben der Hochseefischer und Fischwerker verraten, dass er der Traditionspflege des Standortes großes Augenmerk schenkt. Er gehört zu den Mitstreitern von Hermann Cziwerny, Traute Secander, Bernd Coljanocic und all den anderen, die die Traditionstreffen der Hochseefischer vorbereiten halfen, die seit 2008 alle zwei Jahre tausende ehemalige Mitarbeiter des Fischkombinates in den Bann zogen. Zum 65. Jahrestag der Gründung des Kombinats 2015 wird das nächste angesteuert.

Aber auch zwischendurch wird die Erinnerung an den Standort der Hochseefischerei wach gehalten. Auf dem Traditionsschiff und in der Societät maritim wurden Ausstellungen zu diesem Wirtschaftszweig, der in Rostock und Sassnitz große Flotten unterhielt, mitgestaltet. Die Hafenkantine selbst ist zum Austragungsort von Stammtischen geworden - der siebente fand gerade erst vor wenigen Tagen mit etwa 50 Zuhörern statt. Referent war Timo Lührs, der hier ein weiteres Mal mit seinen Forschungen zur Geschichte Marienehes Spannendes bekannt machte.

Dafür recherchiert er im Stadtarchiv, ist mit dem Fotoapparat dabei, wenn sich im Areal Baugruben auftun - so bei der Anlage des neuen Stückgutterminals und der Erschließung der Lagerfläche am alten Kistenplatz auch auf den Spuren der einstigen Heinkel-Werke. Dabei geht es ihm weniger um die Geschichte des Flugzeugbaus, was er den Technik-Spezialisten überlässt. Er möchte gerne mehr über die Zwangsarbeiter in Erfahrung bringen, die hier im Einsatz waren. Er sucht Zeitzeugen, die nach 1945 bei der Umgestaltung des Geländes dabei waren, möchte auch seine Kenntnisse über die Wurzeln des Rostocker Dieselmotorenwerkes vertiefen, das hier am alten Schlachthofgelände bereits mit Windkraftanlagen experimentierte, bevor es zur Lübecker Straße umzog.

Das Interesse des Hobbyforschers reicht bis in die Anfänge Marienehes zurück, dessen Wurzeln in einem 1396 gegründeten Kloster, einer Niederlassung der Kartäusermönche, liegen. Der Orden führte seinen Namen nach dem Mutterkloster Chartreuse bei Grenoble in Frankreich. Die Kartause Marienehe hatte etliche Besitztümer in der Umgebung bis hin zur Insel Rügen. Nach der Reformation wurde das Kloster 1559 abgebrochen. Ihre Geschichte, so Lührs, könnte Stoff für einen der nächsten Vorträge am Stammtisch werden. Die Fischereigeschichte aber behält er natürlich weiter und vor allem im Auge.

Denkmal wieder aufpoliert

Nicht nur in Rostock, so berichtet der Kantinenwirt, gebe es Stammtische der Hochseefischerei. Beispielsweise auch in Dresden, Weimar, Waren, Berlin, ja selbst in Bayern sind die ehemaligen Hochseefischer aktiv mit ihrer Geschichte beschäftigt und untereinander vernetzt. Obwohl er selbst nicht mehr auf See zum Einsatz kam, half Timo Lührs, das Andenken der Hochseefischerei auch über seine Hafenkantine hinaus sichtbar aufzupolieren. So sorgte im Oktober 2011 für die Sanierung des alten Hochseefischer-Denkmals von Wolfgang Eckhard (1919-1999) am Hafeneingang. Der Rostocker Bildhauer schuf es 1967 für das Fischkombinat, wo er auch sein Atelier hatte, das seit 1994 Sitz der Galerie Art Fuhrmann ist. Am alten Seemann hatte der Zahn der Zeit genagt und es war höchste Zeit, die Betonstatue aufzufrischen.

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