Schrott-Erlaubnis für die "Büchner"

Rost nagt an der 'Büchner': Der Denkmalstatus des Schiffes soll aufgehoben werden. Damit wäre der Weg für die Verschrottung  frei. Belgier bemühten sich bis zuletzt um die Rettung, die  flandrische  Regierung unterstützte sie mit einem Schreiben (r.). geos
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Rost nagt an der "Büchner": Der Denkmalstatus des Schiffes soll aufgehoben werden. Damit wäre der Weg für die Verschrottung frei. Belgier bemühten sich bis zuletzt um die Rettung, die flandrische Regierung unterstützte sie mit einem Schreiben (r.). geos

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13. Mai 2013, 08:34 Uhr

Rostock | Der Denkmalstatus der "Georg Büchner" soll heute aufgehoben werden. Wie Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) gestern mitteilte, sehe die Stadt keine ernsthafte und belastbare Alternative mehr, das Denkmal realistisch zu erhalten und dies auch dauerhaft zu finanzieren. Diese Einschätzung, so Methling, teile auch die Obere Denkmalbehörde in Schwerin. Mit der Aufhebung des Denkmalstatus kann Insolvenzverwalter Tobias Schulze das Schiff zu Geld machen, indem er es an die Argent Ventures Limited verkauft. Die Firma mit Sitz auf den Seychellen hatte 900 000 Euro geboten, um den ehemaligen Tropenfrachter in Litauen zu verschrotten.

Vize-Premier schaltet sich ein

Gegen eine Verschrottung und für den Erhalt des Denkmals hatte sich bis zuletzt ein Verein aus Belgien eingesetzt. "Save the Charlesville" wollte das in Antwerpen gebaute Schiff für einen Euro kaufen, es zurück in seine Heimat holen, dort sanieren und weiter nutzen. Mehrfach hatte er deshalb die deutschen Denkmalbehörden und den Insolvenzverwalter des ehemaligen Trägervereins um Zeit gebeten. Mit Hochdruck arbeiteten die Schiffsliebhaber daran, in kurzer Zeit ein Konzept auf die Beine zu stellen - auch um auf Forderungen zu reagieren, die der Konkursverwalter in letzter Minute stellte.

Unterstützung erhielten sie dabei von der Regierung Flanderns. Vize-Premierminister Geert Bourgeois wandte sich zuletzt noch in der vergangenen Woche an Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). In seinem Schreiben heißt es: "Ich möchte Sie bitten, dafür zu sorgen, dass seriöse, zuverlässige und zahlungsfähige Übernahmekandidaten, die das Schiff mit substanziellen Investitionen erhalten wollen und dafür die explizite Garantie der betreffenden Behörden vorlegen können, genügend Zeit bekommen, um ihre Pläne auszuarbeiten." Doch das Brodkorb unterstellte Landesamt für Kultur und Denkmalpflege war von dem belgischen Angebot nicht gänzlich überzeugt. Der Leiter, Michael Bednorz, zweifelte das Finanzierungskonzept und versicherungsrechtliche Aspekte an.

Stadtoberhaupt: "Gefahr im Verzug"

Das ist jetzt auch Methlings Argument: "Gefahr im Verzug besteht dadurch, dass das Schiff derzeit nicht versichert ist." Der Oberbürgermeister sieht außerdem finanzielle Risiken, falls die Argent Ventures Limited vom Kauf zurücktritt. "Durch Untätigkeit könnte das Insolvenzverfahren mangels Masse eingestellt werden - mit enormen finanziellen Folgen für die Hansestadt Rostock." Allein die Bewachung würde 14 000 Euro im Monat kosten.

Die bisherigen Angaben über die laufenden Kosten für das Schiff und deren Zusammensetzung sind unterdessen weiter widersprüchlich. Unklar ist auch, wann das Schiff den Stadthafen überhaupt verlassen kann. Denn um es im Ausland verschrotten zu können, braucht die Argent Ventures Limited nicht nur die Erlaubnis der Stadt als Denkmalbehörde, sondern auch von Umweltämtern. Sonst verstößt sie mit dem Verholen über die Landesgrenze gegen EU-Recht. Denn wie fast alle älteren Schiffe ist die "Georg Büchner" mit Asbest belastet. Einem Transport als Abfall müssen das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie sowie die litauische Umweltschutzbehörde EPA in einem Notifizierungsverfahren ihre Zustimmung geben. Dabei wird beispielsweise geprüft, ob die Schrottwerft die Genehmigungen und technischen Voraussetzungen für die Entsorgung der gefährlichen Stoffe vorweisen kann. Nach Angaben der belgischen Schiffsinteressenten liegt eine solche Genehmigung noch nicht vor. Das Notifizierungsverfahren kann sich einige Wochen hinziehen.

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