Besonderes Instrument : Rostocks Glockenspieler feiert Jubiläum

Die 32 Glocken des Rostocker Carillons spielt Olaf Sandkuhl seit 30 Jahren vom Grand Café am Uniplatz aus. Mit Füßen und Fäusten bedient er jeden Sonnabend das seltene Instrument.
Die 32 Glocken des Rostocker Carillons spielt Olaf Sandkuhl seit 30 Jahren vom Grand Café am Uniplatz aus. Mit Füßen und Fäusten bedient er jeden Sonnabend das seltene Instrument.

Seit 1986 bedient Olaf Sandkuhl das Carillon am Uniplatz. Jeden Sonnabend erklingt ein neues Konzert.

svz.de von
21. Juni 2016, 12:00 Uhr

Wenn am Uniplatz das Glockenspiel erklingt, dann ist es Olaf Sandkuhl, der im Grand Café in die Holztasten haut. Seit 30 Jahren spielt der gebürtige Magdeburger das Carillon in Rostock. Dafür ist er im April 1986 im Zuge dessen Einweihung an die Küste umgesiedelt. „Ein Carillon ist ein Bronzeglockenspiel, das über eine Stockklaviatur mit Füßen und Fäusten bedient wird“, erklärt der Musikpädagoge. Die Instrumente sind selten: „In Deutschland gibt es nur etwas mehr als 40 Stück. Viele von ihnen werden gar nicht bespielt, weil es nicht viele beherrschen“, so Sandkuhl.

In Rostock erklingt das Carillon von April bis Oktober jeden Sonnabend für eine halbe Stunde. „Dafür arrangiere ich jede Woche ein neues Konzert“, sagt der Musiker – aus klassischen Stücken und zeitgenössischen Kompositionen. Der Clou: „Man muss die Stücke speziell auf jedes Carillon abstimmen. Es ist nicht so, dass man Notensätze für das Instrument bekommt“, sagt Sandkuhl, denn jedes Carillon ist anders. „In Rostock besteht das Schillingglockenspiel aus Apolda aus 32 Bronzeglocken – es können aber auch viel mehr sein“, weiß der Musikpädagoge, der in der Hansestadt Unterricht auf Tasteninstrumenten und zur Musiktheorie gibt. „Aber den Sonnabendmittag halte ich mir immer frei“, sagt Sandkuhl. Es sei schließlich etwas ganz Besonderes, dass ein so spezielles Instrument wirklich jede Woche zum Klingen gebracht werde. Dabei stand das Spiel nach der Wende lange still. „Erst 1999, als das Fünfgiebelhaus saniert wurde, sollte ich wieder regelmäßig Konzerte geben“, erinnert sich der Carillonneur.

Vor jedem Konzert muss Sandkuhl sein Instrument „stimmen“. Das bedeutet, dass er die Seilzüge und Umlenkrollen, mit denen er die Glocken bedienen kann, je nach Anschlag und Dynamik feststellen muss. „Die Bronzeglocken sind festmontiert. Wenn ich mit den Füßen oder Fäusten zuschlage, dann bewegen sich lediglich die Klöppel“, erklärt der Musiker. „Dabei darf der Abstand nicht zu groß und nicht zu klein sein, um die entsprechenden Töne zu erhalten.“ Zweieinhalb Oktaven umfasst das Spiel mit den 32 Glocken. Bei seinem mobilen Carillon, das Sandkuhl vor mehr als zehn Jahren erworben hat, sind es sogar 37. „Es ist laut Glockenspielervereinigung das einzige mobile Carillon in ganz Deutschland“, sagt Olaf Sandkuhl. Mit dem ist der Musiker deutschlandweit bei Veranstaltungen unterwegs.

Kontakt: Olaf Sandkuhl Telefon: 0381/769 98 63; E-Mail: info@musikstudio-sandkuhl.de

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