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Norddeutsche Neueste Nachrichten

11. Dezember 2017 | 14:22 Uhr

Kunst : Rostocks geschenkter Gaul

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Zum 86. Geburtstag von Jo Jastram enthüllt eine gemeinsame Initiative von Kulturinteressierten die Plastik „Schreiender Hengst“.

von
erstellt am 05.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Es ist ein Geschenk, das sich die Rostocker selber machen. Und es ist ein Geschenk im Andenken an den 2011 verstorbenen Bildhauer Jo Jastram. Auf dem Platz vor dem Kröpeliner Tor konnte gestern, pünktlich zum 86. Geburtstag Jastrams, dessen Plastik „Schreiender Hengst“ enthüllt werden.

Dass die beeindruckende Pferde-Skulptur nun den Eingang zur historischen Innenstadt ziert, verdankt die Stadt einer Initiative engagierter Kulturinteressierter. Denn das Projekt basiert auf einer Idee des ehemaligen Architekten Ulrich Hammer, der für seine Vision, den „Schreienden Hengst“ nach Rostock zu holen, tatkräftige Mitstreiter fand. Die Freunde der Kunsthalle, die Kulturstiftung Rostock, nicht zuletzt Mitglieder von Bürgerschaft und Stadtverwaltung unterstützten das Projekt. So konnten binnen weniger Monate die nötigen 120 000 Euro aufgetrieben werden – zum Teil als Spenden, zu einem Teil auch in Form einer Förderung von Seiten der Hansestadt.

Hammer zeigte sich kurz vor dem Moment der Enthüllung merklich bewegt. „Es ist die Mitbürgerlichkeit, die hier zum Vorschein kam und die mein Herz lachen lässt“, sagte er vor den zahlreich erschienenen Gästen aus Kultur, Politik und Wirtschaft. Den Spendern – vom Unternehmen über den Verein bis hin zur Privatperson – sei es zu verdanken, dass die Plastik nun diesen zentralen Platz gefunden hat. Dieses gesellschaftliche Engagement war es auch, das Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) in ihren Reden hervorhoben. „Der Gedanke, dass sich Bürger gemeinsam für ein Ziel einsetzen, ist so alt wie die Hansestadt Rostock selbst“, sagte Sellering. Das Land versuche zu fördern, sei aber auf die Unterstützung vor Ort angewiesen. Methling nutzte die Gelegenheit, um den Chef der Landesregierung daran zu erinnern, dass die Rostocker Kunsthalle einen geeigneten Ort zum Aufbau eines Landeszentrums für moderne Kunst im Ostseeraum abgeben würde.

„Dieses Pferd wird nicht nur Freunde finden“, sagte Hammer mit Blick auf den „Schreienden Hengst“. Es sei widerborstig, fern von glatter Schönheit. Für ihn sei es ein Mahnmal, ein Symbol für die geschundene Kreatur – und zwar nicht nur Tier und Pflanze, sondern vor allem auch Mensch. Es zeige Trauer und das sich Aufbäumen dagegen. „Wir alle müssen uns aufbäumen gegen Leid, Trauer und Kriegsverbrechen“, sagte Hammer. „Wir alle sind die geschundene Kreatur.“

Der „Schreiende Hengst“ wird vorbehaltlich der Zustimmung der Bürgerschaft in den Besitz der Hansestadt übergehen. Sie wird dann für Pflege und Sicherung zuständig sein.

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