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Ben Becker in Heiligendamm : „Schwerer Stoff mit der Schönheit der Melancholie“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Ben Becker spricht im Interview über sein Celan-Programm / Lesung am 24. November in Heiligendamm

svz.de von
erstellt am 27.Sep.2014 | 16:00 Uhr

Das Multitalent Ben Becker ist mit dem berühmten Klezmer-Klarinettisten Giora Feidmann auf deutschlandweiter Lesetour. Sie tauchen mit dem Programm „Zweistimmig – eine Hommage an Paul Celan“ in die Hintergründe der deutschen Nachkriegsliteratur ein. Daraus entsteht ein außergewöhnlicher musikalischer Dialog. Vor dem Auftritt am 24. November im Grand Hotel Heiligendamm sprach Ben Becker mit Volontärin Julia Hahnke.

Heiligendamm gilt als Ihr privater Rückzugsort. Haben sie den Ort daher bewusst für den Auftritt gewählt?

Becker: Man steht in Verbindung und ich freue mich immer, wenn ich hochkommen darf.

Was verbinden Sie mit der Region?

Ich bin gern in dem Grand Hotel und schaue auf das Meer. Herrliche Spaziergänge und viel Ruhe gönne ich mir hier. Ich weiß nicht, ob ich es diesmal schaffe, meine Frau mitzubringen, aber die freut sich auch immer hier zu sein. Wir haben an der Ostsee unsere „Villa Kunterbunt“, benannt nach Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf.

Sie sind selbst Kinderbuchautor, wie kamen sie dazu?

Meine Mutter erzählte mir die Geschichten in der Kindheit. Später gab ich sie weiter an meine Tochter und schrieb die Texte schließlich auf. Lange Zeit lagen sie in meiner Schublade, bis ein guter Freund zu mir sagte: Du musst das rausbringen. Bis heute bereitet mir das Freude, weil es schön ist, etwas für Kinder zu schreiben.

Was sagt Ihre Tochter zu den Büchern ihres Vaters?

Sie liebt das natürlich und kennt die Geschichten seit Jahren. Sie hat meinen kleinen Hauptdarsteller sehr lieb gewonnen. Mit Paul Celan kann sie noch nicht viel anfangen.

Wieso haben Sie für die Aufführung die Lyrik von Paul Celan ausgewählt?

Ich saß mit dem Cheflektor vom Suhrkamp Verlag, Dr. Raimund Fellinger, im gleichen Hotel in Österreich. Wir sprachen über Literatur und irgendwann kamen wir auf Paul Celan und zwar in der Gestalt, dass ich den Stoff gerne auf die Bühne bringen wollte, zumal das nicht einfach ist. Nur wenige Menschen finden Zugang zu ihm. Dazu kam, dass ich schon immer mit Giora Feidmann zusammenarbeiten wollte. Das passte jetzt.

Wo lernten Sie sich kennen?

Wir haben uns zum ersten Mal bei den Dreharbeiten zu „Comedian Harmonists“ 1996 getroffen. Dann läuft man sich immer mal wieder über den Weg unter anderem bei unserem „Rilke Projekt“, mit dem wir regelmäßig aufgetreten sind.

Was schätzen sie an Feidmann?

Er ist ein großartiger Künstler, ein wunderbarer Klarinettist und ein Zirkuspferd. Er lebt für die Bühne und sein Publikum. Das ist mir sehr sympathisch.

Wird es eine Verschmelzung von Musik und Text geben?

Ja, aber nicht nur, es ist teilweise so, dass die Gedichte musikalisch untermalt sind und manchmal ist die Klarinette auch in den Pausen zu hören.

Haben die bisherigen Aufführungen ihre Sicht auf den Dichter verändert?

Selbstverständlich. Wenn man sich derart mit einem Schriftsteller auseinandersetzt, dann lernt man ihn viel besser kennen. Das geschieht bereits, wenn man die Dramaturgie des Programms erarbeitet. Dann zog ich Sekundärliteratur zurate und war ständig im Austausch mit Dr. Fellinger, der Celan sehr gut kennt. Es hilft, wenn man sich jemanden holt, der sich auskennt und man selbst Fragen stellt. Dann lernt man jemanden wie Celan eventuell lieben.

Das Gedicht „Die Todesfuge“ wird Gegenstand der Lesung sein. Warum haben Sie es ausgewählt?

Das ist das einzige Gedicht, was man wirklich von ihm kennt. Bei uns war das damals noch Schulstoff. Wenn man einen Abend über Celan macht, dann kann man die Todesfuge nicht auslassen.

Welches Gefühl wollen Sie beim Zuschauer hinterlassen?

Ein großes Fragezeichen. Celan ist natürlich schwerer Stoff, getränkt von Schmerz und Melancholie, aber das hat eine gewisse Schönheit. Ich möchte nicht, dass die Leute todtraurig nach Hause gehen. Aber der Abend soll nachdenklich stimmen.
 

„Zweistimmig – eine Hommage an Paul Celan“ mit Ben Becker und Giora Feidmann, Grand Hotel Heiligendamm, Montag, 24. November, 20 Uhr, Eintrittskarten: Telefon 038203/740 19 10

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