Weiter Schul-Debatte in Rostock : Schulstreit geht in nächste Runde

Mehrheit der Fraktionschefs hält an Jenaplan-Auslagerung als Übergangslösung fest. Elternrat aus KTV übt Kritik an Kommunikation.

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23. März 2016, 08:00 Uhr

Der Widerspruch des Ortsbeirates der KTV und die Beschwerde des Elternrates der Margaretenschule werden wohl nichts ändern. Geht es nach der Mehrheit der Fraktionsvorsitzenden, werden Schüler der Jenaplanschule für ein Jahr an die Grundschule in der KTV ausgelagert, bis die Schule am Wasserturm frei ist – wie in der März-Sitzung der Bürgerschaft beschlossen. Damit soll die Sekundarstufe II an der Jenaplanschule möglich werden, zu der es 33 Anmeldungen gibt. Nach derzeitigen Planungen werden im kommenden Schuljahr 120 Schüler in der Margaretenschule sein, so Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke).

„Im Vergleich zu anderen Schulen hat die Margaretenschule die Kapazität noch“, sagt Eva-Maria Kröger (Linke). „Ich halte das für richtig und eine vernünftige Entscheidung. Die Alternative ist ja nicht ein anderer Standort, sondern, dass wir sonst keine Sekundarstufe II anbieten können“, so Steffen Wandschneider (SPD). „Die Jenaplanschule hat so gut gearbeitet, dass wir jede Beschneidung der weiteren Entwicklung nicht gutheißen“, macht Berthold Majerus (CDU) klar. Er vertraue dem Schulamt. Das tut auch Dr. Malte Philipp (UFR): „Die Frage ist, was gut für die Stadt ist. Man sollte die Kapazität nutzen.“ Dr. Sybille Bachmann (Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09) sieht die Angelegenheit noch nicht als geklärt. Dass es um mehr als 120 Schüler geht, die ausgelagert werden, statt nur um die der neuen Sekundarstufe II, das hätte sich in der Sitzung nicht eindeutig dargestellt. Das war auch eine Kritik des Ortsbeirates gewesen. Die anderen Fraktionsvorsitzenden können sich an genaue Zahlen nicht erinnern, für sie ändere es aber nichts. Bachmann: „Dass über 100 Schüler in die Margaretenschule sollen, das ist unlogisch.“ Dort gebe es ja nur 300 Schüler.

Die Schulkapazität war erst einige Wochen zuvor vom Amt neu festgelegt, die theoretische Kapazität der Margaretenschule von 475 auf 600 erhöht worden. Diese theoretischen Kapazitäten hinterfragt Uwe Flachsmeyer (Grüne). Dazu hatte seine Fraktion einen Antrag eingebracht. Zur Übergangslösung sagt er: „Wir werden für ein Jahr in den sauren Apfel beißen müssen.“

An der jetzigen Situation, findet Ulrike Pannier vom Gesamtelternrat der Margaretenschule, sei keine der beiden Schulen schuld, „sondern der Sparkurs der Hansestadt, der seit Jahren Schulneubau verhindert“. Die Eltern hatten sich zeitweise wie in einer Scheindebatte gefühlt, welche Schule den Vorrang verdient habe. „Aus meiner Sicht ist es absolut zumutbar“, sagt Senator Bockhahn. Die Hortversorgung werde nicht eingeschränkt, der Träger habe keine Einwände geäußert.

Martin Plant, Direktor der Jenaplanschule, sorgt sich, dass durch den öffentlichen Streit Eltern und Schüler verunsichert werden. „Jetzt wird es sachliche Gespräche geben, die dann hoffentlich zu Vertrauen führen“, so Plant. Mittlerweile gibt es dafür eine Basis: „Wir wollen die Unterbringung der Jenaplanschüler an unserer Schule nicht verhindern“, sagt Pannier. Das eigentliche Problem sei, dass das Einvernehmen über die Umnutzung der Räume ohne Elternbeteiligung erfolgt sei. „Wir wollen Transparenz in dem Verfahren und wünschen uns, dass die Einschränkungen für unsere Kinder so gering wie möglich werden.“ Die Eltern haben zum Runden Tisch in die Grundschule geladen.

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