Rostocks Grande Dame feiert 50.

<strong>Sara verschlingt </strong>täglich mehr als 100 Kilogramm Futter.<foto>dpa</foto>
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Sara verschlingt täglich mehr als 100 Kilogramm Futter.dpa

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06. Juni 2012, 07:30 Uhr

Gartenstadt | Die Elefantenkuh Sara dreht ruhig ihre Runden über ihr Außengehege im Rostocker Zoo. Von den Schafen, mit denen sie das Terrain teilt, will sie an diesem Frühsommermorgen nichts wissen. "Sara geht es gut", ist Zoo-Kuratorin Antje Zimmermann überzeugt. Das ist nicht selbstverständlich, denn Sara ist 50 Jahre alt und damit - soweit es das europäische Zuchtbuch zeigt - Europas ältester afrikanischer Elefant. Im Schnitt werden diese Tiere lediglich 40 bis 45 Jahre alt, indische Exemplare können es auf 50 Jahre bringen.

Heute wird der Geburtstag des Publikumslieblings gefeiert, auch wenn das Geburtsdatum gar nicht feststeht. Nach den alten Eintragungen ist sie am 8. September 1964 in Rostock eingetroffen - als Wildfang aus Afrika und mit dem Hinweis, dass das Tier zwei Jahre alt ist. Mehr Daten über Sara liegen den Rostockern nicht vor.

Elefanten sind sehr soziale Tiere, die feste Gruppenstrukturen benötigen. Dass Sara alleine auf 1750 Quadratmetern lebt, liegt daran, dass ihre Mitbewohner in den vergangenen Jahren entweder innerhalb des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms weggegeben wurden oder gestorben sind. Zuletzt starb 2009 Bibi. Sie war ein Jahr zuvor geholt worden, um mit Sara eine Senioren-WG aufzumachen. Bibi hatte ein kaputtes Bein und stand eines Tages trotz aller Hilfe nicht mehr auf. "Aber die WG war alles andere als harmonisch, die beiden alten Damen haben richtig miteinander rumgezickt", berichtet Zimmermann.

Sara ist vor allem bei Kindern beliebt. Für die Psychologin Katharina Blesch ist das kein Wunder. "Elefanten strahlen Kraft, Wärme und Geborgenheit aus. Sie sind durch nichts zu erschüttern", sagt die Expertin aus Schömberg im Schwarzwald, die in der Therapie mit Kindern viel mit Tieren arbeitet. Elefanten stehen auch für Ferne, Exotik und Abenteuer. Zudem teilten sich die Tiere durch unverfälschte Emotionalität mit und Kinder bewegten sich noch mehr in dieser Erlebens- als in der rationalen Erwachsenenwelt.

Täglich verschlingt Sara mit ihren 2,8 Tonnen Gewicht mehr als 100 Kilogramm Futter. Meist sind es Heu und Äste, aber es gibt auch Knäckebrot, Möhren oder Bananen. Ein bisschen plagt sie Arthrose, was sie aber nicht davon abhält, manchmal die kleinen Kamerun-Schafe durchs Gehege zu jagen. Oft kommen besorgte Zoobesucher und fragen, ob es Sara so ganz alleine ohne Familienverbund nicht schlecht geht. Aber dann gibt Zimmermann Entwarnung: Die Tierpfleger springen als Ersatz ein. Sie beschäftigen sich täglich mehrere Stunden mit ihr, waschen sie und machen Pediküre. Anders geht es auch gar nicht, denn in ihrem Alter sei ein Transport unzumutbar. Jede Elefantengruppe eines anderen Zoos käme völlig durcheinander, wenn plötzlich eine so alte und dominante Kuh wie sie hineinkäme. "Wahrscheinlich wäre es das größte Unglück für Sara, weil sie dann wegen ihres Alters und Gesundheitszustandes das letzte Glied in der Gruppe wäre."

Schon jetzt steht fest, dass Sara der letzte Dickhäuter im Rostocker Zoo sein wird: Wenn die Grande Dame mal stirbt, wird die Elefanten-Ära in Rostock ganz auslaufen. "Wir konzentrieren uns auf Menschenaffen und hoffen, demnächst die Bedingungen für unsere Eisbären verbessern zu können. Rostock führt seit 1980 das Internationale Eisbären-Zuchtbuch", sagt Zimmermann. Vor wenigen Tagen ist aus Wuppertal der Vater des berühmten Berliner Eisbären Knut eingetroffen. Er soll für Nachwuchs auf der Bärenburg sorgen. Im Herbst wird das Darwineum, die neue Heimat der Menschenaffen, eröffnet.

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