zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. Oktober 2017 | 11:47 Uhr

S-Bahnhof ist nun barrierefrei - fast

vom

svz.de von
erstellt am 06.Dez.2012 | 07:30 Uhr

Rostock | Rund 4000 Fahrgäste nutzen den S-Bahnhof Holbeinplatz täglich. Die Station bildet einen der wichtigsten Nahverkehrsknotenpunkte der Stadt und wurde im vergangenen Jahr umfassend modernisiert, um sicherer und komfortabler zu werden. Ein Fahrstuhl zum höher gelegenen S-Bahngleis, ein Blindenleitsystem und neue Wetterschutzhäuser wurden installiert. Zudem wurden das Dach und die Beleuchtung erneuert und eine Rampe zum Gehweg gebaut. 3,6 Millionen Euro flossen in das Projekt der Deutschen Bahn, Muttergesellschaft des S-Bahn-Betreibers DB Regio Nordost. Das Geld stammt größtenteils vom Bund, auch das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Bahn selbst steuerten etwas bei.

Ingo Mau, Leiter des Rostocker Bahnhofsmanagements, nahm den runderneuerten Bahnhof gestern symbolisch wieder in Betrieb. Im Beisein von Vertretern der Stadt und weiteren Verkehrsgesellschaften lobte er den Umbau als "ingenieurtechnische Meisterleistung" und bedankte sich "bei allen, die mitgeholfen haben, das Reisen mit der S-Bahn für die Rostocker zu erleichtern". Renardo Kropp, Marketingleiter bei DB Regio Nordost, nannte die Investition "ein Signal für den zukunftsgerichteten Ausbau des Nahverkehrs". Und auch Heiko Tiburtius, Leiter des städtischen Tiefbauamtes, freute sich über die Runderneuerung. Er hätte sich jedoch einen etwas größeren Aufzug gewünscht, merkte er kritisch an. Vor allem für die so genannten mobilitätseingeschränkten Fahrgäste würden die Umbauten eine spürbare Verbesserung bedeuten, waren sich alle einig. Ein Wermutstropfen blieb jedoch: "Wir hätten uns gewünscht, den Bahnsteig bereits auf ein Niveau von 55 Zentimetern bringen zu können", so Mau. Dies werde wohl jedoch frühestens 2014 geschehen.

Ihrem Unmut darüber machten einige Betroffene, vornehmlich Rollstuhlfahrer, vor dem Bahnhof demonstrativ Luft. Denn sie kommen künftig zwar selbstständig auf den S-Bahnsteig, aber nicht in den Zug. Schuld sind der für sie nicht überwindbare Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Zug sowie die dazwischen klaffende Lücke. Helge Blankenstein, einer der Initiatoren des Protests, kritisierte deutlich, dass die Anpassung des Bahnsteigs frühestens 2014 erfolgen wird. Bis dahin bleibe es für Rollstuhlfahrer ohne Begleitung quasi unmöglich, spontan eigenständig mit der S-Bahn zu fahren, sagte er. "Es gibt zwar einen Mobilitäts-Service, aber den muss man zwei Tage im Voraus benachrichtigen. Und dann ist es nicht mal sicher, dass auch jemand kommt", so Blankenstein.

Ingo Mau kann den Ärger nachvollziehen. Auch die Bahn sei unglücklich über die vorherrschende Situation, betonte er. Bauliche Hindernisse hätten die Arbeiten immer wieder verzögert. Zudem könne nur außerhalb der Saison gearbeitet werden. In einem Schreiben von DB Regio aus dem Jahr 2010 war ein Ende der Baumaßnahmen tatsächlich eigentlich bereits für den Dezember 2011 angekündigt - inklusive einer Anpassung der Bahnsteighöhe. Trotzdem seien die nun abgeschlossenen Arbeiten bereits eine deutliche Verbesserung hinsichtlich des Komforts und der Sicherheit, sagte Mau. Er räumte aber ein: "Wir sind mit diesem Bahnhof noch nicht ganz am Ende der Fahnenstange." Auch er wünsche sich, dass der letzte Bauschritt nun möglichst schnell folgen möge. Damit auch wirklich alle Fahrgäste künftig selbstbestimmt und sicher mit der S-Bahn reisen können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen