Poetry Slam in Rostock : Rostocks größte Dichterin

An ruhigen Plätzen, wie unter anderem am Rostocker Stadthafen, schreibt Anne Kalkbrenner ihre Texte für die Wettbewerbe.
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An ruhigen Plätzen, wie unter anderem am Rostocker Stadthafen, schreibt Anne Kalkbrenner ihre Texte für die Wettbewerbe.

Lehramtsstudentin Anne Kalkbrenner hat sich für die Deutschen Meisterschaften in Stuttgart qualifiziert. Rostocker Stadtmeisterschaft am 3. Juni.

svz.de von
03. Juni 2016, 12:00 Uhr

Menschen zum Nachdenken über sich und die Gesellschaft anregen, etwas verändern an vorgefertigten Mustern und Vorurteilen, sowie aktuelle Themen kritisch beleuchten: Das will die Rostocker Lehramtsstudentin Anne Kalkbrenner mit ihren selbstgeschriebenen Texten erreichen, wenn sie bei Poetry Slams in der Hansestadt sowie im ganzen Land antritt und dem Publikum ihre Geschichten erzählt.

Seit 2012 steht die gebürtige Thüringerin bereits auf der Bühne. „Früher habe ich eher kindliche Liebespoesie gemacht. Heute schreibe ich über alles, was mich stört“, sagt die 23-Jährige und ergänzt: „Mich beschäftigt es, wenn Menschen pauschalisiert werden.“ In ihren Slams setzt sich Anne aus diesem Grund mit dieser Thematik auseinander sowie mit der aktuellen Politik und Vorurteilen. Aber auch Themen wie Schönheitswahn, Klimawandel oder der Umgang mit digitalen Medien werden von ihr direkt angesprochen.

Zur Person Anne Kalkbrenner
Die Poetry-Slammerin Anne Kalkbrenner kommt gebürtig aus Thüringen. Die 23-Jährige studiert an der Uni Rostock Philosophie und Deutsch auf Lehramt. Schon in frühen Jahren ihrer Kindheit hat sie mit dem Schreiben begonnen. Zuerst kleinere Geschichten, Liebespoesie und schlussendlich Gedichte, die sie seit 2012 auf Bühnen präsentiert. In ihren Texten setzt sie sich mit Politik, Schönheitswahn und dem Umgang mit Medien auseinander.
Im November wird sie bei den deutschsprachigen Poetry-Meisterschaften in Stuttgart antreten.

„Eine Freundin sagt immer zu mir: ,Anne, du sollst nicht so sehr den Zeigefinger heben’“, erzählt die Lehramtsstudentin für Deutsch und Philosophie mit einem Lächeln. Doch manchmal sei der Zeigefinger nun mal notwendig, um Menschen Dinge vor Augen zu führen, die falsch laufen, ergänzt sie. Früher habe sie einmal gedacht, dass Poetry Slam lustig sein müsse, heute weiß sie, dass das Publikum auch mit nachdenklichen, ernsteren Texten berührt werden kann.

Doch aufgeregt ist die Studentin jedes Mal aufs Neue, wenn sie auf der großen Bühne steht. Heute ist es dann für sie und weitere Slammer aus der Stadt wieder soweit. Zum ersten Mal wird die Rostocker Stadtmeisterschaft um 20.30 Uhr im Audimax der Universität ausgetragen. 500 Zuschauer werden erwartet. „Für die Stadtmeisterschaft muss man sich bei den verschieden Slams in Rostock qualifizieren. Die Slams haben hier die meisten Slammer und Zuschauer in Mecklenburg-Vorpommern, die längste Tradition und den meisten Nachwuchs. Daher darf schon einiges an Qualität erwartet werden“, sagt Veranstalter Daniel Karstädt von Kulturbotschafter Events und ergänzt: „Der Gewinner erhält den Pokal ,Das Rostocker Großmaul’ und ist qualifiziert für die Landesmeisterschaft und eventuell für die deutschsprachigen Meisterschaften.“

Hintergrund: Poetry Slam
Bei einem Poetry Slam präsentieren Teilnehmer selbstgeschriebene Texte aus allen Genres einem Publikum. Es kann als eine Art literarischer Wettbewerb gesehen werden, bei dem am Ende ein Sieger gekürt wird. Dieser kann sich je nach Meisterschaft für den Landeswettbewerb als auch für nationale Wettstreite qualifizieren. In Rostock wird heute um 20.30 Uhr die Stadtmeisterschaft im Audimax der Universität ausgetragen. Die Teilnehmer haben sich zuvor bei anderen Slam-Veranstaltungen dafür qualifiziert.

Bei den deutschsprachigen Meisterschaften wird Anne ganz gewiss antreten, denn sie hat bei der jüngsten Landesmeisterschaft in Neubrandenburg gewonnen und somit ihre Eintrittskarte für den Wettbewerb in Stuttgart im November erhalten.

„Ich freue mich riesig darauf. Es ist eine unheimliche Chance, einmal mit den großen Slammern auf der Bühne stehen zu dürfen.“, sagt Anne, die bereits an neuen Slam-Texten feilt. Ideen dafür kommen ihr immer sehr spontan, es benötige jedoch einen konkreten Auslöser und dann schreibe sie ihre Texte einfach in einem Fluss herunter, erklärt die Lehramtsstudentin. „Wenn ich beispielsweise am Universitätsplatz sitze und eine Möwe ein Eis klaut, dann fallen mir Geschichten ein“, so die Slammerin.

Schon seit ihrer frühesten Kindheit schrieb die Poetry-Slammerin gerne und viel, vor allem Prosatexte: „Es ist spannend, Geschichten zu erzählen über Figuren, die es so vielleicht gar nicht gibt, die aber jeder kennen könnte“, sagt Anne, die in ihren jetzigen Texten viel Wert auf Reime legt.

Schreiben ist ihre Leidenschaft und verschaffe ihr vor allem die Möglichkeit, sich anderen mitzuteilen: Zwei neue Texte sind gerade in Arbeit, an weiteren Ideen feile sie noch. Denn schließlich will das Publikum immer wieder neue Texte hören, sich wiederfinden oder sein Handeln überdenken. „Das Publikum entscheidet schlussendlich, ob ihm der Auftritt gefallen hat und bewertet einen“, so die Slammerin und ergänzt: „Ob ich immer an Wettkämpfen teilnehmen werde, weiß ich jetzt noch nicht. Poetry Slam ist für mich ein kreativer Kanal, der mir momentan sehr viel Spaß bringt.“

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