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25. November 2017 | 06:55 Uhr

Schlepper-Besatzung sitzt in Rostock fest

vom

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2013 | 09:08 Uhr

Rostock | Ein Opfer im Hickhack um die "Stephan Jantzen" ist die Besatzung des Schleppers "Lore". Die Männer auf dem unter der Flagge Panamas fahrenden Schiff sollten den Eisbrecher schon Ende 2012 aus dem Stadthafen holen - und sind seitdem im Rostocker Hafen gestrandet. Unter schwierigen hygienischen und sehr beengten Bedingungen leben die zehn Männer nun schon seit Monaten auf ihrem Schiff am Liegeplatz 35 im Seehafen - ohne Heuer und ohne zu wissen, wann sie wieder nach Hause können.

Den Auftrag für die "Jantzen"-Verholung hatte die "Lore" von Kai Gunther Lehmann bekommen - offenbar ohne, dass er dazu legitimiert war. Denn ob Lehmann überhaupt der rechtmäßige Eigner des Eisbrechers ist, ist vor Gericht noch nicht abschließend geklärt. Das Gericht legte fest: Bis die Besitzverhältnisse klar sind, darf der Eisbrecher seinen Liegeplatz nicht verlassen. Während der türkische Eigner der "Lore" trotzdem wohl noch auf ein Startsignal oder einen anderen Auftrag von Lehmann wartete, liefen für ihn immer weitere Kosten auf. Die Summe wurde so hoch, dass der Eigner seine finanziellen Schwierigkeiten durch einen Verkauf der "Lore" lösen wollte. Doch auch der ist ins Stocken geraten.

"Mehrere Interessenten haben sich den Schlepper schon angesehen. Ein Holländer schien ernsthaft interessiert zu sein", sagt Hamani Amadou, Inspektor der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF). Er setzt sich dafür ein, dass der neue Eigner die ausstehende Heuer für die Seemänner übernimmt. Es gab eine Vereinbarung, nach der ein Teil des Geldes bereits in der zurückliegenden Woche fließen sollte. Doch laut Amadou steht die Zahlung immer noch aus. Er hofft, dass der Kauf in der kommenden Woche über die Bühne geht und die Seemänner endlich Klarheit haben.

Das hofft auch Seemannsdiakon Volkert Jansen. "Was uns allen an die Nieren geht, ist, zu sehen, dass das alles zu Lasten der Mannschaft geht", sagt er. Er berichtet von dem extrem hohen Krankenstand bei der zehnköpfigen Besatzung: Ein Seemann wird mit Herzproblemen im Krankenhaus behandelt, ein weiterer soll in den kommenden Tagen wegen eines Leistenbruchs operiert werden. Bei einem dritten Seemann wurde inzwischen ein schwerer Diabetes festgestellt. Die Mitarbeiter der Seemannsmission sind täglich auf der "Lore", um nach der Besatzung zu sehen. Und sie bieten den Männern aus Aserbaidschan, Polen und Georgien die Möglichkeit, eine Stunde am Tag per Telefon oder Internet Kontakt in ihre Heimat aufzunehmen. Immerhin, sagt Amadou, sei der bisherige türkische Eigner aus der Türkei für Proviant, Wasser und medizinische Versorgung aufgekommen.

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