Die Wölfe kehren zurück : Rudel auf dem Sprung nach MV

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Deutschlandweit leben mittlerweile 50 bis 60 Wölfe in freier Wildbahn. Auch im Nordosten werden sie nach Ansicht von Experten schon bald Rudel bilden. dpa

Die Wölfe kehren zurück und sind nicht aufzuhalten: Das Land und der WWF stellt nun zwei Notfallausrüstungen zur Verfügung. Enthalten sind mehrere Kilometer Elektrozaun und Fotofallen.

svz.de von
19. Juli 2012, 08:45 Uhr

Nossentiner Heide | Als Schäferin Dorit Eckert vom Lämmerhof Starsow in Mirow Post vom Forstamt bekommt, glaubt sie, nicht recht zu lesen: Ihre zu hohen Kosten zum Schutz vor Wölfen angeschafften Herdenhunde habe sie künftig stationär und angeleint zu halten, schildert sie Umweltminister Till Backhaus (SPD) gestern den Inhalt. Herdenschutzhunde, die der davon wandernden Herde nur hinterherschauen können? Herdenschutzhunde, die das Ministerium den Haltern sogar empfiehlt und deren Ausbildung fördert? Backhaus selbst mag es kaum glauben und verspricht Prüfung.

Das scheint auch notwendig: Das Umweltministerium und die Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) rechnen damit, dass sich in absehbarer Zeit in Mecklenburg-Vorpommern Wolfsrudel bilden. Derzeit sind vier Rüden im Nordosten nachgewiesen, sagen Backhaus und Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF, im Naturparkamt Nossentiner/Schwinzer Heide, wo sie den Endbericht zur Kooperationsvereinbarung "Herdenschutz vor Wölfen" vorstellen. Demnach wurden seit 2007 im Land 14 Übergriffe auf Nutztiere, die durch Wölfe verursacht wurden oder für die der Wolf als Verursacher nicht auszuschließen ist, gezählt. Dabei wurden 86 Nutztiere getötet und 28 verletzt. Bis jetzt habe das Land 25 000 Euro an Kompensation an die betroffenen Nutztierhalter gezahlt.

Der WWF stellt nun zwei Notfallausrüstungen im Wert von 20 000 Euro zur Verfügung. Darin enthalten sind mehrere Kilometer Elektrozaun und Fotofallen, die Tierhalter in Anspruch nehmen können, wenn ihre Herde Opfer eines Wolfsangriffes geworden ist. Gelagert werden die Ausrüstungen im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide und im Müritz-Nationalpark. "Es handelt sich um eine Ausrüstung, um über die Nacht zu kommen. Dann müssen die Halter eigene Schutzmaßnahmen schaffen", stellt Backhaus klar. Hintergrund: Wölfe kehren oft an den Ort zurück, an dem sie Beute gemacht haben. Künftig soll es zudem Schulungen von Tierhaltern zum Herdenschutz mit Hunden sowie Seminare zum Einsatz der Weidetechnik geben. Auch eine 75-prozentige Förderung von zusätzlichen Schutzanlagen ist möglich.

Der Minister lässt keinen Zweifel: "Die deutschlandweit 50 bis 60 Wölfe zählende Population zu halten und auszubauen, ist das Ziel. Entscheidend ist aber auch, wie wir damit umsichtig in der Bevölkerung umgehen." Skeptisch bleibt indes der Landes-Schafzuchtverband: Es sei kein Schäfer gewesen, der den Satz gesagt habe: "Willkommen, Wolf", so Verbandsvorsitzender Jürgen Lückhoff. "Aus unserer Sicht handelt es sich eher um ein Problem." Dennoch halte man das Notfallpaket für sinnvoll und setze auf Zusammenarbeit mit Land und WWF.

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