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Masernerkrankungen verdoppelt : Schutzimpfungen werden nicht aufgefrischt

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Je jünger die Kinder sind, umso ernster nehmen Eltern in MV deren Impfschutz. Je älter die Kinder werden, desto löchriger wird ihr Impfschutz allerdings. Eine Folge: Masernerkrankungen haben mehr als verdoppelt.

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erstellt am 21.Apr.2012 | 02:02 Uhr

Rostock | Je jünger die Kinder sind, umso ernster nehmen Eltern in Mecklenburg-Vorpommern deren Impfschutz. "Wir haben einen sehr guten Durchimpfungsgrad bei Einschülern. Bei Tetanus, Polio, Keuchhusten und Masern zum Beispiel sind 98 Prozent aller Kinder, die in die Schule kommen, geimpft", betont die Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock, Anja Neutzling. "Bei allen Grundimmunisierungen liegt Mecklenburg-Vorpommern damit - soweit ein Vergleich möglich ist - über dem Bundesdurchschnitt."

Erfreulich aus Sicht der Landesbehörde ist, dass auch die Raten für Auffrischungsimpfungen bei den Schulanfängern gut sind. Die zweite Masernimpfung beispielsweise - die nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) noch vor Ende des zweiten Lebensjahres gegeben werden sollte - haben 95,3 Prozent der heute Sechs- und Siebenjährigen bekommen. Mecklenburg-Vorpommern hat damit 2010 als erstes Bundesland die von der WHO geforderte Impfquote von 95 Prozent für beide Masernimpfungen erreicht.

Je älter die Kinder werden, desto löchriger wird ihr Impfschutz allerdings. "Aktuelle Erhebungen bei Achtklässlern haben ergeben, dass sie zwar eine gute Grundimmunisierung besitzen", so Neutzling. Auffrischimpfungen würden aber nur noch von wenig mehr als der Hälfte der Jugendlichen genutzt - die Tetanus-Auffrischung haben nur noch 51,5 Prozent der Achtklässler, vor Polio, also Kinderlähmung, sind in diesem Alter nur noch 58,5 Prozent vollständig geschützt, zeigen die Lagus-Zahen.

Welche Folgen das haben kann, wird am Beispiel der Masern deutlich: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung konstatierte im Jahr 2011 mit 1600 Fällen in ganz Deutschland mehr als eine Verdopplung bei den Erkrankungen. Hierzulande sind die absoluten Zahlen zwar sehr niedrig - nach nur einem einzigen Masernfall im Jahr 2010 wurden 2011 in Mecklenburg-Vorpommern drei Neuerkrankungen gemeldet. "Auch das sind aber drei Fälle zu viel", betont Anja Neutzling. Denn Masern sind nicht nur hoch ansteckend, sie können auch von gefährlichen Komplikationen begleitet werden.

Die heute beginnende Europäische Impfwoche stellt den Schutz vor Masern daher ganz bewusst in den Mittelpunkt. Vor allem Jugendliche und Erwachsene sollen sensibilisiert werden, Impflücken zu schließen.

Aus Sicht des Lagus ist dies vor allem auch für diejenigen wichtig, die Spiele der Fußball-EM besuchen wollen. "In der westlichen Ukraine mit den Austragungsorten Kiew und Lemberg sind seit Jahresbeginn mehr als 5500 Menschen an Masern erkrankt", warnt Anja Neutzling. Sie weist in diesem Zusammenhang auf die neuen Masern-Impfempfehlungen der STIKO für Erwachsene hin. Für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen, sofern sie nicht oder nur einmal geimpft sind, empfiehlt die STIKO die einmalige Impfung mit dem Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff. Die Kosten dafür werden von allen gesetzlichen Krankenkassen getragen.

"Wer sich als EM-Besucher vorab mit der Impfung gegen Masern schützt, sorgt auch dafür, dass er bei seiner Rückkehr die Erreger nicht auf Verwandte und Bekannte übertragen kann!", argumentiert Anja Neutzling.

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