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13. Dezember 2017 | 17:55 Uhr

Schlepper bringen Segler auf Kurs

vom

svz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 10:28 Uhr

Rostock | Als hätten die Großsegler rohe Eier an Bord, so vorsichtig werden die Windjammer auch bei der 23. Hanse Sail von der Rostocker Schlepper-Flotte angefasst - egal, ob der Rumpf aus Eisen oder Holz ist. Die Arbeitspferde der Schifffahrt, wie Schlepper im Berufsjargon auch genannt werden, müssen von ihren Kapitänen und Besatzungen in bester Zusammenarbeit mit den Lotsen und den Kapitänen der beeindruckend großen Segler außergewöhnliches Gefühl walten lassen. Immerhin gehen die Antriebsleistungen der Schlepper auch über 3500 Pferdestärken hinaus und es können auf dem Haken Pfahlzüge von 28 bis 41 Tonnen erreicht werden.

Zu zweit werden die Windjammer rein- und rausgezogen

Schon vor dem Tor der Hafenreviere von Warnemünde und Rostock warten bei der Lotsenversetz-Position immer jeweils zwei Schlepper auf die per Funk angekündigten Großsegler. Vier Schlepper befinden sich zur Hanse Sail in Bereitschaft: "Fairplay II", "Fairplay V", "Bugsier 16" und das Schiff "Axel". Mit ihrem Zusammenkommen bei der Hanse Sail stärken die Mannschaften lange bestehende Bekanntschaften: Für den zweitgrößten Windjammer der Welt, die Vier-Mast-Bark "Kruzenshtern", gilt das ebenso wie für das Vollschiff "Mir" aus Russland, für das Vollschiff "Dar Mlodziezy"aus Polen und für das ebenfalls weltweit bekannte Segelschulschiff der Deutschen Marine, die Bark "Gorch Fock", um nur einige Bespiele für die Arbeit der Schlepperbesatzungen zu nennen.

Großsegler haben keine Bug- oder Heckstrahlruder. Ihre Möglichkeiten, mit eigener Antriebsleistung im relativ engen Fahrwasser bei Hochbetrieb während der Sail zu manövrieren, sind begrenzt. Der zweite Grund für den unverzichtbaren Einsatz der Schlepper und ihrer sehr erfahrenen Seeleute liegt in der engen Belegung der Liegeplätze im Seekanal in Warnemünde und im Stadthafen. Es ist wenig Platz. Ein Kopfschlepper und ein Heckschlepper bringen die Windjammer rein oder ziehen sie zu ihren Ausfahrten mit Gästen vom Liegeplatz in das Fahrwasser.

Frank Herzer (52) ist seit elf Jahren verdienstvoller Niederlassungsleiter der seit 108 Jahren bestehenden Hamburger Fairplay Schleppdampfschiffs-Reederei Richard Borchard in Rostock-Warnemünde. Auch für die Schlepper-Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommerns zeichnet er verantwortlich. Der Rostocker hat hier an der Universität sein Studium für Seeverkehr und Hafenwirtschaft mit einem Diplom abgeschlossen und sich Berufserfahrungen bei namhaften Unternehmen der maritimen Wirtschaft erarbeitet. Jetzt trägt er Verantwortung für mehr als 60 Frauen und Männer und für die hier stationierte Schlepper-Flotte.

Die Mannschaft freut sich über Lob

Von der Hanse Sail ist Herzer begeistert: "Natürlich sind wir alle stolz, wenn unsere Mitarbeiter für den maritimen Service der Gastschiffe viel Anerkennung erhalten - ob von den Schiffsführungen der Windjammer, der Revierzentrale des Wasser- und Schifffahrtsamtes, den Lotsen, dem Hafenkapitän oder von der Leitung der Hanse Sail. Unser Unternehmen pflegt zudem gute Traditionen. Wir laden am Sonnabend Geschäftspartner und Freunde der Firma zu Revierfahrten, anregenden Gesprächen und gastlicher Betreuung an Bord ein", so Herzer. Bei diesen Ausfahrten zeigen die Kapitäne gern, was ihre Schiffe alles können: in wenigen Sekunden krängen, beschleunigen, stoppen und auf engstem Raum drehen. "Es ist ein gewisser Vorführeffekt, den wir nicht gerade Show nennen wollen, aber die Nachbarschaft dazu wird schon deutlich", so Herzer. Kein Wunder also, dass es für diese Vorführungen nicht selten spontanen Beifall von den Sail-Besuchern in Warnemünde und im Stadthafen gibt, wie Herzer berichtet: "Es wird unseren Männern zugewinkt. Wen würde das nicht freuen?"

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