Rostocker Heide : Seilkran erleichtert die Holzernte

Effiziente Arbeitserleichterung: Mit dem Seilkran kann Waldarbeiter Kevin Zierenberg allein die tonnenschweren Baumstämme auf dem Feuchtbodenareal abernten.
Effiziente Arbeitserleichterung: Mit dem Seilkran kann Waldarbeiter Kevin Zierenberg allein die tonnenschweren Baumstämme auf dem Feuchtbodenareal abernten.

Forstamt testet neue Methode für Baumfällarbeiten in Bereichen mit nassem Waldboden

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28. Januar 2016, 12:00 Uhr

Mit einem 6,5 Meter hohen Seilkran und Trecker „Hermann“ bewirtschaftet Waldarbeiter Kevin Zierenberg seit einer Woche allein eine etwa 0,8 Hektar große Fläche im Forstrevier Torfbrücke – vom Waldweg aus. Mit einem 100 Meter langen Stahlseil werden die Baumstämme Richtung Weg gezogen. Das Areal kann nicht mit schweren Maschinen befahren werden, weil der Boden zu nass und matschig ist. „So ein Kran wird eigentlich in Gebirgsregionen an Hängen genutzt“, sagt Revierförster Stefan Schlüter. Doch das Rostocker Forstamt testet die Methode namens Land unter jetzt auch im Flachland.

Dass sie den Seilkran der Thüringer Firma nutzen können, verdanken die Heideförster der Ostseestiftung und ihrem Verbundvorhaben „Schatz an der Küste“. „Wir haben uns für das Bundesprogramm zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt beworben und 2014 wurde der Förderantrag schließlich bewilligt“, sagt Försterin Angelika Stoll, die auch für den Naturschutz in der Heide zuständig ist. „Etwa ein Drittel aller Flächen in der Rostocker Heide zählt zu den nassen Gebieten, die nicht mit Maschinen bewirtschaftet werden können“, so Stoll.

Für das Programm wurden deutschlandweit 30 Hotspots ausgewählt, die eine besonders hohe Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten, Populationen und Lebensräume aufweisen können. Die Rostocker Heide trägt die Nummer 29. Auf einer Fläche von 12,1 Hektar werden im Bereich des Rostocker Forstamts naturverträgliche Nutzungskonzepte für nasse Waldbereiche entwickelt und erprobt.

„Der Grundwasserstand sollte idealerweise maximal 30 Zentimeter unter Flur liegen“, so Revierförster Schlüter. Seit den letzten Messungen von 1995 sei der Grundwasserspiegel jedoch stetig gestiegen. Ein Grund dafür sei die Vernachlässigung der Pflege der Drainagen im Umfeld. Dadurch könnten vor allem Flachwurzler wie die dort wachsenden Sitka-Fichten nicht genug Halt und Nährstoffe im Boden finden. Die Folge: extreme Absterbeerscheinungen. Statt der Fichten wollen die Förster auf dem Areal künftig Eichen und Buchen anpflanzen.

Das Seilkran-Projekt zur Holzernte läuft vorerst bis 2019. „Wir hoffen, dass es sich ökonomisch und ökologisch rechnet“, so Schlüter. „Außerdem wollen wir Stärken und Schwächen der Methode in der Ebene ausmachen sowie potenziell neue Ansätze finden“, sagt Stoll. Dazu werden Arbeitszeiten und Ernteergebnisse von Forstwirtschaftsstudent Jan Teschner genau überwacht und gemeinsam mit seinen Professoren ausgewertet. „Wir wissen bereits, dass bei der Arbeit in der Ebene weniger Kraftstoff verbraucht wird“, sagt Teschner.

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