Seestern liegt im Ideenwettbewerb vorn

Vor der Küste Nienhagens soll eine Erlebniswelt  entstehen. Baltic Reef
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Vor der Küste Nienhagens soll eine Erlebniswelt entstehen. Baltic Reef

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18. Februar 2011, 06:50 Uhr

Nienhagen | Es soll ein bildungstouristischer Höhepunkt an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns werden: das Seestern-Projekt, das der Verein Baltic-Reef und die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (Lfa) planen. Im Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" ist die Vision von einer Seestation, die das Riff Nienhagen einem breiten Publikum zugänglich macht, jetzt unter 2600 Bewerbern ausgewählt worden. "Den Preis sehen wir als großen Schritt nach vorn", sagt Uwe Friedrich, Vorsitzender von Baltic-Reef. In den vergangenen Monaten hat er zahlreiche Gespräche geführt - Gespräche mit möglichen Betreibern, Investoren, Sponsoren, Partnern und Firmen. Das Interesse sei ausnahmslos groß. Doch alle fragten: Was kostet diese Sache eigentlich? Deshalb wollen der Verein und die Lfa nun zunächst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, die nicht nur die Frage nach den Kosten klären soll, sondern auch, ob die Erlebniswelt auf dem Wasser überhaupt gebaut werden darf.

Besucher tauchen in die Unterwasserwelt der Ostsee ein

Die Entwürfe für das Vorhaben hat Friedrich, der Kommunikationsdesigner ist, als 3D-Animation erstellt. Hier sieht die Seestation aus wie ein Seestern. Sie beherbergt ein Museum, ein Labor für fischereibiologische Untersuchungen, eine Tauchbasis und -gondel sowie eine Anlegestelle für U-Boote und Schiffe. In einer interaktiven Ausstellung sollen 3D-Animationen die Besucher in die Unterwasserwelt der Ostsee eintauchen lassen. Außerdem sieht der Plan ein drehbares Café oben auf der Station und ein Hotel in einem der Stern-Arme vor. Eine Seilbahn, die über das Wasser führt, könnte die Gäste vom Land zur Plattform bringen. "Schon allein das wäre eine Attraktion", sagt der Vereinsvorsitzende. Wenn es nach ihm geht, soll die Seestation zur Schnittstelle zwischen Mensch und Meer werden - zum Ort der Wissensvermittlung und nicht zum Spaßtempel. Aus einer bloßen Forschungsstation soll ein Bildungs- und Tourismuszentrum entstehen, für das die Ergebnisse des Projekts "Riffe in der Ostsee" multimedial aufbereitet werden. "Wir wollen das Verständnis für die Ostsee fördern", sagt er.

Das künstliche Riff vor der Küste Nienhagens ist das größte im Ostseeraum. In elf bis zwölf Metern Wassertiefe wurden 1400 Betonelemente und 2500 Tonnen Naturstein versenkt. So entstanden 18 000 Quadratmeter zusätzliche Bewuchsfläche als Nahrungsgrundlage und Unterschlupfmöglichkeit für Meeresbewohner. Die Rechnung ging auf: Innerhalb weniger Jahren entwickelte sich ein stabiles Ökosystem. "Wir haben doppelt so viele Jungfische wie in vergleichbaren Gebieten gezählt", sagt Lfa-Projektleiter Thomas Mohr. Vor allem Dorsche seien hier anzutreffen. Ein Schwerpunkt der künftigen Forschungsarbeit liege darauf, das Fischverhalten zu analysieren und die künstliche Struktur des Riffs zu optimieren. Aber auch die Rotalge, sie sich hier angesiedelt hat, haben die Wissenschaftler in den Blick genommen. Ihre Inhaltsstoffe könnten für die Herstellung von Kosmetikprodukten, in der Pharmaindustrie oder als Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden, so Mohr.

Preis motiviert zum Weitermachen

Mit Ablauf des Jahres 2012 endet die Förderung des Riffprojekts durch EU und Land - das Projekt liegt dann brach. "Es wäre schade um die ganzen Ergebnisse, wenn sie für niemanden zugänglich gemacht würden", sagt Friedrich, der sich deshalb für den Seestern einsetzt. Auch der Leiter des Projekts fände es fatal, wenn die Plattform zurückgebaut werden müsste, und plädiert dafür, sie weiterhin zu nutzen. "Wir haben bereits Nachfragen aus Schulen, die sich die Forschungsstation ansehen wollen", berichtet er. Auch Unterrichtsmaterialien hätten sie gern. Doch derzeit sei dies noch nicht möglich. Mit den ersten Ergebnissen der Machbarkeitsstudie rechnet Mohr im Oktober, wenn die Idee als Gewinner des Wettbewerbs "365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet wird. Anschließend gelte es, Unterstützer und Förderer für das Projekt zu finden. "Es wäre schön, wenn das Bildungsministerium einsteigt", sagt der Baltic-Reef-Vorsitzende. "Doch ohne Privatinvestoren wird es nicht laufen." Auch wenn es möglicherweise schwer sein wird, die Finanzierung auf die Beine zu stellen, der Preis gibt den Initiatoren Elan weiterzumachen. Schon jetzt sehen sich Mohr und Friedrich 2020 im Café oben auf der Station sitzen und miteinander anstoßen. Sie blicken voll Optimismus nach vorn.

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