Seehafen Rostock : Saubere Alternativen im Test

Die TT-Fähre „Nils Holgersson“ passiert die Molen in Warnemünde.
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Die TT-Fähre „Nils Holgersson“ passiert die Molen in Warnemünde. Fotos: Reiner Frank

Wie Fährverkehr sich Umwelt- Herausforderungen stellt / Neue Netze und nachhaltige Projekte / Zuwachs auch am KTV-Terminal

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12. August 2015, 18:00 Uhr

Am Warnowkai hatten am Sailsonnabend mit „Vikingland“ und „Vasaland“ gleich zwei der grün-weißen Fähren der Svenska Orient Line (SOL) festgemacht. Sie grüßten mit ihren Typhonen, als das Salonmotorschiff „Stadt Kiel“ ihre Liegeplätze passiert. Sie erwiesen damit dem traditionellen Sailtörn der Hafenentwicklungsgesellschaft (Hero) mit den Fährreedern ihre Reverenz.

Dass ein SOL-Duo zugleich in Rostock ist, passiert nur alle halbe Jahre einmal und ist in diesem Fall Fahrplanänderungen während der Werftzeit der „Merchant“, der dritten zwischen Rostock und Hanko verkehrenden Frachtfähre, geschuldet, erklärt SOL-Geschäftsführer Ragnar Johansson. Seit Ende Januar setzt SOL drei Schiffe auf dieser Linie ein und bietet Frachtkunden wöchentlich bis zu fünf Abfahrten in beide Richtungen. Insgesamt gibt es inzwischen ein ganzes Routennetz von neun Verbindungen. Die Kooperation mit Industrieunternehmen und verschiedenen Reedereien macht es möglich. So erstreckt sich im Sommer 2015 das Serviceangebot vom nördlichsten Finnland über Schweden und Deutschland bis nach Großbritannien. Damit hat sich SOL zu einem bedeutenden Akteur im nordeuropäischen Fährverkehr entwickelt und bietet so auch Finnlines Paroli, die seit einiger Zeit mit ihren Frachtfähren von Rostock auch Hanko ansteuert.

Der Wettbewerb erfolgt unter verschärften Bedingungen, nachdem die Ostsee als Schwefelemissionsgebiet (SECA) ausgewiesen wurde. Damit hatte Schweröl ausgedient und SOL stellte als saubere Treibstoff-Alternative auf Marinediesel um. Dabei profitiert die Reederei von den gegenwärtig relativ niedrigen Bunkerpreisen und erspart sich zunächst aufwendige Investitionen ihrer in die Jahre gekommenen Schiffe und kann somit den Umwelt-Zuschlag, den alle Reedereien mehr oder weniger erheben, entsprechend niedriger halten. Wenn die technologischen Lösungen zur Minimierung des Schwefelgehalts ausgereift sind, werde man aber neu entscheiden, erklärt Johansson.

Bei der TT-Line gibt es bereits erste Erfahrungen. Geschäftsführer Bernhard J. Termühlen kann von guten Ergebnissen mit der „Nils Dacke“ berichten, die mit Scrubbern (Abgaswäschern) ausgerüstet wurde. Der dabei entstehende Abfall (Sludge) werde gesammelt und in den Häfen abgegeben. Spekulationen, dass der Abgasdreck statt in der Luft nun im Meer lande, weist er als falsch zurück. Mit der Nachrüstung weiterer Fähren mit dieser nicht gerade billigen Technik aber wird gegenwärtig noch gewartet und dürfte von der Entwicklung des Ölpreises abhängen, lässt Termühlen durchblicken. Womöglich bilden Scrubber auch nur eine Brückentechnologie und die Zukunft heiße LNG, also der Einsatz von Flüssiggas.

Bei der Stena-Line wiederum sind die ersten Tests mit dem Einsatz von Methanol Erfolg versprechend, berichtet Ron Gerlach, der neue Routenchef für die Geschäfte in Deutschland. Der erste Motor der zwischen Kiel und Göteborg verkehrenden „Stena Germanica“ sei entsprechend umgestellt worden und die ersten Testfahrten wären erfolgreich gelaufen. Jetzt werde auch der zweite und dritte Motor umgestellt.

Bewährt hat sich zudem der Batteriebetrieb, mit dem inzwischen alle Scandlines-Fähren auf der Vogelfluglinie ausgerüstet wurden, merkt Geschäftsführer Morten Haure-Petersen an. Nach diesem Beispiel werden auch die in Odense ihrer Fertigstellung entgegengehenden Neubauten für die Linie Rostock-Gedser ausgerüstet. Auf der kurzen Distanz zwischen Puttgarden und Rödby sei in einigen Jahren auch der vollständige Batteriebetrieb denkbar. Noch aber drücke dafür nicht der Ölpreis und für die längere Strecke Rostock-Gedser ginge dies ohnehin nur mit weiteren technischen Innovationen.

Der Rostocker Hafen stellt sich langfristig auch auf den Einsatz von LNG ein. Allerdings zunächst nur für die kleine lokale Versorgung, machen die Geschäftsführer deutlich. Um das nachhaltig zu gestalten, müssten neben der Schifffahrt auch andere Nutzer ins Boot, beispielsweise der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Entsprechende Überlegungen werden ausgelotet.

Umweltverträglicher und effektiver als der Lkw fährt über längere Strecken auch die Bahn. Das Terminal für den kombinierten Verkehr im Rostocker Hafen ist hier durch den erfolgten Ausbau auf weiteres Wachstum eingestellt. Gegenwärtig werden hier 34 Züge mit Wechselbehältern abgefertigt. Die Zahl der umgeschlagenen Trailer stieg im ersten Halbjahr um mehr als 1000 auf 35 177 Einheiten. Neu wird Duisburg dreimal wöchentlich bedient. Der Betreiber TX ermöglicht im Verona-Verkehr auch kleineren Kunden den Zugang. Weitere Projekte sind im Gespräch. Scandlines arbeitet ebenfalls an Intermodal-Lösungen über Rostock. TT-Line, einer der Pioniere im Kombiverkehr, setzt nach einer kurzen Ferienpause wieder auf Dreieckstörns mit ihren größeren und komfortableren Premiumschiffen zwischen Travemünde, Rostock und Trelleborg. Stena Line will in diesem Jahr zwischen Rostock und Trelleborg etwa 22 000 Bahnwaggons befördern. Im ersten Halbjahr wurde die Anzahl der über See transportierten Eisenbahnwaggons dank des Weggangs von Sassnitz verdoppelt, wobei aktuell auch Bauarbeiten im dänischen Gleisnetz eine Rolle spielen.

Die SECA-Regelungen führen trotz der gegenwärtig sehr niedrigen Ölpreise zu einer Neuordnung der Liniennetze, meinen die Hero-Manager und glauben, dass davon Häfen wie Rostock mit kürzeren Wegen zu den Zielen in Skandinavien profitieren könnten.

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