Bahnhofsviertel : Rostocks Nachbarn rücken zusammen

Die Nachbarschaft stärken will Bijahn Zendeh.
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Die Nachbarschaft stärken will Bijahn Zendeh.

Bijahn Zendeh lädt Bahnhofsviertel zu realen und virtuellen Treffen ein. Nachahmer in anderen Stadtteilen.

svz.de von
02. August 2016, 21:00 Uhr

Wenn fürs Backen Eier fehlen, im Urlaub Blumen gegossen werden müssen oder der geplante Babysitter plötzlich absagt – es gibt viele Situationen, in denen eine gute Nachbarschaft Gold wert ist. Doch gerade in Städten herrscht zunehmende Anonymität und im Hausflur oder auf der Straße wird höchstens kurz als Gruß genickt.

Das will Bijahn Zendeh jetzt ändern und „der Entfremdung bewusst gegensteuern“, wie er sagt. Der 54-Jährige hat zusammen mit Ehefrau und Schwägerin ein bestehendes Internetportal genutzt, um die Menschen im Bahnhofsviertel, in dem er selbst wohnt, zusammenzubringen. „Wir hatten verschiedenste Ideen, wie wir vorgehen wollten – vom Ansprechen der Menschen auf der Straße bis zur Postkartenaktion und Aushängen im Supermarkt“, so Zendeh. Eine bestehende Seite wie www.nebenan.de zu nutzen hätte sich aber als die beste Variante herausgestellt. „Dort kann sich jeder zu der Zeit anmelden, in der es passt“, sagt der engagierte Rostocker, der in Bad Doberan als Chefarzt am Klinikum arbeitet. Mithilfe der Betreiber der Internetseite hätte er ein Anschreiben erstellt und in die Briefkästen aller Bewohner vom erweiterten Bahnhofsviertel verteilt. Die Resonanz war überraschend – binnen weniger Tage registrierten sich rund 140 Anwohner, es gab ein erstes persönliches Kennenlernen bei einem Mini-Straßenfest. Außerdem wechselten antike Möbelstücke den Besitzer, Hundehalter verabreden sich zu gemeinsamen Gassi-Gängen, Handwerker bieten ihre Hilfe an und es gibt die Idee, ein kleines Häuschen als Verteilplatz für Bücher nach dem Vorbild der Bücherbüxe im Kurpark Warnemünde zu errichten.

Vom generationsübergreifenden und schnell wachsenden Engagement seiner Nachbarn ist Bijahn Zendeh begeistert. Er kann sich innerhalb der neuen Gemeinschaft noch viele Dinge vorstellen – nicht nur, aber natürlich auch Straßenfeste. „Außerdem sind solche direkten Kontakte in der Nachbarschaft gut, wenn man sich zum Beispiel dafür einsetzen will, dass eine Straße zur Tempo-30-Zone wird. In der Blücherstraße hatten wir das bereits einmal probiert, aber aus eigener Kraft nicht alle erreichen können“, sagt Zendeh.

Nach dem Erfolg im Bahnhofsviertel haben sich auch in anderen Stadtteilen der Hansestadt Bewohner aufgemacht, ihre Nachbarn kennenzulernen. So wurden auch in Stadtmitte und der Kröpeliner-Tor-Vorstadt Initiativen auf der Webseite gestartet.

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