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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. August 2017 | 19:22 Uhr

Rostocks Rattenfänger im Einsatz

vom

Rostock | Ein Streifen der Plastikverpackung ist alles, was die Ratten vom todbringenden Köder übrig gelassen haben. "Zwei, drei Besuche hat’s gedauert hier, das hat sich echt gelohnt", sagt Schädlingsbekämpfer Steffen Röver. Er ist im Auftrag eines Rostocker Wohnungsunternehmens unterwegs und hat sein Gift im Beet rings um mehrere abgezäunte Müllcontainer ausgelegt, in abschließbaren Boxen. So können weder Haustiere noch Kinder es versehentlich schlucken.

Und auch die Ratten sind vorsichtig, sagt er: "Es stimmt, dass sie Vorkoster haben." Stirbt ein Nager und können seine Artgenossen dies seinem Futter zuordnen, meiden sie es, davon zu fressen. "Sie probieren kleinste Mengen, um es zu testen und erst nach ein paar Tagen frisst der ganze Stamm", so der 34-Jährige.

Tiere verbluten innerlich

Deswegen nutzt er so genannte Cumarinderivate, die von den Tieren mehrfach gefressen werden müssen. Erst dann verbluten sie innerlich - eine Methode, bei der die Tiere nach heutigem Wissensstand keinen Schmerz empfinden, sondern nur müde werden und in ihrem Bau einschlafen. "Am letzten Tag torkeln sie oft wie besoffen über den Hof", sagt Röver.

Ein so rücksichtsvolles Vorgehen sei früher nicht immer der Fall gewesen. Da hätten einige Schädlingsbekämpfer ihre eigene Spezialmischung angerührt, bei der sie beispielsweise Gips unter das Futter mischten. "Die Tiere sind ganz fürchterlich verendet", sagt der Experte. Das sei heute nicht mehr so, zumindest bei professionellen Kammerjägern. Denn alle Wirbeltiere stehen unter Schutz und dürfen keinen überflüssigen Schmerzen ausgesetzt werden.

Unter anderem deswegen rät Röver Betroffenen dringend davon ab, selbst Gift auszulegen. Die Dosis könnte entweder zu stark sein und bei fehlender Sicherung Katzen, Hunden und selbst Kindern zum Verhängnis werden. Oder sie ist zu schwach. Dann besteht die Gefahr, dass die Ratten sich gegen das Gift immunisieren. "Wenn zu viele Leute selber rumdoktern, kriegen wir richtige Probleme mit Resistenzen, das können wir absolut nicht gebrauchen", sagt Röver. Neben Ratten und anderen Nagern bekommt der Schädlingsbekämpfer es im Winter vor allem mit Mardern zu tun. Denn auch sie sind auf der Suche nach Schutz vor Schnee und Eis und nisten sich gerne unter den Dächern ein. Lärm und stinkende Exkremente machen dann den Hausbewohnern zu schaffen. "Marder dürfen wir nicht töten, nur vertreiben", sagt Röver. Ultraschall-Abwehrfallen aus dem Baumarkt würden die Tiere aber kalt lassen. Er setzt stattdessen Stoffe ein, die dem Marder in Nase und Schleimhäuten brennen. Allerdings ist die Wirkung begrenzt, meist kehren die Plagegeister nach etwa einem halben Jahr zurück. Irgendeine Lücke finden sie eigentlich immer, um in den Dachboden zu gelangen, sagt Röver: "Die sind unheimlich einfallsreich." Oft sei das Problem erst durch eine komplette Dachsanierung zu lösen.

Doch auch am Boden ärgern die Marder Rövers Kunden, durch angebissene Autokabel. Ursache dafür sind laut dem Schädlingsbekämpfer unter anderem Revierkämpfe. Die Autos würden von ihren Besitzern in jeweils andere Marder-Territorien gefahren, wo diese von den fremden Tieren dann markiert werden. Der heimische Marder wird durch den Konkurrenz-Geruch wild, will sein Revier abgrenzen und beißt zu - vor Kurzem bei gleich 30 Bundeswehrautos. "Selbst vor dem Wagen des Admirals hat der Marder nicht Halt gemacht", sagt Röver.

Insektennester sorgen für Sommer-Stress

Stress bekommt der Experte ab und an im Sommer, wenn Wespen, Ameisen oder andere Insekten aktiv werden. "Dann sind’s teilweise mehr als 20 Nester pro Tag", sagt Röver. Außerdem hat er eine 24-Stunden-Rufbereitschaft. Im vergangenen Sommer beispielsweise hatten Wespen sich im Schaltmodul einer Molli-Bahnschranke breitgemacht und nachts um 1 Uhr dafür gesorgt, dass diese ohne Pause auf und zu ging. Selbst eine Schlange im Möbelhaus hat Röver schon eingefangen.

Private Auftraggeber machen nur noch etwa 20 Prozent seiner Kundschaft aus. Die übrigen 80 Prozent füllen beispielsweise Betriebe aus dem Hotelgewerbe oder aus der Gesundheitswirtschaft. Der Schädlingsbekämpfer berät sie in Fragen der Hygiene. "Auf 50 000 Kilometer im Jahr komme ich spielend", sagt Röver. Seine Servicevertragskunden reichen bis Schleswig-Holstein.

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erstellt am 29.Dez.2011 | 08:01 Uhr

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