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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 17:19 Uhr

Satellitenfotos enthüllen vergessene "Danskeborg"

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erstellt am 08.Feb.2013 | 06:24 Uhr

Rostock | 1322 kauften die Rostocker dem Landesfürsten die "Danskeborg" ab - um sie gleich darauf abzureißen. In den Jahrhunderten danach gerieten das Bollwerk und die zweite Hafenzufahrt, deren Bewachung es diente, in Vergessenheit. Forscher bezweifelten sogar ihre Existenz. Jetzt beweist Dr. Wolfgang Steusloff vom Institut für Volkskunde das Gegenteil. Wie, das schildert er in diesem NNN-Gastbeitrag.

Seit der Auswertung archivalischer Quellen durch Ludwig Krause und seiner darauf gründenden Veröffentlichung zu den alten Warnow-Mündungen und dem ursprünglichen Rostocker Hafen (1924) gibt es im Wesentlichen zwei unterschiedliche Auffassungen bezüglich der ältesten Seehafenanlagen von Rostock und der Nehrungsdurchfahrten zwischen See und Breitling. Einerseits soll es einzig und allein der heutige Alte Strom gewesen sein, andererseits außerdem eine ehemalige zweite Durchfahrt, die weiter östlich durch das einstige "Alte Tief" ("Olles Fohrwater") geführt hat.

Die Position der dazugehörigen Bauwerke, von denen die Archivalien reichlich künden - insbesondere des "Turms" und der "Danskeborg" -, wurde entsprechend der jeweiligen Auffassung gemutmaßt: einerseits am Ostufer des Alten Stroms, andererseits weiter östlich an einem "Alten Tief". Die beiden grundverschiedenen Interpretationen der zahlreichen schriftlichen Quellen haben aber eine Gemeinsamkeit: Ihnen fehlt ein archäologischer Nachweis, ein eindeutiger Beweis in Form von Bodenfunden. Das führte den Verfasser zu der Überlegung, erneut die Veröffentlichungen zu prüfen und den Plan von Kuno Voß (1928) mit dem "Alten Tief" und der von ihm vermuteten (mit einem Fragezeichen versehenen) Lage der "Danskeborg" mit heutigen Möglichkeiten abzugleichen, konkret: mit Satellitenfotos. Es war nicht einfach, weil inzwischen erhebliche bauliche und landschaftliche Veränderungen erfolgt sind. Aber viele der mit dem Verlauf des "Alten Tiefs" verbundenen Angaben ließen sich doch noch bemerkenswert genau mit dem auf gleichen Maßstab gebrachten Satellitenfoto überlagern - jedenfalls die restlichen, bis heute kaum veränderten Flächen.

An der von Kuno Voß vermuteten Lage der "Danskeborg" grub Ludolf Fiesel 1936 erfolglos, und dieses Ergebnis führte ihn selbstsicher zu folgendem Fazit: "Damit entfallen die Annahmen, dass in der geschichtlichen Zeit mehrere Mündungsarme, auf denen Schiffe verkehren konnten, bestanden haben. So führen Quellenkritik und Spatenforschung in gleicher Weise darauf hin, dass der älteste Seehafen der Rostocker in Warnemünde von Anfang an am heutigen Alten Strom gelegen hat."

Diese Interpretation von Ludolf Fiesel ist nun widerlegt, denn Kuno Voß hat die Lage der "Danskeborg" doch richtig vermutet, wie jüngst nachgewiesen werden konnte. Auch Fiesel wäre zu ganz anderen Erkenntnissen gelangt, hätte er nur 140 Meter ostnordöstlich der von Voß angegebenen Lage der Burg gegraben oder sondiert, denn dort stand der "Turm" auf einer einst wohl vollständig von Wasser umgebenen Fläche.

Kuno Voß hätte in dem Falle die Gewissheit gehabt, mit seiner Quelleninterpretation den "Turm" und die "Danskeborg" am "Alten Tief" (fast) richtig lokalisiert zu haben - die alte Rostocker Durchfahrt und Bauwerke, die dort sicher an keinem bedeutungslosen Rinnsal errichtet wurden. Die kreisförmigen Reste des Turms mit einem beachtlichen Durchmesser von zwölf Metern sind inzwischen gut erkennbar - dank militärischer Bautätigkeit.

Nun sollten weitere Aufgaben als Pflicht angesehen werden: für Historiker die Aufarbeitung der neuen Lesart schriftlicher Quellen und für Archäologen die Beantwortung spannender Fragen zu den Bodenfunden um den "Turm" und die "Danskeborg".

Während der Kämpfe um den Besitz des Warnow-Mündungsgebietes zwischen dem von deutschen Fürsten unterstützten Dänenkönig Erich und den Rostockern errichteten Letztere 1312 auf der Ostseite des "Tiefs" - einer Warnowmündung - einen Turm aus Steinen der im Bau befindlichen St.-Petri-Kirche und der zerstörten Warnemünder Kirche. Der Turm fiel noch im selben Jahr nach elfwöchiger Belagerung und verlustreichen Kämpfen an die königlich-dänischen und fürstlich-deutschen Eroberer, die diese Feste zur "Danskeborg" ausbauten, zu einer "großartigen Wasserburg". Sie umgaben den Turm mit vier starken Türmen, die unter sich mit Wall, Graben und Mauern verbunden waren.

1322 verzichtete der Landesfürst aufgrund hoher Schulden zugunsten der Stadt Rostock auf dieses Bauwerk und erteilte die - von den Rostockern gut bezahlte - Erlaubnis zum Abbruch der "Danskeborg", der sofort erfolgte. 1323 wurde aus gleichem Grund das Dorf Warnemünde an Rostock verkauft, und damit war für die Hansestadt diese wichtige Zufahrt mit Hafenlage gesichert. Das nun unbedeutende "Alte Tief" wurde 1487 mit Steinen des dortigen Leuchtturms gesperrt und verfiel.

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