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Archäologe taucht zu alten Wracks : Schätze auf dem Grund der Ostsee

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Als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Gesellschaft für Schiffsarchäologie erforscht Henrik Pohl gesunkene Wracks. Unzählige sind in der Ostsee bereits gefunden worden und viele liegen noch verborgen am Meeresgrund.

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erstellt am 21.Mär.2012 | 08:30 Uhr

Rostock | Wenn er einen Anruf bekommt, geht für den Unterwasserarchäologen Henrik Pohl der spannende Teil seiner Arbeit los. Entweder meldet sich das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) oder Fischer melden sich bei ihm. Was sie ihm Wichtiges zu sagen haben: Ein neues Schiffswrack liegt auf dem Meeresgrund der Ostsee. "Mindestens einmal im Jahr bekomme ich solch einen Anruf", sagt der Archäologe. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Gesellschaft für Schiffsarchäologie erforscht er gesunkene Wracks. Unzählige sind an der Küste der Ostsee bereits gefunden worden und viele liegen noch verborgen am Meeresgrund.

Um das zu ändern, informieren Fischer und Mitarbeiter eines Wracksuch- und Vermessungsschiffes vom BSH den in Salzburg lebenden Wissenschaftler regelmäßig über Neufunde. Über Echolot haben sie größere Hindernisse auf dem Grund ausfindig gemacht. Nach ersten Sonar- und Luftbildaufnahmen taucht Pohl mit weiteren zwei bis vier Tauchern zu dem vermeintlichen Hindernis hinab, das ihm die Instrumente anzeigen, und untersucht es genauestens, indem er Fotos und Zeichnungen anfertigt und die Wrackteile vermisst. "Es ist schon ein besonderer Moment, wenn so ein altes Wrack aus der Dunkelheit vor mir auftaucht", sagt Pohl, der am Rostocker Heinrich-Schliemann-Institut Archäologie studierte. Schließlich sei die Sicht in der Ostsee stark eingeschränkt.

Überwältigt von den Überresten war der gebürtige Rostocker ebenfalls, als er zu den zwei neuesten Entdeckungen, der "Glenboig" und der "Garden" hinabtauchte: Die hölzerne Dreimastbark "Glenboig" wurde 2001 gefunden. "Sie liegt in 20 Metern Tiefe am Rand der Kadettrinne", sagt Pohl. Was den Fund so besonders macht: Neben Ladungsgütern seien auch viele Gebrauchsgegenstände aus der Achterkajüte erhalten, wie etwa Geschirr. "Der Frachter, der etwa Ende des 19. Jahrhunderts gesunken ist, war mit Ziegelsteinen beladen, die Aufschluss auf seine Herkunft gaben", erinnert sich Pohl. Denn in die Steine sei der Name "Glenboig" eingefräst, ein Ort in Schottland. Zur damaligen Zeit gab es dort die Ziegelei Union Fire Clay Co Ltd. Während des ersten Tauchgangs hat der leidenschaftliche Sporttaucher das historische Artefakt vermessen. Da die Backbordseite des 32 Meter langen Schiffs einen acht Meter langen Riss aufweist, geht der Archäologe davon aus, dass dies die Ursache für das Kentern sein könnte.

Genauso bedeutend wie dieser Fund ist für ihn die Entdeckung des in flachem Gewässer liegenden Stahlschiffs, "Garden". Auch dieses Wrack, das aus dem Ende des 20. Jahrhunderts stammt, weist einen großen Riss am Bug auf. "Es konnte zu 95 Prozent identifiziert werden, weil es ein spezielles Segel hat", sagt der Archäologe.

Die "Glenboig" und "Garden" sind nur zwei von geschätzten 2000 maritimen Überresten. "Von 600 gibt es ungefähre Positionen und nur 200 konnten bisher betaucht werden", sagt er. Doch die Zeit rennt. Jeder Tag, der verstreicht sorgt für ein stetiges Verschwinden der Wracks. So lösen sich Stahlschiffe schneller auf als Holzbarken. "Und die aus Holz werden von Bohrmuscheln zerfressen, die eigentlich aus der Nordsee stammen", sagt Pohl.

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