fischereihafen : Russen investieren in Rostocker Werk

Geschäftsführer, Vorstandsmitglied und Hauptinvestor: Lars Ulrich Kahl, Dr. Albrecht Bochow und Georgy Semenenko (v. l.)
Geschäftsführer, Vorstandsmitglied und Hauptinvestor: Lars Ulrich Kahl, Dr. Albrecht Bochow und Georgy Semenenko (v. l.)

Für 15 Millionen Euro entsteht die Deutsche Großwälzlager GmbH – eine Tochterfirma der St. Petersburger Kirov-Gruppe

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30. Juni 2015, 15:00 Uhr

Trotz der anhaltenden Spannungen zwischen der EU und Russland setzen Rostock und MV weiter auf russisches Kapital. Nur eine Woche nach der Reise von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ins Stammwerk der Kirov-Gruppe in St. Petersburg stattete Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Rudolph gestern dem neu gegründeten Kirov-Tochterunternehmen Deutsche Großwälzlager GmbH im Rostocker Fischereihafen einen Besuch ab.

„Wir rechnen damit, dass wir Ende September mit der Produktion starten können“, sagt Kirov-Chef Georgy Semenenko. Es gebe bereits Anfragen für Aufträge in Millionenhöhe. Das Unternehmen stellt mit zunächst 22 Mitarbeitern Großwälzlager mit bis zu 6,5 Metern Durchmesser für einen breit gefächerten Kundenkreis her. „Überall, wo schwere Lasten gedreht oder bewegt werden müssen, mischen wir mit“, sagt Geschäftsführer Lars Ulrich Kahl. Gerade erst habe es Anfragen für eine Jahrmarkt-Schiffsschaukel und eine große Drehbrücke in Dänemark gegeben. Potenzielle Kunden kommen aber auch aus den Bereichen Transport und Logistik, Offshore-Windenergie oder dem Maschinenbau. „Wir fertigen eine Komponente, kein Produkt“, so Kahl.

Derzeit wird die erste Fertigungshalle auf dem Gelände des ehemaligen Betonwerks in Marienehe gebaut, weitere sollen folgen, auch Mitarbeiter. Inklusive Maschinen und Know-how betrage die Gesamtinvestition 15 Millionen Euro, so Semenenko. Wegen des extrem gefallenen Rubelkurses sei das Vorhaben doppelt so teuer geworden wie geplant. Der starke Euro könne im Gegensatz zu den bisherigen EU-Sanktionen zum Problem für den Export auf den russischen Markt werden, so der 33-Jährige. Aber: Bei den großen Maschinen sei eine Reparatur in der Regel auch mit schwachem Rubel noch billiger als ein Neubau. Hauptabsatzmarkt werde dennoch Deutschland sein.

Ursprünglich hatte die Kirov-Gruppe Kiel als Werksstandort favorisiert. Dort jedoch „haben sie sich nicht für uns interessiert“, sagt Kirov-Vorstandsmitglied Albrecht Bochow. Ganz anders in MV, wo die Landesregierung sogar gegen den Widerstand auf Bundesebene an ihrem Russlandtag festgehalten habe. „Das war ein Zeichen: So eine Landesregierung wird etwas dafür tun, einen russischen Investor zu unterstützen“, sagt Bochow. Wirtschaftsstaatssekretär Rudolph fühlt sich im Kurs Mecklenburg-Vorpommerns bestätigt: „Wirtschaftspolitik kann helfen, eine Brücke in die Zeit zu bauen, in der es wieder Entspannung geben wird.“

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