Nahverkehr : RSAG kappt Südstadt-Lebensader

Das neue Verkehskonzept der RSAG stößt vielen Bürgern sauer auf.
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Das neue Verkehskonzept der RSAG stößt vielen Bürgern sauer auf.

Elke Weihs und viele weitere Rostocker sind unzufrieden mit dem Verkehrskonzept Mobil 2016 und dem Wegfall der bisherigen Linie 2

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13. Januar 2016, 08:00 Uhr

Arzttermine, Physiotherapie, die wöchentlichen Treffen der Handarbeitsgruppe, Fußpflege und der Friseurbesuch – all diese notwendigen Termine sind für Elke Weihs jetzt umständlicher als noch vor ein paar Wochen. Konnte sie bisher problemlos mit der Straßenbahnlinie 2 direkt von der Majakowskistraße zum Schröderplatz fahren, geht das seit 4. Januar nicht mehr. An diesem Tag trat mit Mobil 2016 das neue Verkehrskonzept der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) in Kraft. „Und für mich und ganz viele andere Menschen, vor allem ältere, bedeutet das einen Verlust an Lebensqualität“, sagt Weihs.

Zusätzliche Verbindungen, mehr Fahrten, neue Mobilität – „kein einziges dieser Werbeversprechen zum neuen Verbundfahrplan trifft für die Hunderten Nutzer zwischen Südblick und Schröderplatz zu“, so die 77-Jährige. Der Wegfall der alten Linie 2 trifft aber nicht nur die ältere Bevölkerung oder behinderte Menschen. „Meine Tochter muss seit diesem Jahr zweimal umsteigen, um von der Schule in der Südstadt nach Gehlsdorf zu kommen. Bei minus zehn Grad ist das nicht witzig, die Wegezeit verlängerte sich damit ebenfalls von 60 auf 75 Minuten“, schreibt eine wütende Leserin auf der NNN-Facebookseite.

Dass es besonders bei vielen Stammnutzern des Nahverkehrs zu Unmut kommen würde, war der RSAG bewusst. Zwei Jahre lang habe das Unternehmen die Verkehrsströme der Hansestadt analysiert und Maßnahmen erarbeitet, den Nahverkehr attraktiver zu machen. „Das klappt natürlich nicht für alle Nutzer“, sagt RSAG-Sprecherin Beate Lagner. Bisher habe es 120 Hinweise der Kunden gegeben. Die Gewöhnung der Fahrgäste an einen so umfänglich geänderten Plan brauche Zeit. Änderungen, die die Bewohner des einen Stadtteils freuen, würden anderswo nicht begrüßt. Der RSAG sei es mit Mobil 2016 aber um das große Ganze gegangen.

Nach zwölf Jahren wären Aktualisierungen des Nahverkehrs notwendig gewesen, weil sich die Stadtviertel gewandelt hätten. In der Südstadt wurde beim neuen Konzept die Taktung der Verbindung in Richtung Mensa und Südblick ausgebaut. „Neben dichter Wohnbebauung befinden sich mit dem Klinikum und der Universität an dieser Stelle wichtige Aufkommensschwerpunkte mit mehreren Tausend Arbeitsplätzen und Besuchern am Tag“, heißt es vonseiten der RSAG. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Strecke zur Mensa hätte man sich für die nun gültige Schwerpunktsetzung im Nahverkehr der Südstadt entschieden. Die bisherige Linie 2 sei nach Auskunft des Unternehmens in der Vergangenheit schwach nachgefragt worden, – eine Aussage, die Elke Weihs aus ihrer Erfahrung nicht nachvollziehen kann. Die 77-Jährige ist froh, dass zumindest ihr Handarbeitszirkel gerade Winterpause hat. So muss sie nicht bei der aktuellen Witterungslage die neuen Alternativstrecken ausprobieren, die der Fahrplanwechsel ihr gebracht hat.

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