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Zahl der Wildunfälle steigt landesweit : Salz bringt das Wild in Todesgefahr

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Seit im Land Frost und Schnee herrschen, häufen sich die Wildunfälle. Das Wild sucht nach Futter und Straßen sind oft Futterquellen: Reh- und Damwild liebt Salz, und das gibt es auf den Straßen im Überfluss.

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erstellt am 15.Feb.2012 | 07:11 Uhr

Schwerin | Seit im Land Frost und Schnee herrschen, häufen sich die Wildunfälle. Vor allem morgens und abends in der Dämmerung kollidieren immer wieder Autos mit Rehen, Wildschweinen, Füchsen und sogar Dachsen, wie die Polizeidienststellen in Mecklenburg-Vorpommern berichten. "Das Wild sucht nach Futter", sagt Rainer Pirzkall, Mitarbeiter in der Geschäftsstelle des Landesjagdverbandes in Damm bei Parchim. Und ausgerechnet Straßen sind oft Futterquellen: Reh- und Damwild liebt Salz, und das gibt es dank des Tausalzes auf den Straßen im Überfluss. "Das Gras schmeckt würziger. Deshalb äsen die Tiere auch im Sommer gerne an Straßenrändern", erklärt Pirzkall.

Pflanzenfresser wie Rehe, Hirsche, Rinder, Schafe und Pferde nehmen mit der Nahrung nur wenig Natrium auf. Kochsalz (Natriumchlorid) fördert aber die Eiweißverdauung der Tiere, dient ihrem Wohlbefinden und einer besseren körperlichen Entwicklung. Tierhalter und Jäger bieten daher den Tieren auf Weiden oder im Wald Salzlecksteine an. Der Straßenwinterdienst tut ein Übriges. Das Schwarzwild komme jetzt mit dem Rüssel nicht mehr in die gefrorene Erde, sagt Pirzkall. Es sucht nach Eicheln unter dem Laub und wird oft unter Eichen an Straßenrändern fündig. Füchse und aasfressende Vögel schauen an den Straßen gezielt nach überfahrenem Wild und werden dabei nicht selten selbst Verkehrsopfer. Bei Füchsen ist zudem die Paarungszeit vorbei, sie streifen weiträumig umher.

Im Unterschied zum vergangenen Winter ist das Wild derzeit mobiler, weil nur wenig Schnee liegt. Bei hohem Schnee kommen die Tiere schlechter vorwärts. Polizeisprecher Klaus Wiechmann in Ludwigslust registriert jetzt täglich Wildunfälle, was sonst eher für die Brunftzeit im Herbst typisch sei. "Zwischen 5 und 8 Uhr kracht es am häufigsten, am meisten in Naturschutzgebieten", sagte er. Zu Wochenbeginn wurden der Polizei innerhalb von sieben Minuten drei Unfälle mit zwei Rehen und einem Wildschwein gemeldet. Übers Jahr gesehen ist jeder dritte Unfall (34 Prozent) im westlichen Mecklenburg ein Wildunfall.

An der Mecklenburgischen Seenplatte wollte am vergangenen Wochenende ein Lkw-Fahrer einem Hirsch ausweichen und steuerte seine Zugmaschine in den Graben. Der Sattelauflieger blieb quer auf der B 198 bei Stuer stehen. Der Schaden betrug 20 000 Euro. Laut Polizei gehen zum Glück fast alle Wildunfälle nur mit Sachschaden ab - zumindest für die Menschen.

Auch die Polizeiinspektion Wismar warnt vor Wild auf den Straßen auch außerhalb der Zonen mit dem Schild "Wildwechsel", wie Polizeisprecher André Falke bemerkt. Von einem Tag zum anderen seien zwölf Wildunfälle gezählt worden. Er bat die Kraftfahrer, besonders vorsichtig zu fahren. "Sollte es aber dennoch zu einem Wildunfall kommen, ist der Jagdpächter, Wildhüter oder die Polizei umgehend zu informieren. Von diesen Stellen erhalten Betroffene dann auch eine für die Schadensregulierung erforderliche Bescheinigung", sagt er.

Auch die Polizei selbst ist vor Kollisionen mit Wild nicht gefeit. Zwischen Grevesmühlen und Upahl in Nordwestmecklenburg lief ein Feldhase vor ein Polizeiauto auf die Straße. Der Fahrer bremste, konnte jedoch den Zusammenstoß nicht verhindern, hieß es. "Der Hase verstarb an der Unfallstelle." Am Polizeiwagen verursachte das Tier 500 Euro Schaden.

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