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Norddeutsche Neueste Nachrichten

13. Dezember 2017 | 16:20 Uhr

Beratung : Rotlicht: Rostock will Frauen helfen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Ab Juli sollen Prostituierte einen Ansprechpartner bekommen. Von ihren Zuhältern werden sie gnadenlos ausgenutzt.

von
erstellt am 13.Jun.2014 | 06:00 Uhr

„Wenn wir unterwegs sind, tun sich jedes Mal Abgründe auf“, sagt Ines Brembach. Die Sozialarbeiterin von der städtischen Beratungsstelle für sexuell übertragbare Krankheiten und Aids bietet einmal im Monat eine Sprechstunde im Eros-Center in Bramow an. Einmal im Vierteljahr sucht sie zudem Wohnungen auf, in denen Prostituierte tätig sind. „Ich bin noch keiner begegnet, die das freiwillig macht“, sagt sie. Um den betroffenen Frauen Hilfe zu bieten, will die Hansestadt ab Juli eine feste Anlaufstelle einrichten. Betreiben soll sie der Verein Frauen helfen Frauen.

„Prostitution findet überall in der Stadt statt“, sagt Brembach. In jedem Viertel gebe es so genannte Modelwohnungen, in denen das Geschäft mit der Lust betrieben werde – zusätzlich zu Bordell und diversen Bars. Insgesamt seien es 50 Wohnungen, die meist einschlägig bekannten Personen gehören, so die Sozialarbeiterin. Gewerbsmäßig organisiert wird das Geschäft von verschiedenen Gruppierungen wie den Hells Angels, aber auch Bulgaren oder Ungarn. Sie betreiben eigene Immobilienbüros und kassieren von den Frauen 60 bis 100 Euro Miete am Tag für die Modelwohnung.

Häufig sind sie auch als deren Steuerberater tätig. So halten sie die Frauen abhängig, die oft aus anderen EU-Staaten stammen und kein Deutsch sprechen. Darüber hinaus haben die Zuhälter eine weitere Vorsichtsmaßnahme ergriffen, um zu verhindern, dass eine der Frauen den Absprung schafft: ständige Ortswechsel. „Zum Beispiel eine gebürtige Litauerin ist zehn Tage in Danzig, dann geht es weiter nach Rostock, nach Hamburg, Antwerpen, Südeuropa und wieder zurück“, sagt Markus Schwarz, Chef des Gesundheitsamts.

Häufig seien die zum Teil sogar minderjährigen Frauen nur ein bis zwei Wochen in einer Stadt und wüssten gar nicht, wo sie sich gerade befinden. Das erschwere die soziale und gesundheitliche Beratung zusätzlich. „Wir hatten mehrfach Schwangere, die nicht wussten wo rechts und links ist“, sagt Schwarz. Krankenversichert seien sie meist auch nicht.

Bislang gibt es in ganz MV nur eine Beratungsstelle, die in Schwerin angesiedelt ist. „Es ist schockierend, wie das Land das Thema Prostitution sieht – es sagt, sie findet nicht statt“, so Rostocks Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Thielk. Beim ersten Fachtag Prostitution in MV im April sei deutlich geworden, dass die Regierung das Thema nur als gesundheitliches Problem betrachte: Statt auch Justiz- und Innenministerium einzubeziehen, sei ausschließlich das Sozialministerium zuständig.

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