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20. November 2017 | 22:24 Uhr

Ruine wird zur Studenten-Herberge

vom

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2012 | 09:40 Uhr

Stadtmitte | Ungewohntes Bild am Hornschen Hof: Arbeiter werfen massenweise alte Metallstangen aus den Fenstern in den Innenhof. Es sind die Reste des Zentrum-Warenhauses aus der DDR-Zeit. Nach Jahren des Verfalls hat sich mit Immobilienmakler Fred Muhsal ein Käufer für eines der bedeutendsten Denkmäler der Rostocker Stadtgeschichte gefunden. Der 49-Jährige hat sich auf die Sanierung historischer Gebäude spezialisiert, unter anderem Erfahrungen mit alten Giebelhäusern in Stralsund vorzuweisen.

Nun soll auch der Hornsche Hof wie ein Phoenix aus der Asche auferstehen. Die Vorarbeiten für die Sanierung laufen. Bis spätestens Anfang 2014 will Muhsal mit dem Umbau fertig sein. Dann sollen Studenten in rund 35 Wohnungen einziehen. Die Mehrzahl der Unterkünfte wird zwischen 35 und 55 Qudratmeter groß. Unter dem Dach sind zudem drei größere Wohnungen zwischen 100 und 150 Quadratmetern geplant. Besondere Herausforderung dabei sind die fünf Meter hohen Decken. Sie ermöglichen es aber auch, die Wohnungen in zwei Etagen aufzuteilen, mit dem Wohn- und Arbeitsbereich unten und dem Schlafzimmer oben.

"Hier wurde wirklich für das Gebäude gekämpft"

"Zuerst bin ich beim Anblick des Hornschen Hofs hinten übergefallen", sagt Muhsal. Doch die fertigen Pläne aus dem Jahr 2004, die bereits vorliegende Baugenehmigung sowie die große Unterstützung durch das Denkmalpflegeamt und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz haben ihn von der Investition im mehrstelligen Millionenbereich überzeugt. "Hier wurde wirklich für das Gebäude gekämpft", sagt er.

Michael Bräuer etwa, der Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Architekt des aktuellen Vorhabens, trug schon in den 80er-Jahren dazu bei, den Abriss des Hofes zu verhindern. Damals gab es verschiedene Pläne für das Areal, vom Bücherspeicher für die Universität bis zur Jugendherberge. "Da steckt Herzblut drin, für mich erfüllt sich jetzt ein 30 Jahre alter Wunsch", sagt Bräuer. Denn der Hornsche Hof sei das letzte wirklich bedeutende große Denkmal, das Rostock vorzuweisen habe. "Aus allen Phasen seit 1612 sind Bau- und Stadtgeschichte sichtbar", sagt Denkmalpflegerin Birgit Mannewitz.

Sie zeige sich überall in dem früheren Adelssitz und Lagerhaus - in den Stukkaturen, den Holzbalken, Treppen oder auch den Windenrädern, mit denen früher die Waren in die oberen Stockwerke gehievt wurden. "Das waren sehr prächtige Räumlichkeiten", sagt Mannewitz. Und die sollen möglichst wieder sichtbar gemacht werden. Die Stukkaturen beispielsweise werden mit Glas verkleidet und könnten später gemeinsam mit dem restlichen Gebäude beim Tag des Denkmals besichtigt werden.

"Noch sind ein paar Hürden zu nehmen", sagt Muhsal. Unter anderem müssten Brandschutz, Statik, Ansichten und Zugänglichkeit des Gebäudes geklärt werden. Viel Zeit will er sich angesichts des heruntergekommenen Zustands aber nicht mehr lassen. Denn mit jedem ungenutzten Tag verfällt der Hof weiter, was auch das Eindringen von Schädlingen wie dem Holzwurm erleichtert.

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