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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. Oktober 2017 | 13:40 Uhr

Schatz für Rostock: Archiv von Uwe Johnson kommt

vom

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2012 | 09:16 Uhr

Rostock | Die Hansestadt wird zum Zentrum der internationalen Forschung über den Schriftsteller Uwe Johnson (1934-1984). Das Johnson-Archiv zieht in der kommenden Woche von Marbach in Baden-Württemberg nach Rostock um. Die kostbare Fracht mit 8000 Büchern, 50 000 Seiten Manuskripten und Briefen sowie Einrichtungsgegenständen aus Johnsons letzter Wohnung im britischen Sheerness soll am Donnerstag eintreffen. Die Archivalien werden im Bücherspeicher der Universität untergebracht.

Vor drei Monaten hatten namhafte Kulturinstitutionen in Rostock ihre Absicht erklärt, eine Uwe-Johnson-Werkausgabe zu fördern. In einem Festakt hatten die Peter-Suhrkamp-Stiftung, der Suhrkamp-Verlag, die Johannes-und-Anita-Fries-Stiftung, die Universität Rostock und die Uwe-Johnson-Gesellschaft eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Die Suhrkamp-Stiftung verwaltet die Urheberrechte Uwe Johnsons. Die Herausgabe des Johnson-Gesamtwerkes wird etwa 20 Jahre dauern. Und nach damaligen Angaben der Universität frühestens 2014 beginnen. Für die historisch-kritische Werkausgabe, zu der auch Briefe, Vorträge, Interviews und Essays des Schriftstellers gehören werden, soll das Archiv genutzt werden, das sich seit 2010 im Deutschen Literaturarchiv in Marbach befindet. Zum Nachlass gehören unter anderem die umfangreiche Bibliothek Johnsons, Entwürfe zu Romanen, Erzählungen, Aufsätzen, die mehrere tausend Blatt umfassende Korrespondenz sowie eine umfangreiche Sammlung von Ansichtskarten, Fotos und Zeitungsausschnitten. Der Schriftsteller Uwe Johnson zählt zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. Er war 1945 mit seiner Familie nach Mecklenburg gekommen. Von 1952 bis 1954 studierte er in Rostock Germanistik. Ende der 50er-Jahre verließ er die DDR. Seine Bücher wurden Zeit seines Lebens in der DDR nicht verlegt.

Seit 2009 gibt es in Rostock auch eine Stiftungsprofessur zu Johnson, besetzt durch Prof. Holger Helbig. Seit Kurzem gibt es auch eine Forschungsstelle. Johnson war 1953 von der Universität Rostock aufgefordert worden, als Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ) gegen die kirchliche Junge Gemeinde Stellung zu beziehen. Dies hatte Johnson verweigert und sich stattdessen für die Junge Gemeinde eingesetzt. Sein Rauswurf aus der Universität war nur durch das politische "Tauwetter" verhindert worden, das nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR einsetzte.

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