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Schiffs-Havarie: Wie sicher ist der Rostocker Hafen?

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erstellt am 16.Jan.2012 | 08:19 Uhr

Rostock | Der Untergang der "Costa Concordia" Freitagnacht vor der italienischen Insel Giglio schlägt Wellen bis nach Rostock. Kann so eine Katastrophe auch die Hansestadt als beliebtesten deutschen Kreuzfahrthafen treffen?

Dr. Mathias Jonas, Chef des Rostocker Ablegers des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH), sieht vor allem in den zahlreichen Wracks am Meeresboden und der hohen Verkehrsdichte Gefahren auf der Ostsee. Erst vor zwei Wochen beispielsweise wurde der Frachter "Johanna" südlich von Gedser von einem Stahlträger durchbohrt, der sich von einer Plattform gelöst hatte.

Fähren brennen 2011 zweimal

In Rostock ist im vergangenen Jahr gleich zweimal Feuer auf den Seefähren ausgebrochen, sagt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Vor zwei Jahren gab es zudem einen Schwelbrand an Bord eines Kreuzfahrtschiffes in Warnemünde. Und auch Unfälle mit Gefahrgut seien schon mehrfach vorgekommen. Das alles konnten die Rostocker selbst bewältigen, weil es sich dabei um kleinere Vorkommnisse innerhalb des Hafens handelte. Bei einer großen Katastrophe hätte das deutsche Havariekommando in Cuxhaven die Koordination übernommen. Dann wären alle Ressourcen mobilisiert worden, vom Notschlepper über die Rettungs- und Löschschiffe sowie die Hubschrauberstaffel in Hohe Düne bis hin zu Marine und Polizei.

Diesem Super-GAU ist Rostock bisher aber immer entgangen, auch dank der gut eingespielten Rettungskräfte. "Da wird nicht lange geschnackt, sondern angepackt", sagt der Hafenkapitän. Damit das reibungslos funktioniert, proben die Rostocker regelmäßig den Ernstfall. In diesem Jahr sind beispielsweise zwei Übungen auf Kreuzfahrtschiffen und ein Gefahrguttraining mit der Feuerwehr vorgesehen.

Personal lernt Evakuierung

Auch die Rostocker Kreuzfahrtreedereien Aida Cruises und die Arosa Flusschiff GmbH legen größten Wert auf gut ausgebildetes Personal. In speziellen Lehrgängen lernt die Besatzung, im Notfall die Evakuierung ruhig und geordnet abzuwickeln. Ein Chaos wie beim Untergang der "Costa Concordia" schließt Ruhnke daher aus: "Das könnte hier so nicht passieren." Auch alle anderen Kreuzfahrtreedereien, die Warnemünde ansteuern, müssen solche Übungen nachweisen.

BSH-Chef Jonas treibt unterdessen die Frage nach der Ursache des jüngsten Untergangs um. "Mich als Vermessungs-Fachmann interessiert, wie es sein kann, dass der Felsen in den Karten nicht auftaucht", sagt er. Der Experte hat sich gestern als Erstes die Seekarte des Unglücksgebiets vor der Insel Giglio besorgt. Ergebnis: Normalerweise fahren dort keine so großen Schiffe, schon gar nicht so nah am Ufer. "Die Vermessung des Bodens ist daher nicht so genau", sagt Jonas. Das sei in der Ostsee anders, wo die Routen der großen Schiffe auf den Quadratmeter genau nach Hindernissen abgesucht werden. Die Tiefe können die Fachleute sogar auf den Dezimeter exakt angeben.

"Die Ostsee ist sehr genau vermessen", sagt der BSH-Chef. Für die Hauptverkehrswege würden die Daten alle fünf bis zehn Jahre aktualisiert, sonst etwa alle 15 bis 20 Jahre. "Vor unserer Haustür sind die Verhältnisse dank des festen Untergrunds relativ stabil", sagt er. Vor Rügen allerdings würden Segler ab und an noch auf nicht verzeichnete Felsen stoßen, da die Gewässer dort - abseits der regulären Routen - relativ flach seien.

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