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23. November 2017 | 21:35 Uhr

Schausteller kämpfen um Bussebart

vom

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erstellt am 05.Apr.2013 | 07:59 Uhr

Rostock | In der Diskussion um einen Theaterneubau in Rostock haben sich gestern Schaustellerverbände zu Wort gemeldet. Mit einer Demonstration vor dem Rathaus machten sie klar: "Theater ja - aber nein zum Standort Bussebart". "Wenn das Theater dort gebaut wird, verlieren wir den Platz für unseren Weihnachtsmarkt", sagt Marlies Urbigkeit, Vorsitzende des Schaustellerverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Einige Familienbetriebe müssten dann um ihre Existenz bangen, bis zu 100 Jobs wären bedroht.

Vor allem die großen Fahrgeschäfte haben am Bussebart ihren angestammten Platz. Etwa 40 Betriebe betreiben dort alljährlich Achterbahnen, Karussells oder Geisterbahnen. "Wenn die wegfielen, würden etwa 15 bis 20 Prozent der Einnahmen des Weihnachtsmarktes wegbrechen", sagt der Geschäftsführer der Rostocker Großmarkt GmbH, Jörg Vogt. Er befürchtet, dass bei einem etwaigen Umzug in den Stadthafen kaum Besucher über die L 22 kommen würden. Die Schausteller machen auf weitere Konsequenzen aufmerksam. "Weniger Besucher würden auch weniger Einnahmen für Hotels und Gaststätten bedeuten. Auch die Gewerbesteuereinnahmen würden sich verringern", sagt Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB). Vogt unterstreicht die Wichtigkeit des Rostocker Weihnachtsmarktes in seiner jetzigen Form für die Schausteller aus der Region: "Viele einheimische Betriebe machen 30 bis 40 Prozent ihres Jahresumsatzes hier."

"Ein Ausweichstandort für diesen Teil des Weihnachtsmarktes ist schwer zu finden. Für das Theater gibt es aber noch andere Möglichkeiten", sagt Urbigkeit. Sie fordert vor allem, dass die Schausteller in die Entscheidung zum Theaterneubau einbezogen werden.

Im Mai soll die Bürgerschaft darüber abstimmen, wo das neue Volkstheater gebaut wird. Nach einer Untersuchung der Standorte Rosengarten, Christinenhafen und Bussebart schlägt die Stadtverwaltung vor, einen städtebaulichen Wettbewerb für das gesamte Gebiet um den Christinenhafen und den Bussebart auszuloben. Erst dabei soll der genaue Platz für den Neubau gefunden werden.

SPD und Bündnis 90/Die Grünen sind schon jetzt vom Standort Bussebart überzeugt. Einen langwierigen städtebaulichen Wettbewerb könne Rostock sich sparen, meint die SPD. "Am Standort Bussebart ist die Infrastruktur vorhanden und er wäre eine Kulturbrücke zwischen Stadthafen und Innenstadt", sagt Simone Briese-Finke, Vorsitzende der Grünenfraktion. Im Christinenhafen - den Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) ins Spiel gebracht hatte - seien indes immense Mehrkosten zu befürchten. Für die Schausteller müsse allerdings ein geeigneter Ausweichstandort gefunden werden.

CDU und Linke wollen nun den städtebaulichen Wettbewerb abwarten. "Der muss aus unserer Sicht dringend Antworten darauf geben, was bei den jeweiligen Varianten mit dem Weihnachtsmarkt oder der Hanse Sail geschehen soll. Vorher können wir keine Entscheidung treffen", sagt Prof. Dieter Neßelmann, Fraktionschef der CDU.

Auch für Dr. Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 ist klar: "Der Theaterstandort Bussebart ist nur tragbar, wenn eine adäquate Lösung für die Schausteller gefunden wird." Ihre Fraktion hat sich für den Rosengarten ausgesprochen, den das Rathaus wegen des denkmalgeschützten Parks inzwischen völlig ausschließt und der auch bei den anderen Fraktionen keine Mehrheit findet. Bachmann schlägt vor, nun noch einen weiteren Standort zu prüfen: das Gelände auf der anderen Seite der Wallstraße, wo zurzeit noch das Telekom-Gebäude steht.

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