"Schlafmangel macht krank"

<strong>Vor dem Schlafengehen</strong> werden Sensoren am Körper des Säuglings angebracht. Schwester Sabine Herzog überwacht Luca Thomas. <foto>michaela Krohn</foto>
Vor dem Schlafengehen werden Sensoren am Körper des Säuglings angebracht. Schwester Sabine Herzog überwacht Luca Thomas. michaela Krohn

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27. Juli 2012, 08:11 Uhr

Südstadt | Luca Thomas Harms kam als Frühchen sieben Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin zur Welt. Er leidet unter Atemstörungen, während er schläft. Das bedeutet für ihn, dass seine Atmung während des Schlafes sehr instabil ist und es im schlimmsten Fall zu Atemstillständen kommen kann.

Um das zu therapieren, muss Luca Thomas eine oder mehrere Nächte im Schlaflabor des Südstadtklinikums übernachten. "Wir können durch Sensoren, die am Körper befestigt werden, messen, ob eine Schlafstörung vorliegt und wie sich diese auswirkt", sagt Dr. Frank Kirchhoff, Leiter des Schlaflabors. Luca Thomas wird mit kleinen Dosen Coffein behandelt. Die treiben den Atem an und unterbinden so die gefährlichen Atempausen. "In der Regel reift das Atemzentrum innerhalb einiger Wochen nach, sodass wir dann das Coffein absetzen können", so Kirchhoff weiter.

Er betreut jede Nacht zwei Patienten, fast ausschließlich Kinder. Viele leiden unter Bettnässen, Schlafwandeln oder Schnarchen. Von einer Schwester werden die Patienten, während sie schlafen, auf Monitoren überwacht, die die Daten der Sensoren anzeigen, etwa zu Augen- und Muskelbewegungen oder Gehirnströmen. Zudem ist eine Kamera im Patientenzimmer installliert. Bei Luca Thomas werden darüber hinaus Sauerstoffsättigung, Puls und ein Elektrokardiogramm (EKG) aufgezeichnet.

Kirchhoff ist aufgefallen, dass die kleinen Patienten oft unter Schlafstörungen leiden, weil sie heutzutage weniger schlafen als früher. "Der Druck, viel Mühe in Schularbeiten zu stecken, oder lange Zeiten vor Fernseher und Computer führen zu Schlafmangel und somit zu Schlafstörungen", sagt der Experte. Während Erwachsene nach solch unruhigen Nächten einfach müde, gereizt und unkonzentriert sein können, neigen Kinder eher zu Hyperaktivität. "Sie kämpfen tagsüber gegen die Müdigkeit an, wollen unbedingt wach bleiben und werden mitunter sogar aggressiv", so Kirchhoff. Schulkinder litten besonders unter schlechten Leistungen, weil gerade das Langzeitgedächtnis beeinträchtigt werde.

Zudem unterbindet der Körper im Schlaf das Hungergefühl. Ist man aber nachts ständig wach, ist auch der Hunger nach hochkalorischem Essen stark. "Zugespitzt kann man also sagen: Schlafmangel macht krank, dumm und dick", so Kirchhoff.

Während Babys ganz unterschiedliche Schlafbedürfnisse haben und einem ständigen Schlaf-Wach-Rhythmus unterliegen, der bei jedem Neugeborenen anders ist, pegeln sich die Schlafphasen mit fortschreitendem Alter immer mehr ein. "Ein Teenager von 14 Jahren braucht noch etwa neun bis elf Stunden Schlaf pro Nacht", unterstreicht Kirchhoff. Besonders sei es in der heutigen Leistungsgesellschaft wichtig, die immer mehr von den Kindern fordere.

Wie können Eltern nun dafür sorgen, dass ihre Kinder gut schlafen? Kirchhoff empfiehlt: "Wichtig ist ausreichend Schlaf. Das Bett sollte zum Schlafen einladen, nicht etwa als Spielwiese benutzt werden, und die Kleinen sollten am besten mit einem Einschlafritual in die Nacht verabschiedet werden und alleine einschlafen, auch wenn sie noch im Elternschlafzimmer untergebracht sind." Zudem solle es dunkel und leise sein und schon nachmittags keine Getränke wie Cola oder Eistee mehr getrunken werden.

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