Crash auf A19 : Sechs Jahre nach dem tödlichen Sandsturm

Feuerwehrleute  am 8. April 2011 auf der Autobahn A19 bei Kavelstorf nach der Massenkarambolage
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Feuerwehrleute am 8. April 2011 auf der Autobahn A19 bei Kavelstorf nach der Massenkarambolage

Sechs Jahre nach dem Massen-Crash auf der A 19 bemängeln Umweltschützer die Schutzmaßnahmen

svz.de von
10. April 2017, 05:00 Uhr

Sechs Jahre nach dem Massenunfall durch einen Sandsturm auf der Autobahn 19 mit acht Toten und mehr als 130 Verletzten fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) weiter ein Schutzprogramm für erodierte Böden. Durch industrielle Landbewirtschaftung mit schwerer Technik käme es auf den Äckern immer häufiger zu „enormer Wind- und Bodenerosion“, erklärte Burkhard Roloff, Agrarexperte des BUND.

Am 8. April 2011 hatte starker Wind Sand von einem frisch bearbeiteten Feld aufgewirbelt und über die Autobahn bei Rostock getrieben. In der Sandwolke kam es zu dem Massenunfall mit mehr als 80 beteiligten Fahrzeugen.

Dem BUND zufolge sind mehr als die Hälfte der Böden im Land stark und mittelstark erosionsgefährdet. Roloff forderte die Landesregierung auf, „endlich nach 15 Jahren das Landesprogramm für Bodenschutz aufzulegen“. Voraussetzung für dieses bereits 2002 beschlossene Programm sei der Bodenzustandsbericht, der mit mehrjähriger Verspätung in diesem Jahr veröffentlicht werden soll.

Das Agrarministerium sieht vor allem die Landwirte in der Verantwortung und verweist auf Fördermöglichkeiten, um der Erosion auf den Äckern zu begegnen. Für die „Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen“ des Ministeriums stünden bis 2020 mehr als 350 Millionen Euro bereit, sagte Sprecherin Eva Klaußner-Ziebarth. Zu den geförderten Maßnahmen würden etwa Erosionsschutzstreifen auf den Äckern und der Anbau von Zwischenfrüchten in den Wintermonaten zählen, so dass die Böden in den kalten Monaten nicht brachlägen.

Allerdings werden die Möglichkeiten offenbar nur schlecht angenommen: 2015 haben laut Ministerium 433 Landwirte mit 1750 Hektar Ackerfläche auf die Schutzstreifen-Förderung zurückgegriffen. Zwischenfrüchte seien auf einer Fläche von 57 000 Hektar angebaut worden. Dem gegenüber steht jedoch eine Gesamtackerfläche im Land von mehr als einer Million Hektar.

Für den Bauernverband M-V war der Sandsturm 2011 „ein tragischer Unfall und ein Einzelereignis“. Beim größten Teil der Anbaufläche sei die Erosionsgefahr gering, da hier Weizen und Raps angepflanzt würden. Dies beträfe insgesamt 84 Prozent der Anbaufläche im Nordosten. Minister Till Backhaus (SPD) hatte vor einem Jahr ein Drittel der Ackerflächen als erosionsgefährdet bezeichnet.

Seit letztem Jahr werden so genannte „Erosionsereignisse“ in einem Kataster erfasst, das derzeit 75 Einträge enthalte, erklärte Klaußner-Ziebarth. Neben der Meldung per Telefon und Fax sei im März die für jedermann nutzbare Online-Meldung hinzugekommen.

Die Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht, Andrea Leirich, plädiert außerdem für die Einführung eines flächendeckenden Tempolimits: „Wir sind für 130 als Regelgeschwindigkeit auf Autobahnen“. 2011 war neben der Sandwolke auch nicht angepasste Geschwindigkeit eine der Unfallursachen.

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