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14. Dezember 2017 | 16:05 Uhr

Rostocks kritische Masse wächst

vom

svz.de von
erstellt am 03.Sep.2013 | 06:42 Uhr

Rostock | Wenn die Critical Mass - die kritische Masse - über Rostocks Straßen rollt, drehen sich die verwunderten Köpfe der Passanten fast automatisch in ihre Richtung. "Es kommen ständig Leute auf uns zu und fragen, warum wir unterwegs sind", sagt Norman Rohatsch. Manche würden den Zug auch kurz begleiten und dann wieder ihrer Wege ziehen. Wie die mittlerweile rund 80 anderen Mitfahrer will der 27-jährige Schichtleiter eines Fastfood-Restaurants auf die Rechte von Radfahrern im Straßenverkehr aufmerksam machen - und einfach mal vom Arbeitsalltag abschalten. "Das ist ein willkommener Ausgleich", sagt er.

Einen festen Organisator der Ausfahrten, die immer am letzten Freitag im Monat stattfinden, gibt es nicht. Startort und -zeit tauschen die Teilnehmer ein paar Stunden vorher im Internet aus. Dann geht es im gemütlichen, auch für Kinder geeigneten Tempo mit dem einen oder anderen Erfrischungsgetränk und etwas Musik aus mobilen Boxen los. "Das ist kein Rennen, sondern normales Vorankommen unter Einhaltung der Verkehrsregeln", sagt Marten Brosch. Die Straßenverkehrsordnung gesteht einem Verband aus mehr als 16 Radfahrern ein paar Sonderrechte zu. So dürfen die Teilnehmer beispielsweise als geschlossener Zug auch bei Rot über eine Ampel fahren, wenn die Zugführer bei Grün gestartet sind. Lahmlegen wollen die Radler Rostocks Verkehr aber nicht. "Wir achten schon darauf, nicht auf Hauptstraßen wie Am Strande zu fahren", sagt Brosch.

Ein paar Autofahrer seien aber immer dabei, die den Zug wütend anhupten. Und zu Beginn der Ausfahrten gab es auch öfter mal kleinere Scherereien mit der Polizei. Die Ordnungshüter konnten den plötzlichen Auflauf, der da auf der Straße unterwegs war, nicht einordnen. Deswegen wendeten sie in einer ersten Reaktion überharte Kontrollen an. "Sie haben schon Gründe gesucht, uns am Weiterfahren zu hindern", sagt Rohatsch. Das habe sich aber mittlerweile eingependelt. Jetzt würde ab und an noch mal ein Streifenwagen vorbeigucken, mehr aber auch nicht. "Wir wollen alles mit Liebe und Herz machen", sagt Christian Maaß. Der 33-Jährige hat mit dafür gesorgt, dass es neuerdings auch T-Shirts mit passendem Schriftzug gibt. "Die Critical Mass ist schließlich dafür gedacht, sich als Radfahrer bemerkbar zu machen", so Maaß.

Ursprünglich kommt das Phänomen aus San Francisco, ist aber schon vor Jahren auch nach Deutschland übergeschwappt. Vorbild hier ist vor allem Hamburg, wo zuletzt 2500 Fahrradfahrer in die Pedalen traten. Die größte Critical Mass überhaupt gab es in Budapest. Dort nahmen 80 000 Menschen teil. Und auch in Deutschland wird der Treff immer beliebter. "Greifswald hatte schon 500 zusammen", sagt Rohatsch. Damit würde die Studentenstadt auch gerne gegenüber dem großen Rostock angeben. Dass so viele Menschen aller Altersklassen zusammenkommen, begrüßt Brosch: "Es ist ein Happening und je mehr mitmachen, desto besser." Er ist von Anfang an dabei und kennt inzwischen 50, 60 Prozent der in Rostock noch relativ jungen Leute. "In Hamburg ist wirklich vom 70-jährigen Opa bis zum Kleinen im Anhänger jeder dabei", sagt er. Wo es langgeht, entscheiden die Fahrer an der Spitze spontan. Eine festgelegte Route gibt es nicht. Sonst müsste die Veranstaltung auch als Demonstrationszug bei der Stadt angemeldet werden.

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