Im Porträt : Seehunde starten in die Eisbader-Saison

Zum traditionellen Faschingsbad in der Ostsee schlüpfen die Seehunde in teils ausgefallene, stets aber sehenswerte Kostüme.
Zum traditionellen Faschingsbad in der Ostsee schlüpfen die Seehunde in teils ausgefallene, stets aber sehenswerte Kostüme.

Mitglieder feiern 20-jähriges Bestehen ihres Vereins / Winterschwimmen an den Wochenenden

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14. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Winterschwimmer gab es bereits zu DDR-Zeiten in zahlreichen Orten. Auch in Rostock frönten etliche Männer und Frauen diesem Hobby. Doch regelmäßige Kontakte, so erinnert Wolfgang Herzog in seinem vor fünf Jahren erschienenen Buch „20 Jahre Rostocker Seehunde. Winterschwimmen in Rostock“, gab es nicht.

Der begeisterte Winterbader startete in mehreren Zeitungen einen Aufruf. Und tatsächlich meldeten sich 45 Interessierte, von denen 30 zur Gründungsversammlung am 13. September 1988 in das Kanu-Sportzentrum der damaligen Betriebssportgemeinschaft der Neptun-Werft kamen.

Erstmals gemeinsam die Wintersaison mit einem Anbaden eröffnet haben die Rostocker Seehunde, wie sie sich inoffiziell nannten, am 8. Oktober 1988 im Flussbad am Mühlendamm. Die Vereinsgründung schließlich erfolgte im März 1993. „Obwohl wir uns längst für das gemeinsame Bad in der Ostsee und damit für Warnemünde entschieden haben, war diese Gründungsversammlung vor nunmehr 25 Jahren war für uns ein guter Grund, am 13. September 2013 die diesjährige Saison mit einem Anbaden im Flussbad zu eröffnen“, sagt Dietmar Marquardt.

Dennoch, so fügt der Diplom-Ingenieur hinzu: Warnemünde bleibt Warnemünde. Deshalb habe man im Vereinslogo auch diese Ortsbezeichnung mit aufgenommen. „Der Standort ist sehr attraktiv, zumal wir jeden Sonnabend und Sonntag um 10 Uhr, wenn wir unser gemeinsames Bad nehmen, auch viele Zuschauer haben. Und manch einer geht mit uns ins Wasser“, sagt der 52-Jährige.

Mitglied im Verein kann jeder Interessierte werden. Fausto Cuerto ist mit 78 Jahren der älteste Seehund, während die vierjährige Ida Schankin, die regelmäßig mit ihrer Oma kommt, die jüngste Winterbaderin ist. „Das Baden in der Ostsee geschieht zwar auf eigene Gefahr. Dennoch haben wir konkrete Regeln. Beispielsweise sollte niemand allein ins Wasser gehen, sodass im Notfall Hilfe möglich ist. Zudem haben wir einen Rettungsring mit einer 25 Meter langen Leine gekauft, mit dem wir Erste Hilfe leisten können“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Die Bezeichnung Rostocker Seehund darf ein Winterschwimmer erst nach einer Probezeit tragen. Diese beginnt im Herbst und endet im April mit dem Abbaden und einer Taufe, die Neptun alias Gründungsmitglied Rüdiger Lesener übernimmt. Beim Abbaden dabei sind stets um die 150 Winter-schwimmer, die zum großen Teil Mitglieder in befreundeten Vereinen im In- und Ausland sind. „Im Gegenzug werden wir auch zu deren Veranstaltungen eingeladen“, sagt Dietmar Marquardt. Eine gute Zusammenarbeit gibt es mit der Tourismuszentrale. Diese stellt den Winterbadern kostenfrei einen Umkleideraum, der im Sommer von Strandreinigern genutzt wird, zur Verfügung. Und zum traditionellen Abbaden kann der Rettungsturm 3 als Basisstation genutzt werden.

„Natürlich bringen wir uns auch in Warnemünde ein, nehmen unter anderem am Niegen Ümgang teil. Und zu unseren Veranstaltungen wie Faschings-, Weihnachts-, Silvester- und Neujahrsschwimmen sowie zum Abbaden sind immer viele Touristen dabei“, sagt der Vereinschef, der sich heute mit seinen Seehunden nach dem gemeinsamen Bad in einem gemütlichen Warnemünder Café zur Weihnachtsfeier trifft.



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