Energie : Rostocks Wärme der Zukunft

In der Gas- und Dampfturbinenanlage der Stadtwerke werden Strom und Wärme mit modernster Technologie produziert. Die Anlage mit ihren Turbinen wurde in den vergangenen Jahren für 40 Millionen Euro saniert.
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In der Gas- und Dampfturbinenanlage der Stadtwerke werden Strom und Wärme mit modernster Technologie produziert. Die Anlage mit ihren Turbinen wurde in den vergangenen Jahren für 40 Millionen Euro saniert.

Agenda 21-Rat will nachhaltige Lösungen. Stadtwerke planen gigantischen Wärmespeicher und erwägen Geothermie. Konkurrenz mit Wiro

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19. Oktober 2017, 12:00 Uhr

Wie nachhaltig ist die Wärmeversorgung der Hansestadt? Seinem Konstitutionszweck folgend – Rostock in Fragen der Nachhaltigkeit zu beraten – hat sich der Agenda-21-Rat das Thema gestern auf den Tisch gezogen. Ganz praktisch geht es ihm um die junge Konkurrenzsituation auf dem Rostocker Markt, wie zielführend sie ist, aber auch um den Fahrplan zur Umstellung der Wärmeversorgung. „Wir müssen wissen, was in x Jahren wirklich möglich ist“, so Sprecher Prof. Wolfgang Nieke.

65 Prozent der Rostocker beziehen Fernwärme, erklärtes Ziel der städtischen Satzung sind 90. Der aktuell schon hohe Anteil wird als gute Ausgangslage für eine in absehbarer Zeit beginnende regenerativ erzeugte Fernwärme gesehen. Die Stadtwerke Rostock AG hat jüngst ihre 40  Millionen Euro schwere Sanierung der Gas- und Dampfturbinenanlage abgeschlossen. „Das ist die effizienteste Turbine, das können wir gerne glauben“, so Nieke. Aber das russische Erdgas, das dort verbrannt würde, um Strom und Fernwärme zu erzeugen, sei ein endliches Produkt.

Auf Nachhaltigkeitskurs: Ute Römer vom Vorstand der Stadtwerke Rostock AG
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Auf Nachhaltigkeitskurs: Ute Römer vom Vorstand der Stadtwerke Rostock AG
 

„Das vollständige Lösen vom Erdgas wird meine Amtsdauer überschreiten“, sagt Stadtwerke-Vorstand Ute Römer. Allerdings brauchen die Turbinen weniger Gas als bisher, um Rostock mit Strom und Fernwärme zu versorgen und stoßen 90 Prozent weniger Kohlenstoffdioxid aus. Ein innovatives Folgeprojekt ist in Planung: Ein 34-mal-60-Meter-Wärmespeicher mit dem Ziel, „die gesamte Hansestadt 48 Stunden versorgen zu können“, so Römer. In der Power-to-Heat-Anlage soll mit überschüssigem Windstrom warmes Wasser erzeugt werden.

Weiterhin eine Möglichkeit für mehr Nachhaltigkeit: „Geothermie zu nutzen“, sagt Römer, „wir sind im Gespräch mit dem Bergamt Stralsund“. Rostock sei aber ein weißer Fleck bei der Frage, wo es Wasservorkommen mit entsprechender Temperatur gebe. Weiterhin gibt es Stadtwerke-Projekte zur Elektromobilität (14 Ladepunkte), Solaranlagen und Windkraftnutzung zur Gaserzeugung. „Das hört sich erstmal gut an“, so Nieke. „Aber man muss mit unvorhersehbaren Schwierigkeiten rechnen.“

Eine solche war für die Stadtwerke zweifelsohne der neue Mitbewerber: Die Wiro gründete die WIR Wärme in Rostocker Wohnanlagen GmbH, die perspektivisch für 6700 Mieteinheiten Wärme und Warmwasser erzeugen will. Am Thomas-Müntzer-Platz gab es bereits Probleme. Die Wiro nutzte von den Stadtwerken gelegte Fernwärmeleitungen nicht. „Ich wünsche mir, dass man sorgfältig darauf achtet, dass nicht städtische Unternehmen miteinander Wettbewerb machen“, sagte Ratsmitglied Anke Knitter. Sie glaube nicht, dass das langfristig Nutzen bringe. Dazu gab es auch Gegenstimmen bei der jüngsten Sitzung. Vertiefend soll nun aber geklärt werden, ob der Rat nicht die Stadtverwaltung beauftragt, den Zwist zu klären.

Kommentar von Nicole Pätzold-Glaß: Das dauert
Nichts geht von heute auf morgen, vor allem nicht, wenn es nachhaltig sein soll. Die Stadtwerke haben gleich mehrere Eisen im Feuer für eine Umstellung der Energieversorgung. Die parallelen Bestrebungen der Wiro sind dann problematisch, wenn es nicht mehr um gesunden Wettbewerb geht, bei dem sich jede Seite optimiert, sondern sie sich gegenseitig behindern. Was überwiegt, wird sich zeigen.
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