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Voreigentümer stellt Abrissantrag : Rostocks Heinkel-Mauer soll fallen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Voreigentümer stellt Abrissantrag / Gutachten attestiert: Sanierung kaum möglich / Denkmalpflege sucht Alternativen

Sie ist Symbol für Rostocks Auseinandersetzung mit seiner Geschichte. Jetzt soll die Heinkel-Mauer fallen. Die Krieger Grundstück GmbH hat das beim Bauamt beantragt. Grundlage ist ein Gutachten der Firma Inros Lackner. Das attestiert: Die Mauer kann so nicht erhalten bleiben.

„Sie ist aus meiner Sicht baulich in einem sehr, sehr schlechten Zustand“, sagt Ines Gründel, die Leiterin des Bauamtes. Das Problem ist die Substanz: „Die Steine sind zu schwach gebrannt. Viele sind schon abgeplatzt“, erklärt der städtische Denkmalpfleger Peter Writschan. Die Mauer verkleidete optisch zwei Hallen der Ernst-Heinkel-Flugzeugwerke. Seit 20 Jahren steht sie völlig frei. Die Backsteinreihen zerlegt das regelrecht. Hauptsächlich sei das das Problem bei der zur Straße gewandten geklinkerten Front. „Die Firma Inros sieht keine akute Gefahr“, so Gründel. Im Sommer war die Mauer gesichert worden, als Steine sich gelockert hatten. Eine Endlösung sei das aber eben nicht gewesen, so Gründel.

Jetzt ist das Amt für Kultur und Denkmalpflege gefragt. Es wird dem Bauamt, das in den nächsten paar Monaten über Stand oder Fall der Mauer entscheiden muss, eine Empfehlung geben. Noch haben die Denkmalpfleger den Abrissantrag nicht vorliegen. Peter Writschan und Amtsleiterin Michaela Selling haben aber schon Gutachten. „Die Frage ist, ob ein langfristiger Erhalt möglich ist“, sagt Writschan. „Wir werden mit dem Landesamt für Denkmalpflege verschiedene Varianten besprechen, was damit passiert“, führt er aus. Denkbar ist, dass drei oder vier Fensterachsen, also Teile der Mauer, stehen bleiben. Die 80 Meter lange Wand aber komplett aufzuarbeiten, sei unwahrscheinlich. Die Steine seien zu marode, schätzt Writschan. Ein Nachbau wäre eine Option, oder einzelne Steine in ein neues Bauwerk zu übernehmen.

„Eine Integration einzelner, prägnanter Bauteile der Mauer“, so Sprecher Michael Ahrens, könne sich die Wiro vorstellen. Sie ist heutiger Eigentümer eines Großteils der Flächen am Werftdreick, will dort Wohnungen bauen. Krieger würde den Abbruch aber zahlen. Darauf hätten sich beide Unternehmen verständigt. Der Voreigentümer hatte das Gutachten auch beauftragt. Die Stadt will allerdings, auch wenn die Mauer fallen muss, das historische Erbe nicht aufgeben: „Letztendlich geht es darum, an die Geschichte an diesem Ort zu erinnern“, sagt Writschan – primär an die Heinkel-Werke. Aber die Geschichte ist noch breiter: „In den 30er-Jahren hatten Mercedes und Ford große Niederlassungen an der Lübecker Straße.“ Schon vor den Heinkel-Werken waren die Norddeutschen Drahtwerke dort angesiedelt. Die Neptun-Werft übernahm das Gebiet nach dem Krieg. In einem Aufstellungsbeschluss für das Gelände ist verankert, dass die Wiro dem historischen Erbe des Ortes gerecht werden muss.

Ines Gründel Leiterin des Bauamtes
„Die Mauer  ist aus meiner Sicht in einem sehr, sehr schlechten Zustand.“
Peter Writschan Stadtkonservator Denkmalpflege
„Wir werden mit dem Landesamt verschiedene Varianten besprechen, was damit passiert.“

HINTERGRUND
Die Geschichte der Heinkel-Mauer

 

Heinkel gründete  am 1. Dezember 1922 die Ernst-Heinkel-Flugzeugwerke Warnemünde. 1934 erwarb er zwei  Hallen zwischen Werft- und Lübecker Straße. 1935 setzte er als optische Verkleidung die 80 Meter lange Heinkel-Mauer davor. Das Unternehmen gab Rostock Aufschwung, verkaufte Maschinen und Lizenzen nach Dänemark, Ungarn oder Asien. Der Bau von Arbeiterwohnungen ließ Stadtteile (Alt-Reutershagen, Komponistenviertel) entstehen. Anfang der 1940er wurden in den Werken Zwangsarbeiter beschäftigt. Es gab auch KZ-Außenlager zum Bau von Flugzeugteilen. Ein Großteil der Werke wurde 1945 zerstört. Die Mauer wurde 1993 unter Denkmalschutz gestellt.

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