Rostocks gefährlichste Straßen

Auf der Drei-Jahres-Karte hält Rudolf Lazar Unfälle mit Toten und Schwerverletzten fest.geos
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Auf der Drei-Jahres-Karte hält Rudolf Lazar Unfälle mit Toten und Schwerverletzten fest.geos

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06. Oktober 2011, 08:02 Uhr

Rostock | Vier Quadrate hat Polizeihauptkommissar Rudolf Lazar in diesem Jahr schon auf seinem Rostock-Stadtplan setzen müssen. Sie stehen für vier Menschen, die im Straßenverkehr getötet wurden. Zuletzt erlag eine 39-jährige Fußgängerin ihren Verletzungen nach einem Geländewagen-Zusammenstoß am Steintor.

Rostocks gefährlichste Kreuzung jedoch findet sich nicht in der Innenstadt, sondern an der Einmündung der Güstrower Straße in die Stadtautobahn in Lichtenhagen. "Da hatten wir die meisten Toten und Verletzten", sagt Lazar. In den vergangenen Jahren seien hier vier Menschen gestorben, zehn schwer verletzt worden. Mittlerweile gilt an dieser Stelle Tempo 60 statt 80. Auch die Zuwegung der Rampe vom S-Bahnhof und die Straßenüberquerung für Fußgänger und Radfahrer wurden verändert.

Im nächsten Jahr soll zudem mit einem festen Blitzer die Geschwindigkeit strikter kontrolliert werden. "Mehr kann man da nicht machen", sagt Lazar. Einen Rotlichtblitzer gibt es bereits - der für mehrere Unfälle verantwortlich ist. "Die Leute sind bei Gelb in die Eisen gegangen", sagt Lazar. Das habe dann schwere Auffahrunfälle mit Kradfahrern nach sich gezogen.

Rein von der Unfallzahl ist allerdings der Holbeinplatz Rostocks Gefahrenkreuzung Nummer eins. "Das waren überwiegend Blechschäden", so der Verkehrsexperte. Nachdem der Straßenbelag im vergangenen Jahr erneuert worden sei, habe die Häufigkeit aber abgenommen. Die Autos haben beim Bremsen wieder mehr Grip, vor allem bei Nässe. Plötzliche Spurwechsel, die Hauptunfallursache an dieser Stelle, seien damit aber nicht gelöst worden.

Generell stellt die L 22 eine Unfallhäufungslinie dar , sagt Lazar: "Vom Schutower Kreuz bis zur A 19 haben wir durchgehend viele Schwerverletzte." Denn der Abschnitt sei der meistbefahrene der Stadt. Hinzu kämen zum Teil zu kurze Ampelphasen, beispielsweise an der Ecke Lübecker Straße und Maßmannstraße.

Weitere Schwerpunkte sind der Vögenteichplatz, die Kreuzungen Südring und Erich-Schlesinger-Straße sowie Warnowallee und Osloer Straße. "Letztere ist ein Riesenproblem", sagt Lazar. Ihm zufolge soll noch in diesem Jahr ein Kreisverkehr die Situation entschärfen. "Das war seit Jahren ein Wunsch von uns", so der Experte. Bislang sei dieser aber immer am Geld gescheitert, wie auch andere Projekte. Auf den Kreisverkehr in Niederhagen beispielsweise, den der Polizist 1996 beantragt hatte, musste er elf Jahre warten. Doch der Erfolg gibt ihm Recht: "Überall, wo wir einen Kreisverkehr haben, ist das Unfallaufkommen praktisch gleich null." Leider gebe es in der Hansestadt aber kaum welche.

Alles in allem habe die Masse der Unfälle in Rostock in den vergangenen Jahren abgenommen. Gab es 1995 noch 14 Tote und 214 Schwerverletzte, sank diese Zahl allein bis zur Jahrtausendwende auf sieben Tote und 167 Schwerverletzte. 2010 waren es gar nur noch drei Tote und 62 Schwerverletzte. Aber: "Wenn wir einen großen Unfall haben ist die ganze Statistik umsonst", sagt Lazar.

Besonders gefährdet seien Fußgänger und Radfahrer. "Meistens trifft es sie", so der Polizist. Mit dem Alter hätten Unfälle in der Stadt hingegen wenig zu tun. Auch Ursachen wie zu schnelles Fahren oder Abkommen von der Fahrbahn seien in Rostock nicht so eindeutig zu klären. Bei Unfällen mit Toten seien zudem Schutzbehauptungen ganz normal. "Da geht es um die Existenz", so Lazar. Zum Teil hingen der Job und damit das eigene Haus an der Sache.

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