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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 01:15 Uhr

Sanierung treibt Mieten in die Höhe

vom

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2012 | 06:37 Uhr

Rostock | Einen Wandel auf dem Wohnungsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern verkündete kürzlich Wirtschafts- und Bauminister Harry Glawe (CDU). "95 Prozent der Wohnungen sind in den letzten Jahren teil- oder komplett erneuert worden", so Glawe. Deshalb gelte es nun, nach Abschluss der großen Sanierungswelle, vermehrt alters- und familiengerechten Wohnraum in den Städten zu schaffen.

Ein ähnlich positives Fazit wie das im Land zieht Christian Rudolph für den Sanierungsstand auf dem Rostocker Wohnungsmarkt. "Der ist zwar unbestreitbar erfreulich hoch", bilanziert der Geschäftsführer des Rostocker Mietervereins, "unschöne Nebenerscheinung ist aber das dadurch erhöhte Mietniveau in der Hansestadt." Die meisten hochwertig sanierten Wohnungen würden mittlerweile zu einem Preis vermietet, der die Schmerzgrenze der betroffenen Mieter erreicht. "Andererseits möchte ich mir auch nicht ausmalen, wie es hier aussehen würde, wenn alles noch grau und unsaniert wäre", sagt Rudolph und beschreibt damit das Dilemma.

Der Rostocker Mieterverein beantwortet mehrere tausend Anfragen pro Jahr. Die meisten davon betreffen die Problematik der Betriebskosten. In den 1990er-Jahren, als die Sanierung von Immobilien boomte, sah das noch anders aus. Damals hätte es auch schwarze Schafe unter den Eigentümern gegeben, die versuchten, Kosten dieser Baumaßnahmen auf die Mieter umzulegen. "Die Sanierung wurde ja zu der Zeit erheblich vom Land gefördert", blickt Rudolph zurück. So mancher Eigentümer hätte auf die Unkenntnis der Mieter spekuliert und versucht, den Teil der Kosten für notwendige Instandhaltung als Modernisierung auf die Miete umzulegen. Denn im Unterschied zur Instandhaltung, die unter anderem Schäden an der Bausubstanz - zum Beispiel an der Fassade - oder undichte Fenster betrifft und vom Eigentümer bezahlt werden muss, ist es möglich, Kosten für Modernisierungsmaßnahmen anteilig auf die Mieter zu übertragen. Darunter zählen laut des Experten "Maßnahmen, die zur Einsparung von Energie- oder Wasserverbrauch, zu einem höheren Sicherheits- oder einem erhöhten Umweltstandard führen". Eine solche Unterscheidung würde Mietern schwerfallen. Das weiß der Geschäftsführer des Mietervereins aus langjähriger Erfahrung.

Mittlerweile sei in der Hansestadt aber großflächig eine sehr gute Mietsubstanz vorhanden. "Das kann man zum Beispiel an der Sanierung der Gebäude in Lütten Klein vorbildlich beobachten", sagt Christian Rudolph.

Problembezirke in puncto Wohnraumsanierung sieht er nicht. "Größtenteils ist ein gewisses Mindestmaß erreicht, es sind nur noch einzelne Gebäude oder kleinere Wohneinheiten, die nicht wenigstens wärmeregulierende Fenster oder eine neue Heizung haben", zieht er Bilanz. Denn eine Sanierung kommt ja nicht nur der Umwelt, sondern vor allem dem Wohlbefinden der Mieter zugute. Und gerade in den Wintermonaten sei das Leben in einer unsanierten Wohnung untragbar. "Was nützt eine niedrige Nettokaltmiete, wenn die Heizkosten, die ich als Mieter nicht beeinflussen kann, dann in ungeahnte Höhen steigen und im Geldbeutel richtig wehtun", sagt der Experte zur Veranschaulichung.

Was unsanierten und vermeintlich günstigen Wohnraum für sozial schlechter gestellte Mieter betrifft, hätten die Vertreter des Mieterbundes schon frühzeitig vor einer "Ghettoisierung" auf dem Wohnungsmarkt gewarnt. So kommt es, dass es keine "Sammelstelle für Sozialwohnungen" im Stadtgebiet oder bei einem Wohnungsanbieter geben würde, sondern eine gute Verteilung der Mieter aller sozialer Schichten im Stadtgebiet. "Das ist auch dank des Bauamtes so", sagt Geschäftsführer Rudolph lobend. Dort würde man sich um eine gute praktische Anwendung des so genannten Belegungsbindungsgesetzes des Landes kümmern und mit den Wohnberechtigungsscheinen für eine gute Durchmischung sorgen. Deshalb begrüßt es Christian Rudolph auch, dass die Wohnungen in der Hansestadt zum größten Teil in kommunaler Hand bleiben und nicht verkauft werden. Denn auf das Vorgehen privater Investoren gebe es kaum Einfluss, was sich zu einem Nachteil für die Mieter entwickeln könnte.

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