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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. Oktober 2017 | 15:46 Uhr

Abgeklemmt : Sechs Monate ohne Telefon

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Helga und Heinz Kruse warten vergeblich auf ihren Festnetzanschluss. Anbieter ignorieren ihr Problem.

von
erstellt am 26.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Helga und Heinz Kruse sind sauer. Seit dem 16. September vergangenen Jahres warten die Rostocker auf einen neuen Festnetzanschluss. Denn aufgrund von technischen Problemen wollen die beiden vom Anbieter Vodafone zur Deutschen Telekom wechseln. Doch dass es ein solch langwieriger Prozess werden würde, ahnten sie nicht. Mittlerweile mussten sich die beiden Rentner von ihrer Tochter ein Mobilfunktelefon kaufen und einrichten lassen – damit sie wenigstens mit der Familie und den engsten Bekannten telefonisch in Kontakt treten können. „Wir sind nicht technikbegeistert, aber ohne Telefon geht heutzutage nichts mehr“, sagt Helga Kruse.


Sechs Call-Center für Hilfe abtelefoniert


Das Problem begann mit einer neuen so genannten Easy-Box vom Noch-Anbieter. „Nach dem Anschluss funktionierte erst mal nichts und wir haben viel ausprobiert und umgesteckt. Aber es hat sich nichts getan“, berichtet die Rostockerin. Nach der ersten Beschwerde folgte eine neue Box – doch auch diese funktionierte nicht. Es gingen weder Anrufe raus, noch konnten welche angenommen werden.

„Es war einfach immer still. Dann haben wir das erste Mal bei Vodafone im Call-Center angerufen“, sagt Heinz Kruse. Seine Daten und das Problem wurden aufgenommen und im Computer festgehalten – berichtete die Dame am anderen Ende der Leitung. Ein Rückruf sollte folgen, doch es kam nichts. „Ein paar Tage habe ich verstreichen lassen und es dann wieder versucht. Auf einmal war ich in einem anderen Kundencenter und musste die ganze Geschichte wiederholen“, fügt der Rentner hinzu. Insgesamt sechs verschiedene Center in der ganzen Republik habe er in den vergangenen Monaten angerufen und immer wieder musste er von Beginn an erzählen. Heinz Kruse regt das richtig auf: „Ich verstehe nicht, wieso niemand etwas wusste, wenn es doch in dem Zentralcomputer stand.“

Joachim Geburtig von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Rostock rät den Kruses: „In einem solchen Fall liegt sicherlich eine Vertragsstörung vor. Der Kunde kann seinen Vertragspartner schriftlich unter Fristsetzung auffordern, den Mangel zu beheben. Ich empfehle, den Brief als Einwurf-einschreiben zuzustellen.“ Sollte der Mangel nicht innerhalb einer angemessenen Frist behoben werden, wäre eine Kündigung aus wichtigem Grund denkbar. „Solche Beschwerden über Vertragsstörungen treten immer wieder auf. Hier sollten gegebenenfalls Rechnungsgutschriften oder Schadenersatz geltend gemacht werden. Verbraucher sollten die Beeinträchtigung der Leistungen möglichst protokollieren“, sagt der Experte.


Kunde ist offenbar nicht immer König


Eine Gutschrift sowie einen schnellstmöglichen Wechsel zu einem anderen Telefon-Anbieter hat Ehepaar Kruse auch bei Vodafone gefordert, sogar mit Mitnahme der Rufnummer. Anfang Februar sollte dies schon geschehen – doch von beiden Seiten haben die Senioren nichts gehört. „Es heißt doch immer ,Der Kunde ist König‘, aber heute wohl nicht mehr, denn um uns hat sich keiner bemüht. Wir mussten immer bei den Kundencentern anrufen und hinterherlaufen“, erzählt Helga Kruse. Den sprichwörtlichen Schwarzen Peter hätten sich die Anbieter gegenseitig zugeschoben. „Es kamen Antworten, wie der Anschluss sei nicht freigegeben oder die Telekom prüfe nicht die Hauptleitung zu unserem Haus. Am Ende sind doch wir die Leidtragenden“, so die Rostockerin.

Mittlerweile haben die beiden einen Anruf von Vodafone aus Ratingen bekommen. Das Versprechen: „Am 11. März sollen wir nun den neuen Anschluss haben und wir müssen uns nicht mehr darum kümmern“, sagt Helga Kruse.

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