Rostocks letztes Vogelfutter

<strong>Manuela Kopplin vom Futterhaus</strong> mit der letzten Reserve: Die Nahrung für Wildvögel wird knapp. <foto>Georg Scharnweber</foto>
Manuela Kopplin vom Futterhaus mit der letzten Reserve: Die Nahrung für Wildvögel wird knapp. Georg Scharnweber

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22. März 2013, 08:17 Uhr

Rostock | Den freilebenden Vögeln in der Hansestadt droht Gefahr. Grund ist ein akuter Mangel an Nahrung. In einigen Fachgeschäften ist das Futter für Wildvögel bereits ausverkauft, in anderen gehen die Vorräte rapide zur Neige. "Unter normalen Umständen wären unsere Regale voll", sagt Jana Rübe, Mitarbeiterin in der Tierhandlung Fressnapf in Evershagen. Doch jetzt sind sie leer. Der erneute Wintereinbruch hat vielen Händlern einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Die Leute rufen hier im Stundentakt an", so Rübe.

Auch Michael Thürke, Inhaber vom Futterhaus in Groß Klein und Brinckmansdorf, verzeichnet einen großen Ansturm auf Vogelfutter. Eine Lieferung von zwei Tonnen pro Laden hätten seine Kunden innerhalb von 24 Stunden aufgekauft, sagt er. Weitere Nachbestellungen scheinen aussichtslos zu sein, denn: "Die Industrie hat sich bereits auf den Frühling umgestellt. Der Großhändler kann nicht mehr liefern."

Experte rät: Hirsebrei selbst herstellen

Laut Monika Dürrer, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbands Nord, ist der Mangel an Vogelfutter derzeit ein flächendeckendes Phänomen. Lebensmittelhändler, die die Futtermischungen nur saisonal anbieten, hätten diese bereits aus dem Sortiment genommen. Jetzt verteile sich die Nachfrage auf diejenigen, die es immer anbieten. "Der Zoohandel kommt in Bedrängnis", so Dürrer. Wer die Möglichkeit habe, auf schnellem Weg Reste zu bekommen, versuche das vielleicht noch.

Für Vögel wie Amseln, Sperlinge, Meisen oder Rotkehlchen, die zu den regelmäßigen Besuchern am Futterhäuschen gehören, könnte der Engpass fatale Folgen haben. "Bei einer geschlossenen Schneedecke finden heimische Vögel kein Futter", sagt Markus Brost, Vorsitzender des Umweltverbandes BUND in Rostock. "Wovon sollen sie leben?" Es bestehe die Gefahr, dass der verlängerte Winter eine große Zahl dahinrafft. Brost rät, die Vögel auch weiterhin zu füttern. Wenn nicht mit fertigem Futter, dann mit selbst hergestelltem. Dass die Tiere durch die Fütterung in der kalten Jahreszeit verweichlichen, glaubt er nicht. "Ich kann guten Gewissens sagen: Man tut nichts Falsches."

Selbst gemachtes Futter als sinnvolle Alternative - darauf weisen auch die Rostocker Fachhändler hin. "Gut ist, wenn Sonnenblumenkerne drin sind", sagt Jana Rübe von Fressnapf. Aber auch Rosinen, Haferflocken oder Äpfel seien bei Vögeln beliebt, allerdings auch gleich etwas teurer. Thürke vom Futterhaus rät, den Tieren Hirse anzubieten.

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