Rostocks Marilyn - ein Balanceakt

Die Ekstasen der Monroe: Die Oper dreht sich um ihr Verhältnis zu John F. Kennedy.
Die Ekstasen der Monroe: Die Oper dreht sich um ihr Verhältnis zu John F. Kennedy.

svz.de von
29. Januar 2013, 09:38 Uhr

Rostock | Das Volkstheater kann sich eine besondere Leistung zugute halten: die Uraufführung einer neuen Oper. Zwar nicht ein Werk einheimischer Autoren, sondern eine Arbeit des britischen Komponisten Krišs Russman und seiner Librettistin Sallyann Kleibel. Doch immerhin: Eine Uraufführung ist stets ein Wagnis. Das Volkstheater ging es ein und bekam nach der Aufführung am Sonntagabend im Großen Haus von den Zuhörern begeisterten Applaus dafür.

Die Oper "Happy Birthday, Mr. President" dreht sich um das Verhältnis zwischen Marilyn Monroe und John F. Kennedy während und nach dessen Wahl zum amerikanischen Präsidenten. Was gibt uns ein solcher Stoff? Dass der Ausgang von Wahlen an mafiosen Kungeleien hängt, wissen wir nicht erst seit der Wende. Zwar galt uns Kennedy im DDR-Verständnis als Opfer eines Attentats, und nun kriegen wir es mit seinem ausschweifenden Liebesleben zu tun, was aber nicht besonders weiterbildet. Und von den Ekstasen der Monroe wussten wir ohnehin. In eine wirkliche Seelentiefe der Figuren, die berühren könnte, taucht das Stück nicht. Auch wartet es nicht mit spannenden politischen Zuspitzungen oder überraschenden Wendungen auf. Das ziemlich knöchern wirkende Libretto liefert lediglich Berichte und Postulate, die ineinandergreifend abgespult werden.

Die Musik hingegen ist ein schöner, unterhaltsamer Trip durch amerikanischen Film- und Musicalstil. Sie will auch gar nicht mehr sein als dies. Man wird von ihr angenehm unterhalten. Stets hört man ihr an, was auf der Bühne gemeint ist. Doch die Darstellung der Musik unter dem Dirigat des Intendanten Peter Leonard macht einen eklatanten Zwiespalt deutlich zwischen dem Anspruch europäischer Oper und dem Stil amerikanischer Unterhaltung. Der puccinihafte Operngesang passt einfach nicht zu dem Songcharakter, in dem sich Melodik und musikalische Form meist bewegen. Es entsteht nach beiden Richtungen hin etwas Unwahres, Aufgesetztes daraus. Der Norddeutschen Philharmonie hört man wohl an, dass sie die Musik gern spielt, doch die für diese Musik nötige maschinengleiche Präzision erreicht sie nicht. Wir Mitteleuropäer haben das eben nicht im Blut. Schon gar nicht der Opernchor, einstudiert von Carsten Bowien, der stilistisch nicht so recht auf den Punkt kommt.

Die szenische Umsetzung unter der Regie des US-amerikanischen Gastregisseurs Albert Sherman ist unspannend. Die Sopranistin Laura Parfitt lässt er ein derart puppenhaftes Monroe-Klischee durchspielen, dass ihre Mimik und Gestik wie eine Karikatur der Film-Diva wirken. Seriös dagegen und mit genau gezeichnetem Charakter absolviert Jasmin Etezadzadeh ihre Auftritte als Jackie Kennedy. Garrie Davislim und James J. Kee spielen die Brüder John und Robert. Die Machtkonzentration und Skrupellosigkeit in ihren Figuren lässt sich an ihrer Darstellung kaum ablesen. Olaf Lemme ist gar mehr guter Onkel als perfider Mafioso. Stimmlich kollidierte das füllig-hochromantische Aussingen mit einer ganz anderen musikalischen Basis. Die bekam den einzigen Szenenapplaus des Abends.

Nächste Termine: 1. Februar 19.30 Uhr, 3. Februar 15 Uhr, 27. Februar 15 Uhr, 22. März 19.30 Uhr

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